Zwischen Erpressung und Vernunft: Jonathan Tah bei der Klub-WM für Bayern spielberechtigt

Kommentar Petersgradmesser

Nationalspieler Jonathan Tah hat beim FC Bayern einen 4-Jahres-Vertrag unterschrieben. Die in einer Woche beginnende Klub-WM macht die Sache jedoch kompliziert.

Obwohl ihm viele Optionen offen gestanden sind, hat sich Bayer Leverkusens Innenverteidiger Jonathan Tah für den FC Bayern entschieden und an der Säbener Straße einen 4-Jahres-Kontrakt bis 2029 unterschrieben. Nachdem sein Arbeitspapier beim Werksverein Ende Juni ausläuft, wäre der 29-Jährige ablösefrei zum Rekordmeister gewechselt. Die vom 14. Juni bis 13. Juli in den USA stattfindende Klub-Weltmeisterschaft hat jedoch einen grundsätzlich einfachen Sachverhalt verkompliziert.

Klub-WM über zwei Spielzeiten schafft Probleme

Der Grund hierfür ist, dass sich das Turnier in neuem Großformat über zwei offizielle Spielzeiten hinwegzieht. Die Gruppenspiele und das Achtelfinale finden noch in der Saison 2024/25, Viertelfinale bis Finale bereits in der Saison 2025/26 statt. Die FIFA hat zwar extra für die 32 teilnehmenden Vereine ein zusätzliches Transferfenster vom 1. bis 10. Juni eingerichtet, dabei aber vergessen, speziell für ablösefreie Wechsel gewisse Grundregeln einzurichten.

Abgebende Vereine mit „irren“ Forderungen

So können sich die abgebenden Vereine in gewisser Weise am neuen Arbeitgeber ihrer Ex-Spieler mit horrenden Abfindungen bzw. Ablösesummen für lediglich zwei bis drei Wochen „rächen“. Dabei ist Real Madrid angeblich bereit eine Rekordzahlung von zehn Millionen Euro für Trent Alexander-Arnold an den FC Liverpool zu überweisen, damit dieser bereits in den USA im königlichen Trikot auflaufen kann.

Beim FC Bayern gibt es diesbezüglich sogar Aufregung um zwei ablösefreie Neuzugänge: Mittelfeldspieler Tom Bischof (TSG Hoffenheim) und speziell Jonathan Tah (Bayer Leverkusen). So fordert der entthronte Meister von seinem Nachfolger ebenfalls eine Millionen-Abfindung, es kursierten Meldungen, dass diese bis zu sieben Millionen Euro hoch sein soll. Die Verantwortlichen des FC Bayern bezeichneten dies als „irre“ und wollten darauf nicht eingehen.

Personalproblem in der Innenverteidigung macht FCB „erpressbar“

Aber der Rekordmeister hat ein riesiges Personalproblem in der Defensive, speziell in der Innenverteidigung: Eric Dier verlässt den FCB Richtung Monaco, Dayot Upamecano kommt gerade aus einer 3-monatigen Verletzungspause zurück, Minjae Kim ist angeschlagen, Hiroki Ito könnte gar bis zum Jahresende ausfallen. Die Leverkusener Funktionäre kennen diese Situation natürlich bestens und versuchen sie auszunützen. Obwohl man Tah bei der Verabschiedung höchste Wertschätzung ausgesprochen hat, scheint diese im Trikot des Rekordmeisters nicht mehr zu zählen.

Das Hauptargument des Werksvereins: Die möglichen hohen Prämien bei der Klub-WM, die sich von Runde zu Runde gewaltig erhöhen. Dies ist natürlich auch ein wichtiges Ziel des FC Bayern wie auch den weltweiten Bekanntheitsgrad noch einmal zu erhöhen. Dies würde alles scheitern, wenn man aufgrund einer stark geschwächten Defensive nicht das Viertelfinale erreichen würde, bei dem Tah und auch Bischof – auch ohne Abfindung – spielberechtigt wären.

Meldungen: FC Bayern zahlt Ablöse für Tah

Nun scheinen Max Eberl & Co. aufgrund der großen Ambitionen beim Weltturnier und den Gefahren einer geschwächten Defensive in den sauren Apfel zu beißen und aus „sportlichen Vernunftsgründen“ doch eine Ablöse nach Leverkusen zu überweisen.

Wie der stets gut informierte italienische Transfer-Experte Fabrizio Romano am späten Freitagabend auf seinem X-Account verkündete, haben sich der FC Bayern und Bayer Leverkusen auf eine Ablöse für Jonathan Tah geeinigt. Demnach könne der 29-Jährige nun doch vorzeitig für den Rekordmeister auflaufen. Romano: „Der Deal steht, der Papierkram ist erledigt, und dann ist es Zeit, alle Dokumente zu unterschreiben, um in die USA zu fliegen.“

In welcher Höhe sich die Tah-Ablöse tatsächlich bewegt, ist derzeit noch unklar. Eine offizielle Bestätigung der beiden Vereine steht ebenfalls noch aus, könnte aber bald erfolgen. Denn auch Sky Sport berichtete zugleich von einer Einigung zwischen den Münchnern und dem Werksverein: Nach Informationen des Pay-TV-Senders habe es nochmalige Verhandlungen gegeben, die zum Durchbruch führten. Tah könne für die Bayern an der Klub-WM teilnehmen, heißt es auch dort.

FIFA muss eindeutige Regeln schaffen

Ein Happyend für den Spieler, sicherlich auch für FCB-Coach Vincent Kompany, für den das Turnier eine hohe Bedeutung hat. Die Klub-WM soll in diesem neuen Format künftig alle vier Jahre ausgetragen werden, das heißt das nächste Mal 2029. Bis dahin sollte die FIFA auch eine seriöse Lösung für ablösefreie Wechsel gefunden haben. Der FC Liverpool und Bayer Leverkusen können derzeit fast schon beliebig die „Not“ von Madrid und Bayern ausnützen, Mondablösesummen fordern, fast erpressen, obwohl sie bereits davon profitieren, dass sie keine Gehaltsfortzahlungen im Juni leisten müssen. In einem Monat, in dem die Spieler grundsätzlich keine Gegenleistung bringen müssen.

Eine hohe Millionenforderung für zwei, drei Wochen ist schlichtweg ungerechtfertigt bis obszön und könnte die derzeit wenig freundschaftlichen Verhältnisse zwischen dem FCB und dem Werksklub weiter verschlimmern. Sollte Leverkusen in absehbarer Zeit einmal Interesse an einem Bayernspieler haben, könnte genau diese nun bezahlten Millionen auf die Ablösesumme aufgeschlagen werden. Die FIFA sollte ein solches Szenario ab 2029 verhindern, möglicherweise mit Prozentregeln, die „ablösefreie“ Spielerwechsel zu Klub-WM-Teilnehmern eindeutig festlegen.

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