Der FC Bayern zeigte sich bereits im letzten Jahr sehr interessiert an Leverkusens Abwehrchef Jonathan Tah. Kommt er nun mit einem Jahr Verspätung an die Säbener Straße?
Der deutsche Nationalspieler Jonathan Tah hatte sich im Frühjahr 2024 bereits mit den sportlich Verantwortlichen beim Rekordmeister auf einen Wechsel geeinigt. Simon Rolfes, Fernando Carro & Co. schoben diesem Vorhaben seitens Bayer Leverkusen jedoch in dem Maße einen Riegel vor, indem sie eine Ablösesumme in einer Höhe verlangten, der wiederum der mächtige FCB-Aufsichtsrat nicht zustimmte. So platzte der Deal, zur Enttäuschung des 29-Jährigen, aber wohl auch zu der von Max Eberl und Vincent Kompany auf Seiten des FC Bayern.
Tatsächlich hätte Tah mit seinen Skills – körperlich robust, schnell und technisch versiert – bestens zur Spielphilosophie des FCB-Coaches gepasst. Dennoch ging man in München mit Dayot Upamecano, Minjae Kim, Neuzugang Hiroki Ito und Rückkehrer Josip Stanišić, die diesem Spielertypen auch entsprechen, hoffnungsvoll in die neue Saison. Als zuverlässiger Back-Up stand auch noch der solide englische Ex-Nationalspieler Eric Dier zur Verfügung.
Stanišić und Ito fielen jedoch verletzungsbedingt früh in der Saison aus, das Stamm-Duo Upamecano / Minjae überzeugte in den meisten Spielen, musste aber auch der Mehrbelastung auf Dauer Tribut zahlen. Der südkoreanische Nationalspieler quälte sich fast seit Saisonbeginn mit Achillessehnenbeschwerden herum, beim französischen Vizeweltmeister wurden nach dem Nations League Viertelfinale freie Gelenkkörper im linken Knie festgestellt, er musste sich einer leicht invasiven Operation unterziehen und fällt seitdem aus. In den CL-Spielen gegen Inter Mailand fehlte er an allen Ecken und Enden.
Einzig der 31-jährige Eric Dier kam fast ohne Blessuren durch die Saison – solide und unaufgeregt, aber auch mit erheblichen Geschwindigkeitsdefiziten und Problemen im Spielaufbau. Vor allem letztere Schwäche wurden von den Gegnern in der Form ausgenützt, dass man dem Engländer beim Spielaufbau des Rekordmeisters bewusst den größten Spielraum anbot, wohl wissend, dass er im Gegensatz zu seinen Kollegen nicht so viel damit anfangen kann.
Nun stehen die Kaderplanungen für die nächste Saison an. Angeblich hat man mittlerweile laut übereinstimmenden Medienberichten beim Rekordmeister das Fehlen eines Abwehrchefs als Schwachstelle der laufenden Saison ausfindig gemacht. Dabei bemerkenswert: Stand er auf dem Feld, konnte man diese Rolle durchaus Upamecano zuordnen und zwar auf eine exzellente Art und Weise: Die oben im Beitrag Jonathan Tah zugeordneten Qualitäten treffen auch auf den 26-jährigen Franzosen zu, wohl sogar um Nuancen besser.
Dennoch fordert nun unter anderem Lothar Matthäus die Verantwortlichen an der Säbener Straße auf, den „Fehler“ von 2024 auszubügeln und Tah mit einem Jahr Verspätung zum Rekordmeister zu holen. Dessen zwischenzeitlicher Plan, sich Hansi Flicks FC Barcelona anzuschließen, scheint mittlerweile am chronischen Geldmangel der Katalanen gescheitert zu sein.
Eigentlich wäre Tah bereits 2024 – gemessen am Niveau der marktüblichen Ablösesummen – ein „Schnäppchen“ gewesen. Nun ist er sogar ablösefrei zu haben und seine Gehaltsforderungen scheinen nicht exorbitant hoch zu sein. Egal, ob als Abwehrchef oder „normaler“ Innenverteidiger: Der 35-fache deutsche Nationalspieler würde eine ordentliche Verstärkung für den FC Bayern darstellen.
Bei der großen Belastung durch den aufgeblähten Spielplan muss man auch in die Breite des Kaders investieren. In der laufenden Saison wäre ein zur Verfügung stehender Tah für Bayern-Coach Kompany sehr hilfreich gewesen.
