Aufgrund der extremen finanziellen Vorteile enteilt die Premier League der Bundesliga sportlich immer weiter. Uli Hoeneß forderte deswegen einen „eigenen Weg zu gehen“, Michael Ballack widerspricht dem.
Ein paar Tage vor seinem nun schon legendären TV-Auftritt im Sport1-Doppelpass wurde Uli Hoeneß für seine Verdienste für den deutschen Fußball mit dem DFL-Ehrenpreis ausgezeichnet. Der 73-Jährige nutzte die Chance für einen eindringlichen Appell: Der Ehrenpräsident des FC Bayern ist der Meinung, dass die Bundesligavereine „gut beraten“ seien, „unseren eigenen Weg zu gehen“, womit er sich natürlich auf die 50+1-Regel im deutschen Profifußball bezog.
Hoeneß: Mit Verzicht auf Investorengelder Stärke zeigen
„Wir müssen Stärke zeigen und nicht das Geld der Araber, der amerikanischen Hedgefonds nehmen“, so Hoeneß vor einer Woche. Die Aufgabe der DFL sei es, sicherzustellen, dass die Bundesliga-Klubs „dieses Geld nie annehmen müssen“.
Anlass für die Äußerungen des FCB-Patrons waren die Auswüchse des kurz zuvor geschlossenen Transferfensters in den europäischen Topligen, ganz speziell in der Premier League. „Ich kann nur sagen, ich war fassungslos, was in den letzten sechs bis acht Wochen im internationalen Fußball passiert ist“, zeigte sich Hoeneß entsetzt und führt weiter aus: „Ich finde es völlig verrückt, was da abgeht. Wenn wir nicht aufpassen, werden die Leute irgendwann fragen: ‚Sind die eigentlich noch bei Verstand? Ich arbeite für 2000 bis 3000 Euro netto im Monat, und gleichzeitig werden für mittelklassige Spieler 30, 40, 50 Millionen ausgegeben.'“
Ballack offen für Änderungen bei der 50+1-Regel
Damit hat das Mitglied des mächtigen FCB-Aufsichtsrats sicherlich zahlreichen Fußballfans in Deutschland, europaweit, gewiss auch auf der Insel, ausder Seele gesprochen. Der frühere Bayernspieler Michael Ballack (2002-2006) sieht dies jedoch anders, pragmatischer. Für ihn hat die Fußball-Bundesliga so sehr an Attraktivität eingebüßt, dass man an Änderungen bei der 50+1-Regel denken müsse.
Dabei sieht der 48-Jährige im Wechsel von Florian Wirtz von Bayer Leverkusen zum FC Liverpool einen Beleg für die schwindende Attraktivität der Fußball-Bundesliga. Im Gespräch mit der SportBild äußerte der 98-fache Nationalspieler Verständnis dafür, dass sich Wirtz gegen einen Wechsel zum FC Bayern und für den Schritt ins Ausland entschieden hat – und plädierte für ein Umdenken bei der 50+1-Regel.
Bundesliga nicht mehr „Challenge auf allerhöchstem Niveau“
„Macht es für ihn und seine Entwicklung Sinn, noch zwei, drei Jahre in der Bundesliga bei den Bayern zu spielen? Natürlich gewinnt er dort Meisterschaften. Aber ist die Bundesliga für ihn noch die Challenge auf allerhöchstem Niveau?“, so Ballack über die möglichen Beweggründe von Wirtz und ergänzt: „Nein, denn die Bundesliga wurde von der Premier League schon vor Jahren abgehängt. Das ist die Realität. Darum ist sie in der Regel für die absoluten Top-Spieler auch nicht mehr so attraktiv.“
Deshalb müssen laut Ballack Veränderungen her: „Die Bundesliga muss etwas tun“, und denkt dabei an die 50+1-Regel, die er selbst „immer kritisch gesehen“ hat. „Man muss sich dem Thema Investoren öffnen, damit die Bundesliga nicht noch weiter an Boden verliert im Vergleich zur Premier League oder zu den anderen großen europäischen Klubs.“
Ballack ehemaliger Spieler von Werks- und Investorenverein
Zu Ballacks völlig gegensätzlicher Meinung zu Uli Hoeneß trägt sicherlich auch bei, dass er in der Bundesliga Spieler von Bayer Leverkusen war, welches selbst permanent im Fokus der 50+1-Regel steht und bei seinem Wechsel zum FC Chelsea selbst von der Finanzkraft des Milliarden-schweren russischen Investors Roman Abramowitsch profitiert hat.
