FCB & BVB im Viertelfinale: Die Deutschen sind schon Weltmeister – beim Meckern

Kommentar Petersgradmesser

Neben Brasilien stellt nur Deutschland bei der Klub-WM in den USA zwei Viertelfinalisten. Dennoch wird das Turnier hierzulande fast ausschließlich kritisiert.

Atlanta / East Rutherford – Die deutsche Bundesliga ist die bislang erfolgreichste Liga bei der Weltmeisterschaft für Vereinsmannschaften, die erstmals mit 32 Teilnehmern stattfindet. Sowohl der FC Bayern als auch Borussia Dortmund haben sich für das am kommenden Wochenende stattfindende Viertelfinale qualifiziert. Dieses Kunststück gelang sonst nur den Brasilianern (Palmeiras, Fluminense), die allerdings zum Turnierbeginn vier der sechs südamerikanischen Starter gestellt hatten.

Bundesliga top – Aderlass bei den anderen Topligen

Von den UEFA-Teilnehmern sind bereits beide portugiesischen Teams ausgeschieden (FC Porto, Benfica Lissabon), auch die Serie-A-Clubs (Inter, Juventus), ebenso wie Manchester City.

Aber auch wenn LaLiga nur noch von Real Madrid, die Premier League durch den FC Chelsea und Europa insgesamt noch vom amtierenden CL-Sieger Paris Saint-Germain vertreten ist, ist nicht bekannt, dass es in diesen Fußballnationen auch permanent Kritik am neu eingeführten Weltturnier wie in Deutschland hagelt.

Kritik an den Konditionen – die Spieler haben aber Spaß

Besonders macht man sich hierzulande Sorgen und Gedanken um die Gesundheit der Kicker. Zumindest von Seiten der Bayernspieler gab es aber schon vor der Klub-WM ausschließlich Statements der Vorfreude und diese positive Grundeinstellung hat sich natürlich durch den Einzug in die Runde der letzten Acht eher noch verstärkt. Die Aufeinandertreffen mit den Boca Juniors und CR Flamengo waren für die viel gereisten FCB-Kicker sogar echte Karriere-Highlights.

Magaths möglicherweise nicht verarbeitetes Trauma

Ex-Trainer Felix Magath meckert dagegen, dass er nicht wisse, was an diesem FIFA-Turnier eine Weltmeisterschaft sein solle: „Nur, dass da Vereine aus verschiedenen Kontinenten gegeneinander spielen. Aber die Leistungsunterschiede sind halt einfach zu groß, als dass das jemandem wie mir, der sein Leben lang im Fußball ist, Spaß machen würde, da zuzuschauen“. Wahrscheinlich erinnert sich der 71-Jährige noch mit Grausen daran, wie er 1983 mit dem Europapokalsieger HSV im Weltpokalfinale an Grêmio Porto Alegre gescheitert ist.

Wird Titelsammler Kroos ein Verlierer des neuen Turnier(format)s?

Aber auch ein Toni Kroos raunzt, wenn es um die Einschätzung des Turniers geht: „Ich weiß, die Leute werden es nicht hören wollen, aber am Ende spielst du um ’nen Appel und ’n Ei.“ Zwar sei die neue Klub-WM schwerer zu gewinnen, „aber nicht mehr wert“. Irgendwann habe man „echt mal die Schnauze voll. Also wirklich alle, als Spieler und als Fan“.

Dazu muss man sagen, und das will dann vielleicht Toni Kroos nicht hören: Er selbst kann einiges dabei verlieren. Mit sechs Titeln (einmal FC Bayern, fünfmal Real Madrid) im alten Format der Mini-WM gehört er zu den Rekordhaltern – läuft das neue XXL-Turnier dem Miniformat den Rang ab, wird dadurch sein eigener Rekord gewaltig entwertet. Und noch einen Rekord kann Kroos verlieren: Er ist gemeinsam mit Thomas Müller deutscher Rekordhalter mit insgesamt 34 nationalen wie internationalen Titeln, gewinnt der 35-Jährige Bayer das Turnier mit dem deutschen Rekordmeister, wird er zum alleinigen Rekordhalter…

Auch vor Mammutturnier: Klub-WM in Deutschland nie populär

Die Klub-WM hatte in Fußball-Deutschland eigentlich nie eine besondere Bedeutung und viele Anhänger. Selbst begleitete ich den FC Bayern als Fan im Dezember 2013 beim Turnier in Marokko. Die Teilnehmer aller Kontingente brachten enthusiastische Anhänger mit. Selbst Guangzhou Evergrande aus China, aber am meisten Atlético Mineiro aus Brasilien: Satte 20.000! Und wie enttäuscht waren die über das Scheitern ihrer Lieblinge gegen Gastgeber Raja Casablanca im Halbfinale.

Legendär waren die nachfolgenden spontanen Jubelfeiern überall in Marokko, wir waren in Agadir live dabei. Selten habe ich auch so viele freundliche Hände geschüttelt wie nach dem FCB-Finalsieg über Raja in Marrakesch, die Marokkaner erwiesen sich als faire Verlierer. In Deutschland war der FCB-Triumph bei der Klub-WM 2013 dagegen nur eine Randnotiz auf den Sportseiten.

Reduzierung der deutschen Meckerorgie durch Siege der Bundesligisten?

Auf den FC Bayern wartet nun im Viertelfinale Champions-League- und Triple-Sieger PSG, auf den BVB die Königlichen aus Madrid, die Sieger der Partien treffen im Semifinale aufeinander. Beide deutschen Teams gelten als Außenseiter.

Können der FCB und / oder der BVB die Meckerei in Deutschland mit überragenden Spielen, Siegen beenden? Es bleibt schwierig, sollten zum Beispiel nur ein paar hundert Plätze in den Stadien in Atalanta und East Rutherford nicht besetzt sein. Die bislang teilweise unerträglichen Temperaturen für die Spieler, aber auch die Fans können wenigstens in diesen beiden Partien kein Grund zur Klage werden.

Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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