Als haushoher Gruppenfavorit gestartet befindet sich die DFB-Elf mittlerweile in einem Dreikampf um die WM-Qualifikation. Der heutige Gegner Nordirland wurde als Stolperfalle identifiziert.
Vor dem Start der deutschen Fußballnationalmannschaft in die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Mexiko und Kanada wurden die drei Gruppengegner Slowakei, Nordirland und Luxemburg als verhältnismäßig einfache Pflichtaufgabe klassifiziert. Nach der bitteren 0:2-Auftaktniederlage in der Slowakei befindet sich die Fußballnation jedoch im Alarmzustand. Selbst ein Scheitern scheint möglich.
Nach drei Spieltagen grüßt die Truppe von Bundestrainer Julian Nagelsmann zwar als Tabellenführer von dem Platz, der zur direkten WM-Qualifikation notwendig ist, die Situation bleibt aber heikel. Die Spitzenposition vor den punktgleichen Nordiren und Slowaken verdanken die Deutschen lediglich dem durch den 4:0-Kantersieg über Luxemburg besseren Torverhältnis. Eine Niederlage im zu erwartenden Hexenkessel des lediglich 18000 Zuschauer fassenden Clearer Twist National Stadium at Windsor Park in Belfest könnte bereits die deutsche Hoffnung auf eine direkte Qualifikation als Gruppenerster beenden.
Heimstarke Nordiren
Und die nordirische Nationalmannschaft wird nun als äußerst heimstark identifiziert: Fast genau zwei Jahre und sieben Spiele zu Hause unbesiegt. Nach der 0:1-Pleite gegen Slowenien am 17. Oktober 2023 gab es in Belfast sechs Siege und ein Unentschieden – ein 1:1 gegen die Schweiz.
Dabei interessiert ein Blick auf die Gegner des 72. der FIFA / Coca-Cola-Weltrangliste: Dänemark (2:0), Luxemburg (2:0), Bulgarien (5:0), Weißrussland (2:0), eben die Schweiz, Island (1:0) und vor drei Tagen die Slowakei (2:0). Natürlich alles andere als die Crème de la Crème des Weltfußballs, aber mit den Eidgenossen und Dänemark durchaus zwei Teams, die in etwa die aktuelle deutsche Leistungsstärke aufweisen sollten.
Die Weltrangliste, in welcher Deutschland derzeit als Zwölfter geführt wird, spielt derzeit übrigens eine beträchtliche Rolle. Sie wird aktuell erstmals seit 2014 wieder von Europameister Spanien angeführt, ganz knapp dahinter Vize-Weltmeister Frankreich und Weltmeister Argentinien, dann England und Nations League Sieger Portugal. Punktemäßig relativ knapp vom DFB-Team liegen als Neunter Kroatien, Italien und Marokko. Der neunte Platz ist wichtig, weil er der letzte ist, mit dem man für die WM 2026 als Gruppenkopf gesetzt wird. Die Slowakei ist übrigens 42. in diesem Ranking, Luxemburg 96..
Um noch Neunter in der „Coca-Cola“-Rangliste zu werden benötigen die Deutschen definitiv drei Siege in den ausstehenden drei Quali-Partien und müssen auf Patzer von den Kroaten, Italienern und Marokkanern hoffen. Aber erst einmal sich selbst qualifizieren…
Die Länderspielbilanz spricht ganz klar für Deutschland
Schaut man auf die Länderspiel-Historie zwischen Nordirland und Deutschland, erscheint eine allzu große Sorge vor der „Hölle in Belfast“ unangebracht: 16 deutsche Siege in 22 Spielen, vier Unentschieden, nur zwei Niederlagen – 57:17 Tore. Die letzten zehn Spiele (ab 1997) gegen die Insel-Mannschaft wurden alle – bei einem Torverhältnis von 31:5 – gewonnen.
Insgesamt ist die deutsche Auswärtsbilanz gegen die Nordiren mit neun Siegen, je einem Unentschieden und einer Niederlage, sogar besser als die Heimbilanz. Die WM-Qualifikations-Bilanz (6S / 1U / 0N) besser als die EM-Quali-Bilanz (6S / 0U / 2N).
Beide deutschen 0:1-Niederlagen gegen Nordirland stammen übrigens aus der EM-Qualifikation 1984. Im November 1982 verloren Jupp Derwalls EM-Titelverteidiger auswärts, im November 1983, der bislang letzten deutschen Pleite, zuhause in Hamburg. Allerdings stand die Qualifikation für das Turnier, nachdem man zuvor Österreich mit 3:0 und die Türkei mit 5:1 besiegt hatte, quasi schon fest. Punktgleich (jeweils 11:5) war Deutschlands Torverhältnis (15:5 zu 8:5) klar besser.
Interessant: Seit einem 4:3 Auswärtssieg im Oktober 1960 hat keine DFB-Elf gegen Nordirland mehr als einen Gegentreffer kassiert. Allerdings hat bis zur 0:2-Blamage in der Slowakei auch noch keine nur ein einzige WM-Quali-Auswärtsspiel verloren. Dennoch: Orientieren sich die England-Legionäre Florian Wirtz und Nick Woltemade in Belfast an der zuletzt so starken Form der Bayernspieler, wird Deutschland heute in Belfast einen großen Schritt zum WM-Turnier machen.
Titelbild: Deutscher Torjubel beim 3:1-Hinspiel-Sieg über Nordirland.

Als etwas älterer Fußballfan kann ich mich an die Niederlagen gegen die Nordiren sogar noch erinnern… sollte heute nicht passieren.
Die Insulaner waren ja auch bei der WM 1982 in Spanien dabei.