WM-Quali in Gefahr? Auch Matthäus & Co. drohten zu scheitern

Eine Fußball-WM ohne Deutschland erscheint undenkbar, aber aktuell tatsächlich möglich. Dabei drohte dieses Schicksal sogar dem Weltmeister 1990.

Vor den beiden WM-Qualifikationsspielen gegen Luxemburg (10. Oktober, Sinsheim) und in Nordirland (13. Oktober, Belfast) steht die deutsche Nationalmannschaft überraschenderweise extrem unter Druck. Nach starken Leistungen bei der Heim-EM 2024 und in den Nations League Qualifikationsspielen läuft es ausgerechnet seit der NL-Heim-Endrunde in München und Stuttgart überhaupt nicht mehr bei der Truppe von Julian Nagelsmann.

Der Bundestrainer hatte nach der Europameisterschaft den WM-Titel 2026 als großes Fernziel ausgerufen, aktuell scheint aber nach der 0:2-Blamage in Bratislava gegen die Slowakei selbst die Qualifikation für das Turnier in den USA, Mexico und Kanada in Gefahr zu sein. Obwohl Deutschland noch nie auf sportlichem Wege im Bemühen, sich für eine Fußball-WM zu qualifizieren, gescheitert ist, wäre dies dem späteren Champion von 1990 in den Qualifikationsspielen 1988/89 beinahe passiert.

Bei den 22 bislang ausgetragenen Turnieren war Deutschland ganze zweimal nicht dabei: 1930 bei der Erstaustragung in Uruguay aus „logistischen“ und 1950 in Brasilien (natürlich) aus politischen Gründen. Tatsächlich gab es für das Turnier in Uruguay keine Qualifikationsspiele, es nahmen lediglich 13 Nationen teil: Die sieben südamerikanischen Länder, die bis dahin bereits Länderspiele ausgetragen hatten, die USA und Mexico, Frankreich, Rumänien, Belgien und Jugoslawien aus Europa. Deutschland, aber auch England, Italien und Spanien und alle anderen zeigten kein Interesse und verzichteten auf die dreiwöchige Schiffsreise.

„Lospech“ verhinderte beinahe frühzeitig den WM-Titel 1990

Die deutsche Nationalelf, die in der WM-Qualifikations-Historie tatsächlich als bisher einzige ganz knapp der Schmach des Scheiterns entgangen ist, war die von Franz Beckenbauer gecoachte Startruppe mit Lothar Matthäus, Rudi Völler, Andreas Brehme, Jürgen Klinsmann, Klaus Augenthaler & Co. Hauptverantwortlich dafür war gewaltiges Lospech und ein fragwürdiger UEFA-Qualifikations-Modus.

Bei 32 Teilnehmern wurden die 13 europäischen WM-Plätze (Italien war als Gastgeber automatisch qualifiziert) in sieben Gruppen ausgespielt: Vier Fünfergruppen, in welchen sich jeweils die beiden Ersten qualifizierten und drei Vierergruppen, aus welchen sich die beiden besten Zweiten qualifizierten. Darin fand sich auch Deutschland wieder, zusammen mit dem frisch gekürten Europameister Niederlande, Finnland und Wales, welches sich als das Zünglein an der Waage herausstellen sollte.

Während beide Spiele zwischen den Fußball-Giganten Deutschland und Niederlande (damals noch eher als „Holland“ bezeichnet) unentschieden ausgingen (0:0 in München; 1:1 in Amsterdam), konnten die Oranjes beide Partien gegen Wales knapp für sich entscheiden (1:0; 2:1), Beckenbauers Mannen jedoch nicht in Cardiff gewinnen (0:0). Das durch die beiden Kantersiege gegen Finnland (4:0; 6:1) gegenüber dem Europameister wesentlich bessere Torverhältnis spielte damit keine Rolle. Deutschland musste das letzte Spiel am 15. November 1989 gegen Wales in Köln gewinnen, um sich für die WM in Italien zu qualifizieren!

„Ickes“ Tor des Monats rettet die WM-Teilnahme

Es wurde zur Zitterpartie für die DFB-Elf, in welcher ausgerechnet Matthäus verletzungsbedingt fehlte: Ronnie Allen brachte die Walliser früh in Führung (11.), Völler glich eine Viertelstunde später aus. Kurz nach der Halbzeitpause (in welcher Augenthaler angeschlagen ausgewechselt werden musste) dann die „Erlösung“: Thomas „Icke“ Hässlers Volleyschuss aus elf Metern, der zum „Tor des Monats“ gewählt wurde, bedeutete den 2:1-Siegtreffer und die WM-Quali.

Ohne Hässlers Traumtor wäre Deutschland tatsächlich nicht zur WM gefahren, bei Punktgleichheit und dem gleichen Torverhältnis (+9) wäre es aufgrund der mehr erzielten Tore (15 zu 12) Dänemark gewesen. Genauso knapp qualifizierten sich übrigens die Engländer, die den Deutschen acht Monate später auf dem Weg zum dritten WM-Titel im Halbfinale im Elfmeterschießen unterlegen sein sollten.

In Italien „revanchierten“ sich Matthäus, Klinsmann, Brehme & Co. im legendären WM-Achtelfinale an den Holländern (2:1) für die Zitterpartie zuvor in der Qualifikation – und auch die Dänen konnten sich nur zwei weitere Jahre später bei der EM 1992 in Schweden an England (Vorrunde) und Deutschland (Finale, 2:0) für das Quali-Aus „rächen“. Dass das wiederum nur wegen des jugoslawischen Bürgerkriegs möglich wurde, ist eine andere Geschichte.


Titelbild: Jubelnde deutsche Weltmeister 1990 – vorher beinahe in der Qualifikation zum Turnier gescheitert.

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