Keine Titelverteidigung: U17 ohne Supertalent des FC Bayern bei WM chancenlos

Die deutsche U17-Nationalmannschaft scheiterte beim Versuch, den WM-Titel von 2023 zu verteidigen ziemlich kläglich. Auch weil ein Schlüsselspieler fehlte. Ein Kommentar

Rückblick: Nach dem Sieg bei der U17-Europameisterschaft gewann die deutsche Nationalmannschaft spät im Herbst 2023 in Indonesien auch die Weltmeisterschaft. Es war erst der zweite WM-Titel in der Geschichte des DFB im Juniorenbereich nach dem Triumph der U19 im Jahr 1981 und fand dementsprechend große Beachtung, speziell nach dem frühen Scheitern der A-Nationalmannschaft ein Jahr zuvor in Katar.

Gegenwart: Ohne ihren Talentiertesten, FCB-Shootingstar Lennart Karl, trat die U17 des DFB dieses Mal ohne die Empfehlung eines EM-Titels, aber dennoch mit großen Ambitionen beim WM-Turnier in Katar an – und scheiterte kläglich. Das Turnier findet derzeit – wie auch die Senioren-WM 2026 – erstmals im aufgeblähten Modus mit 48 Nationalteams statt, vor zwei Jahren waren es noch 32.

Holprige WM der U17 des DFB bis zum frühzeitigen Aus

Das Team von Marc-Patrick Meister tat sich bereits in der Gruppenphase ziemlich schwer. Nach zwei 1:1-Unentschieden gegen Kolumbien und Nordkorea konnte man sich dennoch mit einem 7:0-Kantersieg über El Salvador als Gruppensieger für die KO-Runde qualifizieren. Aufgrund des neuen Modus ist dies nun das Sechzehntelfinale, die Runde der letzten 32, immer noch so viele Teilnehmer wie bislang zum Turnierstart.

Jedoch wurde bereits diese Runde für die deutsche U17 gegen den Außenseiter Burkina Faso zur Endstation. Nach nur fünf Spielminuten fiel nach einer Fehlerkette in der deutschen Defensive das Spiel entscheidende Gegentor. Der enttäuschte DFB-Coach Meister bewertete den Treffer nach der Partie auf der Homepage der FIFA als symbolisch für das gesamte Spiel seiner Mannschaft: „Wir hatten viele Fehler mit dem Ball, kein gutes Timing“.

Mit Lennart Karl fehlte der Jahrgangsbeste, aber keine Erfolgsgarantie

Obwohl Deutschland nie aufgab, fand es im Grunde genommen über die gesamte Spielzeit (inklusive 13 Minuten Nachspielzeit) nie die richtigen Mittel, um die engmaschige Defensive der Afrikaner zu überwinden. Karls Teamkollege beim FC Bayern, Wisdom Mike, war einer der wenigen Lichtblicke im DFB-Nachwuchsteam, das nun überraschend früh die Heimreise antreten muss.

Lennart Karl hat dem DFB-Nachwuchs des Jahrgangs 2008 an allen Ecken gefehlt, er ist das einzige deutsche Supertalent dieses Jahrgangs. Dennoch wäre es äußerst spekulativ zu behaupten, dass man mit ihm ein sehr erfolgreiches Turnier hätte bestreiten können. Denn auch mit ihm war man im Mai bei der Europameisterschaft in Albanien in einem Turnier mit acht Mannschaften in der Gruppenphase an Frankreich und Portugal gescheitert. Diese bestritten allerdings später auch das Endspiel, in welchem sich die Iberer mit 3:0 durchsetzten.

Bei Nachwuchsturnieren tauchen auch jedesmal Fragen über die korrekten Altersangaben von afrikanischen Teams auf. Diese sind dort stets auffallend erfolgreicher als ihre A-Nationalmannschaften. So ist auch Nigeria der U17-Rekord-Weltmeister mit fünf Titeln bei bislang 19 ausgetragenen Turnieren. Auch Ghana konnte sich bereits zweimal in die Siegerliste eintragen. Beim WM-Turnier 2022 in Katar konnte sich dagegen mit Marokko erstmals ein afrikanisches Team für das Halbfinale einer Senioren-WM qualifizieren.

Was bedeutet das frühe Ausscheiden des Titelverteidigers für den DFB?

Im Grunde genommen gar nichts. Der Blick auf die bisherigen Profikarrieren der gefeierten Weltmeister von 2023 ernüchtert nämlich: Den zahlreichen Ausfällen geschuldet wurde von Julian Nagelsmann für das WM-Qualifikations-Spiel in Luxemburg mit Assan Quédraogo erstmals ein Spieler für die A-Nationalmannschaft berufen. Der 19-jährige bisherige U20-Nationalspieler (nicht U21!) spielt auch regelmäßig für RB Leipzig in der Bundesliga, sonst von den U17-Weltmeistern von 2023 nur Max Moerstedt bei der TSG Hoffenheim (U19-Nationalteam).

Beim FC Bayern feierte man im Dezember 2023 gar vier Weltmeister: Torhüter Max Schmitt, der ist aktuell an den Drittligisten SSV Ulm ausgeliehen und gab beim Abstiegskandidaten beim 0:5 gegen Hansa Rostock gerade erst sein Liga-Debüt. Der ebenfalls ausgeliehene Verteidiger Maximilian Hennig ist immerhin Stammspieler in der Österreichischen Bundesliga beim TSV Hartberg. Stürmer Robert Ramsak, gebürtiger Münchner, wechselte 2024 zu RB Leipzig und wurde nun von den Roten Bullen in die 2. Bundesliga nach Braunschweig verliehen. Alle Drei gehören derzeit zum Kader der deutschen U19-Nationalmannschaft.

Der einzige U17-Weltmeister, der aktuell noch das FCB-Trikot trägt, ist Mittelfeldspieler Kurt Rüger. Er dümpelt derzeit mit den Bayern Amateuren im Mittelfeld der viertklassigen Regionalliga Bayern herum. Kein Wunder, dass seine Karriere in den DFB-Nachwuchsteams nach der U18 vorerst ihr Ende fand. Übrigens feierten auch die Weltmeister von 1981 auch geschlossen keine N11-Karrieren. Immerhin können von ihnen Michael Zorc (BVB) und Roland Wohlfarth (FCB) auf großartige Bundesliga-Karrieren zurückblicken.

Beim nun bei der WM in Katar so schmerzlich vermissten Lennart Karl wird aller Voraussicht nach noch eine großartige Karriere folgen. Er ist derzeit der mit Abstand jüngste deutsche U21-Nationalspieler und feierte dort gegen Malta (6:0) nicht nur wegen seines Doppelpacks ein überragendes Debüt. Es gibt sogar schon Stimmen, die ihn sehr bald im Team von Julian Nagelsmann, auch bei der WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada, sehen.

Ein Kommentar zu “Keine Titelverteidigung: U17 ohne Supertalent des FC Bayern bei WM chancenlos

  1. Schwache Vorstellung der deutschen U17.
    Der Trainer hatte wohl vorher noch gewarnt. Arroganzproblem?
    Aber der Kontext wurde sehr schön beschrieben… kein Beinbruch.
    Ein U17-Titel garantiert rein überhaupt nichts. Das wäre so, als ob sämtliche Moukoko-Statistiken die wichtigsten im deutschen Fußball wären…

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