Sportvorstand Max Eberl äußert sich als erster FCB-Verantwortlicher zur Situation mit Leroy Sané. Seine Worte klingen versöhnlich, dahinter steckt aber eine bittere Wahrheit.
Leroy Sané wird ab der nächsten Saison nicht mehr für den FC Bayern auflaufen. Die Gespräche zwischen der Seite des Nationalspielers, allen voran Berater Pini Zahavi, und den Verantwortlichen des Rekordmeisters verliefen letztendlich im Sande, obwohl beide Seiten grundsätzlich gerne den auslaufenden Vertrag verlängert hätten. Max Eberl gibt dazu im WM-Trainings-Camp des FC Bayern in Orlando eine Erklärung ab, die ein Drama andeutet.
Sané-Abgang: Lose-Lose-Situation
FCB-Coach Vincent Kompany verliert einen seiner Schlüsselspieler der Rückrunde der abgelaufenen Meistersaison: Einen Offensivspieler, der wie in besten Zeiten Scorerpunkte sammelte, aber auch wie kein anderer nach hinten schuftete. Der Verein verliert einen Nationalspieler ablösefrei, für den er vor fünf Jahren satte 49 Millionen Euro an Manchester City überwiesen hatte – und Leroy Sané setzt seine Karriere – im besten Fußballeralter – in der zweitklassigen türkischen Süper Lig bei Galatasaray Istanbul fort. Die Entschädigung: Euphorisch von Verein und Fans empfangen, mit einem fürstlichen Gehalt ausgestattet.
Eberl: FCB hat „Zahlen nicht mehr angepasst“
Der 51-jährige Bayernboss bietet dazu in Florida folgende Erklärung seitens des Rekordmeisters an, die sehr versöhnlich klingt, aber bei vielen FCB-Fans wohl auch Kopfschütteln auslösen dürfte: Leroy Sané „hatte die Wahl. Wir haben verhandelt und dann gab es die Situation mit seinem Beraterwechsel. Wir haben dann unsere Zahlen nicht mehr angepasst und er wusste, für was wir es gerne machen wollen würden.“ Damit widerspricht Eberl den Meldungen, dass der FC Bayern das Angebot für den Tempodribbler nachgebessert hätte. Ein Schritt, der von vielen „Experten“ scharf kritisiert wurde.
FCB-Angst vor „Gesichtsverlust“
Die Kernaussage bei der Begründung des Scheiterns der Verhandlungen wird vom Münchner Sportvorstand gleich nachgeliefert: „Man hat versucht in Gesprächen Brücken zu bauen. Wie können Lösungen aussehen, ohne dass er oder Bayern München das Gesicht verliert. Er hat das total verstanden, was wir da getan haben.“
Im Mittelpunkt der Verhandlungen stand somit offensichtlich mehr das Bemühen, dass niemand in der Öffentlichkeit schlecht aussieht als dass man ein Szenario geschaffen hätte, dass die eigentlich von beiden gewünschte Fortsetzung der Arbeitsbeziehung ermöglicht hätte. Damit scheint der große FCB tatsächlich vor dem öffentlichen Druck eingeknickt zu sein.
Leroy Sané immer noch „ein Bayer“
Folglich musste es fast schon kommen, wie es gekommen ist. Eberl weiter: „Er hat sich anderweitig entschieden für Galatasaray. Es ist seine Lebensentscheidung, der Vertrag läuft aus, entsprechend völlig legitim. Auch null Groll, das zeigt jetzt auch, dass er sagt, ich will diese 14 Tage noch bei euch dabei sein will. Ich will hier spielen, ich will diese Club-WM zumindest starten.“ Es ist ganz offensichtlich: Leroy Sané brennt immer noch für „seine Bayern“.
Der FCB-Sportvorstand schließt sein Statement, indem er die nun entstandene Situation als „kurios für uns alle.“ beschreibt. „Aber dieses Turnier ist eben neu, diese Konstellation ist neu. Dagegen war die Transferperiode schon immer da. Mit diesen Dingen muss man nun eben umgehen, aber er hat Bock darauf, zu kommen und deswegen haben wir gesagt, `wenn du Bock hast, dann sollst du auch kommen´“.
Möglicherweise war es Eberl am Ende auch wirklich peinlich, Teil dieses völlig unnötigen FCB-Dramas zu sein. Auch wenn er selbst vielleicht sogar anders gehandelt und das nötige Geld für die Vertragsverlängerung eines Schlüsselspielers drauf gelegt hätte. Wahrlich kein ruhmreiches Kapitel in der Vereinsgeschichte, welches noch fatale Konsequenzen haben könnte.
