Nicht nur dank dem FC Bayern: Bundesliga in Europa top!

Regelmäßig wird hierzulande die internationale Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität des eigenen Fußball-Oberhauses schlecht geredet. Die Bundesligisten führen das gerade ad absurdum.

Das Thema ist auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern am vergangenen Wochenende wieder hochgekocht: Aufgrund der extremen Unterschiede bei den Geldern durch die Auslandsvermarktung hinkt die Bundesliga der englischen Premier League, aber auch LaLiga in Spanien hinterher: Über zwei Milliarden Euro nehmen die PL-Vereine aus der internationalen Vermarktung ein, LaLiga kommt auf 835 Millionen, die Bundesliga liegt bei lediglich 174 Millionen Euro. Dies schlägt sich bei den Transfermöglichkeiten nieder, letztendlich auf im internationalen Erfolg.

Fußball-Deutschland ist sich einig: Die Dominanz der Bayern ist an dieser Situation Schuld, ein renommierter Journalist fordert den Rekordmeister in diesem Zusammenhang sogar auf, „Macht abzugeben“. Funktioniert so etwas tatsächlich? Der FCB passt sich niveaumäßig nach unten an und die Bundesliga wird auf einem niedrigeren Level attraktiver? Sollen Max Eberl & Co. ihren BL-Manager-Kollegen folgen und die eigenen Topspieler für schwindelerregenden Summen auf die Insel schicken? Das „Miasanmia“ verraten?

Sehr erfolgreiche Europapokalwoche der Bundesliga

Wäre es da nicht viel besser, wenn sich die Bundesliga-Konkurrenz ein Positiv-Beispiel am Münchner Serienmeister nehmen würde? Das kann sogar funktionieren, wie die Europapokal-Ergebnisse dieser Woche zeigen. Das deutsche Flaggschiff ist mit einem bemerkenswerten 2:1-Sieg beim amtierenden CL-Sieger Paris Saint-Germain vorangegangen und (fast) alle anderen Bundesligisten sind erfolgreich gefolgt.

Die in der Bundesliga schwächelnde Frankfurter Eintracht hat beim italienischen Meister und Tabellenführer Napoli ein 0:0 entführt, Bayer Leverkusen nach der Klatsche in München beim portugiesischen Rekordmeister Benfica Lissabon mit 1:0 gewonnen. Endlich haben auch die in Europa- und Conference League teilnehmenden BL-Vereine geschlossen überzeugt, der SC Freiburg in Nizza gewonnen (3:1), Stuttgart den niederländischen Tabellenführer Feyenoord niedergerungen (2:0), selbst die akut Abstiegs-bedrohten Mainzer konnten die Partie gegen die Fiorentina drehen (2:1).

Einzig Borussia Dortmund erlitt bei Manchester City eine 1:4-Pleite, eine erwartete, vielleicht nicht ganz in dieser Deutlichkeit. Trotzdem war die Bundesliga an diesem Europapokal-Spieltag mit 1,571 (von maximal 2 möglichen) Punkten hinter der überragenden Premier League (1,778) die zweitbeste europäische Liga. Dieselbe Rangfolge gilt auch in der bisherigen UEFA-Saisonwertung: 1. England (9,944) – 2. Deutschland (8,857) – 3. Spanien (8,375) – 4. Italien (8,142).

Alle sieben Bundesligisten haben in dieser Europapokal-Spielzeit sehr gute Chancen, in die KO-Runden einzuziehen. In der vergangenen Saison war dies nur fünf von acht deutschen Startern gelungen. Der FC Bayern ist gar Spitzenreiter der 36er CL-Liga, Freiburg in der Europa League Zweiter, der Bundesliga-17.(!) Mainz Dritter in der Conference League.

Weniger jammern, nach vorne schauen, nach oben orientieren

Also: Insgesamt weniger jammern, lieber Leistung zeigen. Wenn der FCB derzeit – inklusive Europa-Saisonstartrekord – in der Bundesliga vorneweg marschiert, hat das mehr mit der Stärke des Rekordmeisters als mit der Schwäche der nationalen Konkurrenz zu tun. Denn unter den „Bayernopfern“ waren auch internationale Hochkaräter. Dabei galt selbst in der Champions League bis zum Triumph im Prinzenpark: Der FC Chelsea – immerhin amtierender Klubweltmeister (3:1), Paphos FC (5:1) und Club Brügge (4:0) sind noch nicht die richtigen Gradmesser gewesen.

Zur Einordnung: Diese vier bisherigen FCB-CL-Gegner haben von ihren restlichen zwölf Spielen lediglich eine einzige verloren: Brügge verlor spät und unglücklich mit 1:2 beim EL-Sieger 2023/24 Atalanta Bergamo. Einen Spieltag nach der 0:4-Klatsche in der Allianz Arena trotzten die Belgier nun dem FC Barcelona ein 3:3 ab, schon in München hatten sie ihre technische Klasse angedeutet. Der zypriotische Meister Paphos FC hat sich zwar gegen die Bayern fünf Gegentreffer gefangen, in den anderen drei CL-Partien stand aber jeweils hinten die Null.

Ja, die Premier League ist aufgrund ihrer gewaltigen finanziellen Vorteile auch sportlich allen anderen Ligen enteilt, aber nicht nur der Bundesliga, sondern auch LaLiga und der Serie A. Wenn die deutschen Vereine international die Spanier und Italiener in Schach halten könnten, wäre das überragend: Zweitbeste Liga der Welt.

Dass die Premier League uneinholbar scheint, hat 50+1 Gründe, auf welche in Fußball-Deutschland eine Mehrheit (noch) stolz ist und welche sogar von zahlreichen englischen Fußballfans größten Applaus bekommen. Diese haben sich mit Grausen von ihrer eigenen „Kommerzliga“ – obwohl die weltbeste – abgewendet, bzw. mussten es tun, weil sie für viele nicht mehr bezahlbar ist, speziell was die Ticketpreise betrifft.

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