Effenberg an Hamann: „Unseriös – Schlechteste, das den Bayern passieren kann“

Ex-Kapitän Stefan Effenberg kritisiert, lobt aber auch den FC Bayern nach dem bitteren CL-Ausscheiden gegen Inter Mailand. Einem TV-Experten widerspricht er vehement.

Sport1-Experte Effenberg analysiert in seiner Kolumne bei t-online das Viertelfinal-Ausscheiden seines Ex-Vereins gegen Inter Mailand. Den Aussagen von FCB-Sportvorstand Max Eberl folgend sei für ihn der italienische Meister nicht das bessere Team gewesen, aber: „Die Mailänder haben die Qualitäten an den Tag gelegt, die den Bayern in der Summe der zwei Spiele gefehlt haben: die Abgezocktheit, ihre wenigen Chancen eiskalt zu nutzen, und die Erfahrung, ihr Ergebnis dann über die Zeit zu bringen.“

Stellvertretend, sogar ausschlaggebend nennt Effenberg den späten Gegentreffer zum 1:2 im Hinspiel: „Das war damals schon ein schwer verzeihlicher Fehler. Und genau dieses Gegentor ist rückblickend nun der wesentliche Faktor gewesen. Das war der eine ganz große Fehler der Bayern in diesen beiden Spielen. Das war einfach kein Erwachsenenfußball in dieser Szene – und wurde von Inter letztlich bitter bestraft.“

Vincent Kompanys Mannschaft bescheinigt er großen Aufwand, aber sie hätte auch „zu viele Chancen nicht genutzt und defensiv zu viel zugelassen. Vier Gegentore in zwei Spielen, auch gegen ein Spitzenteam wie Inter – das ist zu viel“, so Effenberg.

Die Gründe für das Ausscheiden sieht der CL-Sieger von 2001 nicht zuletzt in der Personallage: Verletzungen sowohl in der Abwehr als auch in der Offensive schwächten die Mannschaft. In diesem Kontext lobt er ausdrücklich den Umgang des gesamten Teams mit der Niederlage. So habe man nach den beiden Spielen nicht wegen des großen Verletzungspechs gejammert: „Und das muss man den Bayern dann doch hoch anrechnen. Sie hätten Ausreden finden können – haben dieses Spiel aber nicht mitgespielt.“

Eindringlich warnt Effenberg vor überstürzten Konsequenzen – vor allem hinsichtlich Cheftrainer Vincent Kompany. Der 39-Jährige hat im vergangenen Sommer erst das Traineramt an der Säbener Straße übernommen. Effenberg klipp und klar: „Ich will mir gar nicht vorstellen, dass Kompany nun von irgendjemandem infrage gestellt werden könnte – das wäre unseriös und das Schlechteste, das den Bayern passieren kann.“

Damit kann sich der 56-Jährige grundsätzlich nur auf die herbe Kritik des Sky-Experten Didi Hamann beziehen. Dieser stellte Kompany unmittelbar nach der Partie gegen Inter an den Pranger und sähe ihn beim FC Bayern durch Xabi Alonso bestens ersetzt.

Von Effenberg bekommt Kompany dagegen nur höchste Anerkennung für seine Arbeit an der Säbener Straße. Er stelle sich stets vor seine Mannschaft, „würde niemals einen oder mehrere Spieler öffentlich kritisieren und damit Unruhe hineinbringen – das war unter seinem Vorgänger im letzten Jahr noch anders. Er hat ganz schnell und anhaltend Ruhe verbreitet, und das nun ist für den ganzen Verein eine Wohltat.“


Titelbild: Stefan Effenberg: Der FCB-Kapitän mit dem Henkelpott 2001 – in Mailand!

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