Zwei Jahre nach Wechsel: Unnötiges Nachtreten von Ex-Bayern-Spieler

Ryan Gravenberch und sein Vater haben in einem gemeinsamen Interview über die Zeit beim FC Bayern gesprochen. Diese wird sogar als „Hölle“ bezeichnet. Unnötig.

Als gehyptes 20-jähriges Supertalent war Ryan Gravenberch im Sommer 2022 für 18,5 Millionen Euro von Ajax Amsterdam zum FC Bayern gewechselt. Dort konnte der Niederländer jedoch die hochgesteckten Erwartungen nie erfüllen. Nur dreimal stand er in der Bundesliga in der Startelf des Bundesliga-Rekordmeisters. So zog er schon ein Jahr später in die Premier League zum FC Liverpool weiter.

Nun Stammspieler in Liverpool – Blick zurück im Zorn

Nachdem er auch beim englischen Rekordmeister unter Jürgen Klopp anfangs nur wenig mehr Spielzeiten als in München erhalten hatte, startete er in der abgelaufenen Saison unter dem neuen Trainer Arne Slot so richtig durch. Bei ihm war Gravenberch auf der Sechs gesetzt, stand bei 37 der 38 Premier-League-Spiele in der Startelf und hatte so einen beträchtlichen Anteil am Titelgewinn.

Vater und Sohn Gravenberch nahmen nun gegenüber dem Mirror Stellung zu der Situation in München. Der Senior mit klarer Meinung. „Das ganze Abenteuer beim FC Bayern München verlief nicht so, wie er es sich vorgestellt hatte. Er hat wirklich hart gearbeitet, aber er bekam nie die Chance, sich zu beweisen“.

Sein Sohn ergänzt, dass ihm die geringe Spielzeit in München sehr zugesetzt hat. „Unter Nagelsmann musste ich drei Spiele hintereinander 90 Minuten lang von der Bank zusehen. Da bin ich innerlich fast durchgedreht“, so der 20-fache niederländische Nationalspieler.

Deutscher Meister in der „Hölle München“

Geholfen in der schwierigen Situation habe ihm seine Familie: „Ich hatte Glück, dass meine Eltern für mich nach München gezogen waren. Ich weiß nicht, was passiert wäre, wenn ich ganz allein dort gewesen wäre. Es war mental wirklich sehr anstrengend“.

Obwohl er in 24 Bundesligaspielen zum Einsatz kam, hat sich der heutige 23-Jährige aufgrund der dabei regelmäßig geringen Einsatzzeiten kaum als Teil des Teams gefühlt: „Ich war glücklich, dass wir Meister geworden waren, aber mein Beitrag war gering. Ich fühlte mich überhaupt nicht wie ein Meister. Es war ein ganz anderes Gefühl als bei allen anderen Titeln, die ich gewonnen hatte.“ Und fügt kämpferisch hinzu: „Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich mich bei Bayern gefühlt habe. Aber ich weiß, dass ich es geschafft habe, mich aus diesem Tief herauszuarbeiten. Darauf bin ich stolz“.

Am Ende des Interviews legt Gravenberch senior noch eine Schippe drauf: „Wenn ich mir anschaue, was ihm mit Slot und Liverpool widerfahren ist, muss ich ganz ehrlich sagen, dass er von der Hölle in den Himmel gekommen ist.“

Überraschend harte und unnötige Worte

Das Ganze klingt wie eine Abrechnung der Familie Gravenberch mit dem FC Bayern. Vielleicht verübelt man dem deutschen Rekordmeister noch heute, dass die Initiative zum Wechsel auf die Insel ursprünglich vom Verein und nicht vom Spieler ausgegangen war. Vorausgegangen war Kritik der beiden FCB-Trainer der Saison 2022/23 am Niederländer. Sowohl Julian Nagelsmann als auch Thomas Tuchel hatten wiederholt auf Gravenberchs Schwächen in der Defensive hingewiesen.

So sahen sie ihn weniger auf der Sechs, die er aktuell in Liverpool einnimmt, sondern vielmehr aufgrund seiner Spielanlagen in einer offensiveren Position. Dort hatten aber zu dem Zeitpunkt Jamal Musiala, Thomas Müller, Leroy Sané, Kingsley Coman und Serge Gnabry die Nase vorne.

Gravenberch selbst wollte in München bleiben

Trotzdem wollte sich der Niederländer dauerhaft beim FC Bayern durchsetzen. So gab er sich Ende Juni 2023 bei einem Interview gegenüber AD.nl. kämpferisch: “Ich gehe davon aus, dass ich auch in der nächsten Saison bei Bayern spielen werde. So sehe ich das wirklich“. Gravenberch wollte die Chance nicht aufgeben, bei einem der besten Klubs der Welt zu spielen: “Das finde ich schön und besonders. Ich werde nicht so schnell aufgeben. Mein Ziel ist es immer noch, bei Bayern erfolgreich zu sein“.

Auch beim Rekordmeister schien er lange Zeit unverkäuflich zu sein, Sky vermeldete dann aber einen Sinneswandel an der Säbener Straße. Beim FCB wäre man bei einer attraktiven Ablösesumme bereit, Gravenberch ziehen zu lassen. Die Lage hatte sich durch die Entlassung von Sportvorstand Hasan Salihamidžić, der als großer Fan des Niederländers galt, geändert.

So geschah es dann auch: Der 20-fache Nationalspieler wechselte für 40 Millionen vom deutschen zum englischen (gemeinsam mit Manchester United) Rekordmeister. Ein satter Transfergewinn für den FC Bayern. Und letztendlich können auch der FC Liverpool und der Spieler glücklich über den Deal und die Entwicklung sein. Offensichtlich ist aber in Familie Gravenberch noch die gekränkte Eitelkeit aus 2023 übrig geblieben.

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