In einem intensiven Bundesliga-Spiel verpasst es der FC Bayern beim 2:2 gegen Borussia Dortmund erneut, die Vorentscheidung in der Meisterschaft zu erzielen. Die Stimmen.
Bayer Leverkusen hatte am Nachmittag beim 0:0 gegen Union Berlin etwas unerwartet die Steilvorlage geliefert: Mit einem Sieg im Bundesliga-Abendspiel gegen den BVB wäre der deutsche Rekordmeister fünf Spieltage vor Saisonende auf acht Punkte davongezogen – gleichzusetzen mit dem Ende der Titelhoffnungen für den Werksverein. Erneuter Chancenwucher und zwei schwere Abwehrfehler bei den Gegentoren verhinderten jedoch den verdienten Sieg.
FCB-Cheftrainer Vincent Kompany lobte seine Mannschaft nach der Partie dennoch für die „Mentalität“, darin sicherlich verpackt, dass in der entscheidenden Saisonphase Weltklassespieler wie Jamal Musiala, Dayot Upamecano und Alphonso Davies an allen Ecken und Enden fehlen. Die Stellvertreter haben ganz offensichtlich zwar den festen Willen, aber nicht die Qualität. Neuer-Vertreter Jonas Urbig macht definitiv einen guten Job, die Aura eines fünffachen Welttorhüters kann der 21-Jährige noch nicht haben.
Während bei Bayern die Einwechselspieler Raphaël Guerreiro (65.) und Serge Gnabry (69.) auf äußerst sehenswerte Weise den zwischenzeitlichen Rückstand umdrehten, profitierten auf BVB-Seite Maximilian Beier (48.) und Waldemar Anton (75.) bei ihren Treffern von fatalen Patzern in der FCB-Hintermannschaft. Beim Rekordmeister feierten zudem nach wochenlangen Ausfallzeiten Aleksandar Pavlović und Kingsley Coman ihre Comebacks.
Die Bayern-Stimmen nach der Partie
FCB-Sportvorstand Max Eberl
„Wir hatten in den letzten Spielen sehr viele Torchancen, aber belohnen uns nicht. Sowohl am Dienstag als auch heute werden wir mit der ersten Aktion des Gegners bestraft. Dann drehen wir das Spiel und bekommen nach einer Standardaktion ein unnötiges Gegentor. Aber trotzdem rennen wir danach wieder an, aber verwerten die Chancen nicht. Zusammengefasst brauchen wir zu viele Chancen und werden hinten zu hart bestraft.“
Bayern-Cheftrainer Vincent Kompany
„Nach dem ersten Tor hat sich die Partie komplett verändert, Dortmund war nach dem 0:4 in Barcelona nach dem 1:0 nicht mehr wiederzuerkennen. Bis zum Tor von Dortmund aber hatten wir das Spiel im Griff, hatten einige Chance. Nach dem Rückstand hätte ich mich als Fan über ein Ticket gefreut – als Trainer konnte mir das nicht gefallen. Ich bin am Ende froh, dass wir weiter sechs Punkte vor Leverkusen bleiben. Ganz klar: Der Glaube ist da, die Mentalität ist da. Trotz der Rückschläge gibt es keine negativen Hintergedanken. Wir machen weiter, wir bleiben gefährlich – daraus kann man Kraft schöpfen.“
Thomas Müller, dieses Mal in der Startelf und mit Assist zum 1:1
„Wir brauchen nicht darüber zu sprechen, dass wir irgendwie zu wenig Energie hatten oder, dass man nicht gesehen hätte, dass wir das Spiel unbedingt gewinnen wollten. Am Ende war die Effektivität nicht so, wie wir sie uns vorstellen. Trotzdem war es, vor allem für die Fans, wahrscheinlich ein tolles Spiel. Insgesamt war viel Energie und Spielfreude zu sehen, aber natürlich war es auch ein Spiel der verpassten Möglichkeiten.“
Joshua Kimmich
„Wir machen es uns zu schwer, weil wir nicht effizient genug sind. Wir hatten wieder eine Vielzahl an guten Chancen, vor allem in der ersten Halbzeit. Dann kriegen wir mit dem ersten Torschuss das 0:1, kommen zurück und verspielen das wieder. Gerade zu Beginn der Saison haben wir viel mehr unsere Chance genutzt, durch frühe Tore kommt man dann eher in einen Flow. Das hat man in der Champions League gesehen. Da haben wir es auch verpasst, ein frühes Tor zu machen, das hätte uns sicherlich geholfen. Dementsprechend bleiben die Spiele offen und das macht sie intensiv.“
Harry Kane
„Ich glaube, wir können mit dem Punkt leben. Es war ein intensives Spiel, beide Mannschaften hatten Chancen. In der ersten Halbzeit haben wir gut gestanden, wenig zugelassen, aber auch wenig nach vorne gemacht. In der zweiten Halbzeit wurde es offener, wir haben mehr riskiert und waren hinten anfälliger. Trotzdem haben wir zwei schöne Tore gemacht, das muss man mitnehmen. Am Ende war es ein Spiel, das in beide Richtungen hätte kippen können. Für die Zuschauer war es sicher attraktiv. Jetzt müssen wir von Spiel zu Spiel denken, alles reinhauen, und dann sehen wir, was der Punkt am Ende wert ist.“
Titelbild: Harry Kane – aktuelle Flaute bei der Tormaschine.
