Harry Kane ist hat mit dem FC Bayern den ersten großen Titel seiner Karriere gewonnen und fühlt sich zusammen mit seiner Familie sehr wohl in München. Dennoch wird sein Wechsel in die Bundesliga in England teilweise immer noch scharf kritisiert.
Englands Nationalmannschaftskapitän Harry Kane ist seit seinem Wechsel im Sommer 2023 der absolute Toptorjäger des FC Bayern, gewann in seinen ersten beiden Bundesliga-Spielzeiten jeweils die Torjägerkanone und in der vergangenen Saison mit der Deutschen Meisterschaft den ersten großen Titel seiner Karriere. Bei den Anhängern des deutschen Rekordmeisters ist er äußerst beliebt und auch selbst fühlt er sich mit seiner Ehefrau und den vier Kindern äußert wohl in der bayerischen Landeshauptstadt.
Owen: Kanes Wechsel in die Bundesliga ein Fehler
Dennoch sorgt sein Schritt vor zwei Jahren nach Deutschland in England immer noch für Diskussionen und auch Kritik. Ex-Nationalspieler Michael Owen hält Kanes Wechsel in die Bundesliga bis heute für einen großen Fehler – wobei er die fußballerische Klasse seines Landsmanns in höchsten Tönen lobt.
Im Podcast Rio Ferdinand Presents erklärt der 45-Jährige, warum er den Transfer nach München nach wie vor nicht nachvollziehen kann: „Ich war nicht damit einverstanden, dass er nach Deutschland gegangen ist; ich habe mich dazu offen geäußert. Ich finde immer noch, dass er verrückt war.“ Seine weitere Erklärung: „Du stehst kurz davor, der beste Torschütze aller Zeiten in der Premier League zu werden, du hast Kinder, die alle zur Schule gehen. Ich meine, ich konnte das einfach nicht verstehen.“
Owen bei seinen Argumenten fehlinformiert?
Aus Sicht des früheren Liverpool-Stars hätte Kane nur noch ein Jahr bei Tottenham bleiben müssen. Seine Begründung dafür erscheint allerdings fragwürdig: „Wenn man so verzweifelt etwas gewinnen will, dann sollte man noch ein Jahr bleiben und dann gehen.“ Hätte der heutige Sky-Sport-Experte Owen einen exakten Blick auf die ewige Torschützenliste der Premier League geworfen, würde er diese Aussage wohl selbst revidieren: Kane (213 Tore) hat zu Alan Shearer (260 Tore) einen Rückstand von 47 Treffern. Für den Top-Platz hätte er mindestens zwei Spielzeiten benötigt.
Nachfolgend driftet Owen völlig ins Polemische ab und stellt den FC Bayern und die Bundesliga auf eine Stufe mit der maximal zweitklassigen schottischen Liga und deren Serienmeister: „Es ist, als würde man zu Celtic wechseln und die Liga gewinnen, man gewinnt jedes Jahr, aber das ist keine große Leistung.“
Während sich die deutsche Eliteklasse seit Jahrzehnten in den Top4 der UEFA-5-Jahreswertung befindet, liegt die Scottish Premiership dort derzeit weit abgeschlagen auf Rang 18 und weder Celtic Glasgow noch Lokalrivale Rangers konnten sich für die Ligaphase der Champions League qualifizieren.
Im Gegensatz zur Bundesliga: Owen von Kane begeistert
Owen legt nach: „Eine große Leistung wäre es gewesen, der beste Torschütze aller Zeiten in der Premier League zu werden. Das wäre unglaublich gewesen, und er hätte dabei auch noch andere Titel gewinnen können.“
Während der 89-fache englische Nationalspieler die deutsche Bundesliga gewaltig abqualifiziert, lobt er seinen Landsmann in höchsten Tönen: „Harry Kane, ich liebe ihn. Ich finde, er ist tödlich. Er hat Nerven aus Stahl, wenn es drauf ankommt. Man muss einen großartigen Elfmeterschützen haben – er ist unglaublich. Er hat Präsenz, ich mag ihn, ich finde, er war über die Jahre brillant.“
Anders als Kane: Owen scheiterte bei seiner einzigen Auslandsstation
Owen selbst war 2004 nach acht Jahren als Liverpool-Profi – übrigens ohne eine einzige Meisterschaft gewonnen zu haben – zu Real Madrid gewechselt, dort aber die gesamte Saison 2004/05 hinter dem brasilianischen Weltmeister Ronaldo (Il Fenomeno) und der Real-Legende Raúl nur die Nummer 3 im Kampf um die beiden Stürmerpositionen geblieben. So verließ er nach nur einer Spielzeit Madrid wieder – titellos – Richtung England (Newcastle United). Anders als dies nun bei Kane in München der Fall ist, soll er sich mit seiner Familie in der spanischen Hauptstadt auch privat nie richtig heimisch und wohl gefühlt haben.
Harry Kane dagegen hat stets betont, dass für ihn Mannschaftstitel weit wichtiger als individuelle Rekorde und Auszeichnungen seien, der verpasste PL-Torrekord hatte laut seinen eigenen Aussagen niemals Priorität. Seine ausgelassene Feierlaune nach der gewonnen Deutschen Meisterschaft im Mai bestätigt dies eindrucksvoll. Im Gegensatz zu Owens gescheitertem Abenteuer in Madrid fühlt sich der 32-Jährige sportlich wie privat sehr wohl in Bayern.
Überzeugt ein FCB-CL-Sieg Owen vom Kane-Abenteuer in der Bundesliga?
Auch wenn Patron Uli Hoeneß den FC Bayern im kommenden Königsklassen-Wettbewerb in aller Öffentlichkeit als Außenseiter à la Hoffenheim einordnet, gehört der deutsche Rekordmeister in jeder Spielzeit zu den Anwärtern auf den so begehrten Henkelpott. Kein einziger englischer Topverein kann seit der Einführung der CL zur Saison 1992/93 mit der Konstanz des FCB mithalten. In der aktualisierten UEFA-5-Jahreswertung belegen die Münchner hinter Real Madrid den zweiten Platz. Als bester PL-Klub ist Manchester City hinter Inter Mailand Vierter in diesem Ranking.
Man kann nur erahnen, was den 45-jährigen Owen zu der heftigen Abwertung der Bundesliga bewegt. Eines scheint aber jetzt schon sicher: Kane wird München irgendwann einmal mit einem wesentlich besseren Gefühl verlassen als dies Owen einst im Jahr 2005 in Madrid getan hat. Die Kritik seines Landsmanns wird Kane kaum belasten und sollte er mit dem FC Bayern doch noch die Champions League gewinnen, werden Owen letztendlich die Argumente ausgehen.
Titelbild: Der heutige Sky-Sport-Experte Michael Owen

Ein Kommentar zu “Ex-Real-Spieler ätzt gegen Bayern und die Bundesliga”