FC Bayern gegen BVB: Warum es trotzdem der „deutsche Klassiker“ ist

Wenn der FC Bayern auf Borussia Dortmund trifft, wird die Partie oft in Anlehnung an den Original-Clásico in Spanien als der deutsche Klassiker bezeichnet. Zu Recht.

Am Samstagabend kommt es am 7. Spieltag der Bundesligasaison 2025/26 in der Münchner Allianz Arena zum Topspiel zwischen dem souveränen Spitzenreiter FC Bayern und dem Tabellen-Zweiten Borussia Dortmund. Es handelt sich dabei um die Partie im deutschen Profi-Fußball, die mit Abstand die größte Brisanz, das höchste Renommee und die größte internationale Strahlkraft besitzt. Seit mehr als zehn Jahren spricht man in Anlehnung an den Original-Clásico in Spanien auch vom deutschen Clásico, vom deutschen Klassiker.

Viele Fans lehnen den Begriff „deutscher Klassiker“ ab

Vielen Fußballfans gefällt dieser Begriff nicht. Wenn es allerdings im deutschen Vereinsfußball jemals ein Duell gegeben hat, auf welches diese Bezeichnung zutreffen könnte, dann ist es dieses emotionale, brisante Aufeinandertreffen. Bei nicht gerade kleinen Teilen der beiden Anhängerschaften ist es mittlerweile sogar zum Hassduell abgedriftet.

Die Kritiker dieser Bezeichnung argumentieren, dass der ursprüngliche Clásico in Spanien zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona neben der sportlichen auch regional-politische Komponenten beinhalten würde. Zwar weniger politisch haben sich zwischen dem deutschen Rekordmeister und dem Dauerrivalen aus Dortmund jedoch vergleichbare Streitpunkte angehäuft. Ausgetragen werden diese – wie auch in Spanien – zumeist auf der Fanebene.

So regen sich die Anhänger des FC Bayern seit einigen Jahren maßlos darüber auf, dass der bei ihnen so unbeliebte Klub aus dem Ruhrpott der erklärte Lieblingsverein zahlreicher Medien zu sein scheint, die diesen bei der Berichterstattung krass bevorzugen würden. BVB-Fans beschweren sich dagegen regelmäßig über den angeblichen Bayern-Bonus bei den Schiedsrichtern.

Natürlich dauert die Rivalität zwischen spanischen Hauptstädtern und Katalanen im spanischen Fußball schon wesentlich länger an. Aber noch nie gab es im deutschen Spitzenfußball eine heftigere Rivalität, die nicht auf Lokalpatriotismus beruht, die sportlich länger und in dieser Schärfe und Vehemenz ausgetragen wurde, als die aktuelle zwischen FCB und BVB.

Blick in die deutsche Fußballgeschichte

In den 1960er Jahren gab es nach der Bundesliga-Gründung 1963 keinen einzigen Verein, der die Meisterschaft mehrfach gewinnen konnte. In jeder einzelnen Spielzeit wurde das Titelrennen zwischen anderen Kontrahenten ausgetragen, kein Klub hatte konstant Topniveau. So konnte sich schon aus rein sportlichen Gründen keine anhaltende Rivalität entwickeln.

Von 1969 bis 1977 gab es dagegen nur ganze zwei Bundesliga-Meister: Bayern (4 Titel) und Borussia Mönchengladbach (5). Während der FCB in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre schwächelte, griffen die Borussen nach der Saison 1977/78 (Vize-Meister) nie mehr in den Meisterschaftskampf ein. Lediglich in drei Spielzeiten war man damals im direkten Duell um den Titel – zweimal mit dem besseren Ende für die Fohlen (1969/70; 1970/71), einmal für den FCB (1973/74).

Ende der 1970er / Anfang der 1980er Jahre war der ehemalige Bundesliga-Dino Hamburger SV der Hauptrivale der Münchner. Nach der Meisterschaft und dem Europapokalsieg 1983 ereilte ihn dasselbe Schicksal wie die Gladbacher.

Bald wurde Vizekusen geboren, der VfB Stuttgart (1984, 1992, 2007) und Werder Bremen (1988, 1993, 2004) gewannen je dreimal den Titel – einen pro Jahrzehnt. Zwischen Bremen und München flogen in einigen Spielzeiten ein paar Giftpfeile hin und her, aber von einer sportlichen Dauerrivalität auf Augenhöhe war man immer weit entfernt.

FCB und BVB dominieren seit drei Jahrzehnten die Bundesliga

In den letzten 32 Spielzeiten gewannen Bayern und Dortmund 84 Prozent der Deutschen Meisterschaft – 27 von 32! Nur die bereits genannten Bremer und Stuttgarter sowie der 1. FC Kaiserlautern (1998), der VfL Wolfsburg (2009) und in der vergangenen Saison erstmals Bayer Leverkusen konnten sich außerdem auf der Meisterschaftsschale verewigen.

Natürlich waren die Bayern dabei insgesamt viel erfolgreicher als der BVB: 22 zu 5 Titel, aber die Rivalität wuchs in diesem Zeitraum dennoch von Jahr zu Jahr – hauptsächlich zwischen den Anhängern. Neben den 22 Meisterschaften wurde Bayern seit 1994 fünfmal Vizemeister, zweimal davon hinter dem BVB (1996, 2012). Dieser wiederum war bei den elf aufeinanderfolgenden FCB-Meisterschaften (2013 bis 2023) satte siebenmal Zweiter. So etwas nervt Spieler, Verantwortliche und Fans!

Rivalität auch in den Pokalwettbewerben

Auch im DFB-Pokal gab es im vergangenen Jahrzehnt häufig regelrechte Schlachten zwischen beiden Vereinen, dreimal im Finale (2012, 2014, 2016), mehrere Male im Viertel- und Halbfinale. Der Sieger ging meist als Pokalsieger aus dem Wettbewerb. Über die Partien wurde häufig noch Jahre später heftig diskutiert, auf Dortmunder Seite selbst von Funktionären und Spielern.

Das verlorene Wembley-Finale 2013 beschäftigt BVB-Fans und -Verantwortliche nach wie vor. Zahlreiche konstruierte Storys werden auch zwölf Jahre nach dem verdienten Triumph der Bayern aufgetischt.

Bei den meisten deutschen Fußballfans ist es Usus, bei internationalen Partien nicht nur dem eigenen Verein, sondern auch anderen deutschen Teams die Daumen zu drücken. Zahlreiche FCB- und BVB-Fans machen bei dieser Tradition eine Ausnahme, wenn es um den jeweils anderen Clásico-Verein geht. So wie es eben auch in Madrid und Barcelona üblich ist.


Titelbild: Im April 2019 reiste der BVB als Tabellenführer nach München. Die Südkurve zeigte ihm schon vor dem Spiel, wohin der Weg gehen wird. Am Ende des Matches waren die Dortmunder mit dem 0:5 noch sehr gut bedient und Bayern Tabellenführer.

5 Kommentare zu „FC Bayern gegen BVB: Warum es trotzdem der „deutsche Klassiker“ ist

  1. Wie ich einst auf meinem Blog geschrieben habe: beim sog. Klassiker ist nur das Ende klassisch – der FC Bayern gewinnt das Spiel und später auch die Meisterschaft 🙂

    1. Ja, das ist eine lieb gewonnene Gewohnheit der letzten Jahre … einfach genießen.
      Aber als in München aufgewachsener Bayernfan kann ich nur betonen, dass aufgrund der im Beitrag beschriebenen 30-jährigen Geschichte und der riesigen Emotionen dies tatsächlich ein Klassiker ist, über den „sogenannten“ hinausreichend…
      Isso!! 😉

    2. Ich bestreite nicht, dass dieses Spiel EIN Klassiker ist, sondern die Tatsache, dass es von vielen als DER Klassiker angesehen wird. Die Wahrheit ist, dass es im Laufe der Zeit mehrere Klassiker gab (FC Bayern gg. Gladbach, FC Bayern gg. Bremen, FC Bayern gg. Dortmund). Im Fall dieser Spiele war der FC Bayern die Konstante und die andere Mannschaft war die Variable.

      1. Es wird aber in Deutschland auch niemand behaupten, dass FCB-BVB DER Klassiker (schlechthin) ist, sondern immer in Anlehnung an DEN spanischen (Original-)Clásico, dass es der deutsche Klassiker / Clásico ist… meist auch in Anführungsstrichen oder kursiv im Text.
        In Mittel- und Südamerika werden auch einige Spiele als Clásicos tituliert, sogar auch OM gegen PSG in Frankreich, obwohl der Pariser Verein erst 1970 gegründet wurde.
        Bayern gegen Gladbach oder Werder wurden aber in Deutschland noch nie als „Klassiker“ oder „Clásico“ bezeichnet. Das erste wird als Traditionsduell bezeichnet, das zweite als der Nord-Süd-Gipfel. Das liegt vielleicht auch daran, dass man den Begriff noch nicht sooo lange in Deutschland verwendet.
        Natürlich ist Bayern DIE KONSTANTE, aber FCB-BVB ist auch das „konstanteste Duell“ der BL-Geschichte, die größte Rivalität der BL-Geschichte … auch der Entwicklung durch das Internet geschuldet …

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