Einer immer noch verunsicherten deutschen Nationalmannschaft gelingt im zweiten WM-Qualifikations-Spiel ein 3:1-Sieg über Nordirland. Die Stimmen zur Partie.
Nach der blamablen 0:2-Auftaktniederlage in die Qualifikation für das WM-Turnier 2026 in den USA, Kanada und Mexico in Bratislava gegen die Slowakei musste die DFB-Elf in Köln gegen den 71. der Weltrangliste, Nordirland, eine Reaktion zeigen, um nicht frühzeitig aussichtslos im Rennen um die 48 Turnierstartplätze zurückzufallen. Dies gelang dem Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann beim 3:1 zumindest ergebnismäßig und in Phasen des Spiels.
Frühe deutsche Führung, Spielentscheidung erst spät
Nach dem frühen 1:0 durch FCB-Angreifer Serge Gnabry (7.), der von Nick Woltemade auf die Reise geschickt wurde und seine Geschwindigkeitsvorteile beeindruckend ausnutzte, schien das deutsche Team sehr früh im Spiel auf die Siegerstraße zu gelangen. In der Folgezeit hatte es auch klare Feldvorteile, die Verunsicherung aus dem Slowakei-Spiel war aber spürbar. Das 1:1 durch Isaac Price nach einem Eckball und durch deutsche Nachlässigkeiten begünstigt kam dennoch aus dem Nichts, verunsicherte Nagelsmanns Truppe zusätzlich.
Nach der Halbzeit nahm der deutsche Druck – nicht zuletzt durch die Einwechslungen von Nadiem Amiri, Maximilian Beier und Leon Goretzka – stetig zu. Das 2:1 durch den Mainzer Amiri war dann der endgültige Knotenlöser (69.). Nur drei Zeigerumdrehungen später entschied Florian Wirtz die Partie mit einem wunderbaren Freistoßtor aus gut 20 Metern. Dabei beließ es die deutsche Elf, auch wenn die Nordiren sichtlich angeschlagen wirkten und das Torverhältnis möglicherweise noch eine Rolle spielen könnte.
Die deutschen Stimmen zum 3:1-Sieg
Bundestrainer Julian Nagelsmann
„Heute zählt kein Blick in die Zukunft, wir mussten einfach das Spiel gewinnen. Wir sind gut ins Spiel gekommen, das war das Wichtige. Nach dem Gegentreffer waren wir etwas verunsichert, das ist nach dem Ergebnis vom Donnerstag auch normal. In der Pause war die Stimmung etwas geknickt. Ich habe den Jungs gesagt: ‚Wir haben ein Gegentor kassiert, aber jetzt schießen wir eben wieder eins!‘ Und die Köpfe gingen dann auch wieder hoch. Ich finde, die letzten 30 Minuten, das war unser Gesicht, mit viel Energie und Power Richtung Tor. Am Ende haben wir verdient gewonnen, das mussten wir aber auch.“
„Joker“ Nadiem Amiri, Torschütze zum 2:1
„Ich war heiß und habe mich auf der Bank schon in die Situation hineingedacht. Der Treffer war ein unfassbarer Moment für mich. Ich war sehr motiviert, denn wir mussten etwas gut machen nach dem letzten Spiel. Es ist klar, dass wir derzeit keine einfache Phase durchmachen. Die Gegner sind immer doppelt motiviert gegen Deutschland, das merkt man. Aber wir haben dagegen gehalten, wir haben gewonnen und nur das zählt.“
Florian Wirtz, Torschütze zum 3:1
„Wir wissen alle, dass das letzte Spiel eine Katastrophe war. Wir wollten es einfach besser machen, für uns selbst. Wir sind diesmal sehr gut ins Spiel gestartet. Beim Freistoß wusste ich, dass es eine gute Position war, also habe ich das einfach gemacht. Es war eine gute Leistung, an die wir anknüpfen können.“
David Raum
„Nach Donnerstag war es nicht einfach. Wir wurden von den Medien ein bisschen zerlegt, auch zurecht. Trotzdem starten wir gut in dieses Spiel. Wir gehen in Führung, dann kommt Nordirland aus dem Nichts zu einem Tor. Und dann ist es völlig normal und menschlich, dass wir einfach so ein bisschen geschockt und verunsichert sind. Wir müssen aus diesen Fehlern lernen, müssen als Mannschaft insgesamt wachsen, müssen mehr zusammenstehen und müssen mehr Selbstverständlichkeit an den Tag legen.
Wir sind Deutschland, eine große Fußball-Nation. Wir haben viel Qualität und das müssen wir einfach noch mehr ausstrahlen und über die Mentalität dann zur Qualität kommen. Das haben wir in der zweiten Halbzeit gut gemacht und dann auch verdient gewonnen.“
DFB-Sportdirektor Rudi Völler (vor dem Spiel)
„Es war eine schlechte Leistung von uns in der Slowakei, das ist uns allen bewusst. Julian Nagelsmann hat heute daher einiges verändert, fünf neue Spieler gebracht. Die 100 Prozent, die wir bei der Europameisterschaft in den Spielen auf dem Platz gebracht hatten – da müssen wir wieder hinkommen. Das hatten wir schon im Final Four der UEFA Nations League nicht und am Donnerstag in der Slowakei auch nicht.“
