Das bittere Ausscheiden des FC Bayern bei der Klub-WM – ein Spiegelbild der Saison

Kommentar Petersgradmesser

Mit dem 0:2 gegen den Champions League Sieger PSG endet die Saison des FC Bayern. Zu Buche stehen eine souverän gewonnene Deutsche Meisterschaft, aber auch drei bittere K.o. in den Pokalwettbewerben.

Der neue Chefcoach Vincent Kompany hat dem in der Saison 2023/24 noch lahmenden FC Bayern frischen Atem eingehaucht. Der Mannschaftsgeist ist wieder erwacht, Bayer Leverkusen war nach dem Meister-Coup ein Jahr zuvor in der Bundesliga chancenlos. Der deutsche Rekordmeister spielte meist souverän und erfrischend auf, obwohl er während fast der gesamten Spielzeit mit erheblichen Verletzungssorgen zu kämpfen hatte.

Bekannte „Fußball-Weisheiten“ gelten nicht für den FCB

Seit Jahrzehnten lautet im Fußball, nicht nur beim FC Bayern, die Devise „Die Meisterschaft ist der ehrlichste Titel“ – und somit natürlich auch der wichtigste, wenn es um die Bewertung einer gesamten Saison geht. Für den deutschen Rekordmeister – und vielleicht noch eine Handvoll anderer europäischer Spitzenvereine – wurde dieses Prinzip aber längst außer Kraft gesetzt. Ob das in Madrid, Barcelona, Manchester & Co. tatsächlich der Fall ist, weiß ich ehrlich gesagt nicht so genau. Umso sicherer bin ich mir dafür bei der Situation an der Säbener Straße.

Der Triumph im Ligabetrieb ist stets Ausdruck von regelmäßig guten Leistungen über den Zeitraum eines Dreivierteljahres. Anders sieht es da schon bei Pokalwettbewerben aus: Ein einziger schlechter Tag und alles ist vorbei: Die eigene Performance, aber auch ungerecht verteiltes Glück und Pech, die „Unparteiischen“, oder eine außergewöhnliche Leistung des Gegners können dazu beitragen.

Der FC Bayern ist in der Spielzeit 2024/25 in allen drei K.o.-Wettbewerben auf dramatische und bittere Weise ausgeschieden. Trotzdem prügeln die Experten auf ihn nun wiederholt ein, obwohl im gleichen Atemzug festgestellt wird, dass sich der Deutsche Meister mit dem amtierenden Triplesieger aus Paris absolut auf Augenhöhe gemessen hat.

Die „Pokalbilanz des Grauens“

Im Pokal-Achtelfinale schied Bayern gegen die deutsche Nummer 2 aus Leverkusen mit einem 0:1 aus, nicht zuletzt deswegen, weil Manuel Neuer schon in der Startphase der Partie vom Platz gestellt worden war. Trotzdem war die Niederlage weniger verdient als äußerst unglücklich.

Als man die deutsche „Übermannschaft“ der Vorsaison drei Monate später im CL-Achtelfinale im Gesamtscore mit 5:0 nahezu „pulverisierte“ (es hätte noch viel schlimmer für den Werksverein kommen können), war die Vorfreude an der Säbener Straße auf den Saisonendspurt riesig – das zweite „Finale dahoam“ war das große Ziel.

Aber schon drei Wochen danach war die Euphorie wie ein Kartenhaus zusammengebrochen: Alphonso Davies, Dayot Upamecano, Jamal Musiala und Hiroki Ito fielen mit schwer(st)en Verletzungen monatelang aus, zahlreiche andere Spieler waren angeschlagen. Trotzdem war der FC Bayern im CL-Viertelfinale gegen Inter Mailand eigentlich die bessere Mannschaft, die Lombarden waren aber effektiver (2:1; 2:2). Das bayerische Ausscheiden erneut sehr bitter.

Klub-WM sollte Pokalsaison retten

Die Klub-WM in den USA bekam dadurch eine noch größere Bedeutung. Bis auf Davies, Ito und Minjae Kim meldeten sich die verletzten und angeschlagenen Spieler wieder fit – die Turnierleistungen stimmten. So wurde auch die Viertelfinal-Partie gegen Paris von vielen Experten als „vorweggenommenes Finale“ tituliert. Zurecht. Es war das mit großen Abstand hochklassigste Spiel des Turniers.

Obwohl bereits früh – ausgerechnet erneut auf der Linksverteidigerposition, Sacha Boey kam für Josip Stanišić – personell geschwächt, kratzte der FCB an der Halbzeitführung. Dayot Upamecano traf per Kopf – allerdings aus Abseitsposition. Und dann eine halbe Minute später die Horrorszene aus Münchner Sicht: PSG-Keeper Gianluigi Donnarumma macht völlig übermotiviert den gerade aus langer Verletzungspause zurückgekehrten Musiala „platt“: Die exakte Diagnose steht noch aus – irgendeine Kombination aus Knöchelverletzung, Wadenbeinbruch, Bänderrissen.

Verletzungsdrama aus Champions League wiederholt sich bei WM

Eine Katastrophe. Musiala hatte in der Endphase der ersten Halbzeit dem Spiel immer mehr seinen Stempel aufgedrückt. Nach einer geschilderten extrem betretenen Stimmung in der Kabine kamen die Bayern in der zweiten Halbzeit nach Anfangsschwierigkeiten wieder besser in Fahrt. Fahrlässigkeiten im Umgang mit eigenen Chancen und wenige Unkonzentriertheiten in der Defensive ließen das Spiel letztendlich mit 0:2 verloren gehen. Ein scheinbar klares Ergebnis, das dem Spielverlauf in keinster Weise entsprach.

Mit frischer Motivation in die neue Saison – ein ganz großer Wunsch

Jetzt heißt es an der Säbener Straße erneut Wunden lecken – und sich nicht von der reflexartig aufkommenden Kritik verrückt machen lassen. Coach Vincent Kompany und Kapitän Manuel Neuer haben bereits angekündigt, aus dem ganzen Unglück noch mehr Motivation ziehen zu wollen.

Sportvorstand Max Eberl wird öffentlich vehement dazu aufgerufen, noch einmal verstärkt auf dem Transfermarkt tätig zu werden. Der verweist aber nach wie vor auf den grundsätzlich hervorragenden Kader. Nick Woltemade muss nun aber definitiv an die Säbener Straße wechseln. Der Aderlass in der Offensive mit den Abgängen von Leroy Sané und Thomas Müller und dem zu befürchtenden monatelangen Ausfall von Musiala ist zu groß.

Und dann gibt es aus FCB-Sicht wohl nur einen großen Wunsch: Endlich einmal wieder ohne unfassbar viele schwere Verletzungen durch eine Spielzeit kommen, vor allem in der entscheidenden Saisonphase (nahezu) komplett zu sein. Diesen „Luxus“ genießt PSG im Kalenderjahr 2025. Bei den letzten drei CL-Siegen des FC Bayern in den Jahren 2001, 2013 und 2020 war dies übrigens auch der Fall.

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