Kommentar Petersgradmesser
Das neue Heimtrikot des FC Bayern ist ab sofort im Online Store und in allen Stores des FC Bayern erhältlich: Im permanent geforderten Rot-weiß wird es dennoch von zahlreichen Fans kritisiert.
Wenn die Anhänger des Rekordmeisters nostalgisch von FCB-Trikots schwärmen, denken sie an die längsgestreiften rot-weißen Trikots von Anfang der 1970er Jahre, in welchen Franz Beckenbauer, Gerd Müller & Co. ihren legendären Siegeszug gestartet haben. Sammy Kuffour hat mit seinem legendären Auftritt auf dem Rathausbalkon bei der Meisterfeier im Jahr 2000 diese Tradition, diese FCB-Fansehnsucht wieder aufleben lassen: „Wir wolle rot-weiße Trikots“.
Es ist nicht überliefert, wer den sympathischen Ghanaer, der von 1993 bis 2005 für den FC Bayern aufgelaufen ist, dazu angestachelt hat. Jedenfalls konnten die Bayernfans schon damals auf mindestens zwei Jahrzehnte mit mehr oder weniger gelungenen Versuchen an Trikotvariationen zurückblicken. Besonders im Gedächtnis geblieben sind die brasilianischen Trikots mit hellblauen, alternativ grünen (ganz kurzen) Hosen in den 1980er Jahren.
Der FC Bayern präsentiert das Heimtrikot 2025/26
In der kommenden Saison laufen die Bayern zuhause wieder in Rot-weiß auf. Der Verein stellt das Heimtrikot 2025/26, welches anlässlich der Klub-WM in den USA am 15. Juni gegen Auckland City Premiere feiern wird, wie folgt vor:
„In Rot und Weiß schreibt der FC Bayern seine Geschichte: In einem Design, das Tradition und Heimatbewusstsein vereint, erstrahlt das neue gemeinsam mit Partner adidas entwickelte Home-Trikot in den klassischen Vereinsfarben Rot und Weiß – mit einem besonderen Detail, das die Verbundenheit zur Stadt München unterstreicht: einem stilisierten ‚M‘, das als prominentes Designelement auf der Vorderseite eingearbeitet ist. Denn Heimat wird bei Bayern großgeschrieben.“
Weiter heißt es: „Das neue Trikot symbolisiert nicht nur sportliche Stärke, sondern auch den Stolz auf die Herkunft und die tiefe Verwurzelung des Vereins in der bayerischen Landeshauptstadt. Die kraftvolle Rot-Weiß-Kombination steht dabei für Leidenschaft, Dynamik und die Erfolgsgeschichte des deutschen Rekordmeisters.“
Zahlreiche Kritik am Trikot-Design
Wenig überraschend stellt – speziell in den Social Media – auch dieses neue Trikot nur einen relativ bescheidenen Prozentsatz der Bayernfans zufrieden. Meist befindet sich unter den (Höchst-)Unzufriedenen die aktive Fanszene, die zwar heftig kritisiert, aber selbst nie nur einen Gedanken daran verschwendet, sich selbst eines dieser – nicht gerade billigen – Trikots zu beschaffen. Meist ist es die Farbenkombination, die einen Aufschrei der Empörung verursacht, nun ist es das Design. Ja, auch dieses „Leibchen“ ist Geschmacksache, aber das ist das generelle Problem von Mode und macht bei Sportkleidung keine Ausnahme.
Der FC Bayern läuft mittlerweile pro Spielzeit in drei bis fünf unterschiedlichen Trikots auf: Heim-, Auswärts-, Champions-League-Trikot. Dazu kommt neuerdings ein spezielles Wiesn-Trikot und es gibt nicht selten besondere Anlässe wie in diesem Jahr das Jubiläumstrikot zum 125-jährigen Bestehen.
Wie oft muss man einem nicht allzu kleinen Teil der Vereinsanhänger erklären, dass sich das Auswärtstrikot immer erheblich vom Heimtrikot unterscheiden muss und es eben nicht in Rot-weiß bzw. Weiß-rot ausfallen kann bzw. sogar darf. Das ist bei jedem Dorfverein in der Kreisklasse übrigens nicht anders.
Trikots sind eine wichtige Einnahmequelle
Im Profifußball erfüllen die Trikots natürlich auch noch einen ganz anderen Zweck: Sie sollen so häufig wie möglich von den Anhängern gekauft werden und möglichst viel Geld in die „Vereinskasse“ einspielen. Da wäre es selbst dann sehr kontraproduktiv, wenn die FCB-Mannschaften im „chicsten Trikot der Vereinsgeschichte“ zwei Jahre in Folge auflaufen würden. Welcher Fan würde sich zweimal dasselbe Shirt besorgen?
Viele Fußballväter stehen vor jeder neuen Saison mit dem Nachwuchs vor der Aufgabe: Welches der drei neuen Trikots gefällt am besten, welcher Name mit Trikotnummer soll beflockt werden. Es sind nicht immer ganz logische, zuweilen unglückliche Entscheidungen, ein Beispiel: Zu seinem achten Geburtstag wünscht sich ein kleiner Bayernfan das (Auswärts-)Trikot mit eben der Nr. 8. Dieses trägt zu dem Zeitpunkt ein gewisser Torsten Frings, nicht ansatzweise sein Lieblingsspieler. Wenige Wochen später verlässt Frings den FC Bayern. Möglichweise muss der Fußballvater dann zähneknirschend noch ein zweites Trikot kaufen…
Am FC Bayern und auch am Trikothersteller Adidas wird die Fankritik so lange abtropfen, wie eine „angemessene“ siebenstellige Zahl an Fans die Trikots zur neuen Spielzeit erwerben wird. Diese Trikots müssen sich dabei einzig deutlich von denjenigen der Vorsaison unterscheiden.
