Die verpasste Chance von Adam Aznou beim FC Bayern

Nach seinem medial stark begleiteten Abschied vom FC Bayern Ende Juli ist es um den 19-jährigen Marokkaner Adam Aznou sehr still geworden. Das ist durchaus bemerkenswert.

Als der dreimalige marokkanische Nationalspieler Adam Aznou den FC Bayern Ende Juli Richtung Premier League zum FC Everton verlassen hatte, war der Aufschrei der Fans und einiger Medien ebenso groß wie die Enttäuschung beim FC Bayern. Speziell Max Eberls Abschiedsworte fielen zum einen auffallend kühl aus, zum anderen spiegelten sie die Enttäuschung der Verantwortlichen an der Säbener Straße über diese Spielerentscheidung wider.

„Einmalige“ Chance auf der Linksverteidigerposition beim FCB nicht wahrgenommen

Wie vom 17-jährigen deutschen Supertalent Lennart Karl angenommen, sollte auch Aznou in den FCB-Profikader integriert werden und schrittweise mehr Spielzeiten bekommen. Dies hatten der Sportvorstand, aber auch Coach Vincent Kompany und Sportdirektor Christoph Freund so kommuniziert. Der Marokkaner wählte aber den vermeintlich einfacheren Weg zu einem mittelklassigen PL-Klub und zeigte sich selbst darüber überschwänglich glücklich.

Der FC Bayern ist mittlerweile trotz eines sehr ausgedünnten Kaders hervorragend in allen Wettbewerben in die Saison gestartet. Gerade auf der Linksverteidigerposition von Aznou musste teilweise stark improvisiert werden. Die Stammkräfte Alphonso Davies und Hiroki Ito fehlen noch einige Zeit, Raphaël Guerreiro hat sich außerdem verletzt, selbst Tom Bischof und Konrad Laimer durften sich mittlerweile mit dieser völlig ungewohnten Position anfreunden.

Stanišić-Verletzung wäre die große Chance für Aznou

Als Startelfspieler hat sich immer mehr Josip Stanišić, eigentlich Innen- und Rechtsverteidiger, bewährt. Aber genau der fällt nun auch mit einer „Teilverletzung des Innenbands am rechten Kniegelenk“ (FCB-Homepage) mindestens bis zur nächsten Länderspielpause aus. Kompany bleiben immer weniger Alternativen für die defensiven Außenbahnen übrig. Was wäre, wenn Aznou an der Säbener Straße geblieben wäre?

Wahrscheinlich gar nichts, wenn man auf seine Leistungsdaten von der Insel schaut: Bislang kommt er – fast zwei Monate nach seinem Wechsel – zu keiner einzigen Spielminute für die Profis des Lokalrivalen des FC Liverpool, erstmals am 13. September stand er gegen Aston Villa überhaupt im Spieltagskader.

Aznous Karriere: Schon auf dem Scheideweg?

Das muss für den technisch versierten jungen Spieler sehr ernüchternd sein, wollte er sich beim FC Everton doch für den Africa-Cup und die Weltmeisterschaft mit seinem Nationalteam qualifizieren. Für Eberl, Kompany & Co. ist es dagegen eine Bestätigung ihrer Vorgehensweise. Die neun Millionen Euro Ablösesumme für den 19-Jährigen, der 2022 ablösefrei vom FC Barcelona gekommen war, sind bei einem Marktwert von vier Millionen Euro durchaus ein beachtlich guter Deal.

Bedenkt man zusätzlich, dass Aznou – ebenso wie einen Monat später Paul Wanner (zur PSV Eindhoven) – nicht nur die Geduld und das Selbstvertrauen gefehlt hat, um sich bei einem Weltklasseverein wie dem FC Bayern durchzusetzen, sondern sich laut übereinstimmenden Medienmeldungen sogar im FCB-Training hat hängen lassen, dann besteht bei ihm die große Gefahr, dass seine hoffnungsvoll gestartete Karriere sehr schnell in der Sackgasse landet. Wahrscheinlich haben ihm gar die Länderspielberufungen vor einem Jahr, die mit großen Lobeshymnen aus seinem Heimatland begleitet wurden, die Sinne etwas vernebelt und kamen für ihn – mental gesehen – zu früh.

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