Bayer Leverkusen unterliegt im Pokal-Halbfinale sensationell beim Drittligisten Arminia Bielefeld. Könnte dies Auswirkungen auf den Titelkampf haben?
Nach der besten Saison der Vereinsgeschichte – Double, ungeschlagen Deutscher Meister, Europa League Finale – hingen die Trauben bei Bayer Leverkusen auch vor der laufenden Spielzeit sehr hoch. Fernando Carro, der spanische Geschäftsführer des Werksvereins, sah den FC Bayern sogar abgehängt und wollte den Rekordmeister mit der Aussage, dass RB Leipzig wohl der härteste Titelkonkurrent werden würde, sogar demütigen. Der 60-Jährige lag jedoch völlig falsch.
Obwohl Xabi Alonsos Truppe zu Beginn der Saison ungewohnte Schwächen gezeigt hatte, konnte man sich am Ende der Rückrunde wieder an den FC Bayern heranpirschen, fügte dem Rekordpokalsieger in der eigenen Arena im Achtelfinale eine bittere 0:1-Niederlage zu. In der Rückrunde schlugen die Münchner jedoch gnadenlos zurück, vergrößerten den Vorsprung in der Bundesliga wieder auf acht Punkte und deklassierten den Rivalen im CL-Achtelfinale mit einem Gesamtscore von 5:0.
Leverkusen vor der Pokal-Pleite gegenüber Bayern „mental“ im Vorteil
Danach schien sich jedoch das Blatt wieder in Richtung Leverkusen wenden zu können: Selbst zweimal durchaus glücklich in der Bundesliga erfolgreich, leistete sich Vincent Kompanys Truppe bei Union Berlin einen bitteren Punktverlust und – fast noch schlimmer – musste in den letzten Tagen zahlreiche extrem schwerwiegende Ausfälle in der Abwehr verkraften: Alphonso Davies (Kreuzbandriss), Dayot Upamecano (Knorpelschaden im Knie), Hiroki Ito (Mittelfußbruch). Dagegen kündigte Bayer-Coach Alonso an, für eine frühzeitige Rückkehr von Florian Wirtz im Titelkampf sogar ein gewisses Risiko eingehen zu wollen.
Auf dem Weg zum erneuten Double sollte der Vierte der Dritten Liga, Arminia Bielefeld, im Pokal-Halbfinale für den Werksverein eher eine Zwischenstation, als eine ernsthafte Gefahr sein. Und das trotz aller vorheriger Warnungen: Mit Union Berlin (2:0), dem SC Freiburg (3:1) und Werder Bremen (2:1) mussten bereits drei Bundesligisten auf der Bielefelder Alm im Pokal die Segel streichen.
Drittligist besser als der Double-Sieger
Nach Jonathan Tahs Führungstreffer in der 17. Minute schien der haushohe Favorit auch ziemlich früh Richtung Berliner Finale unterwegs zu sein. Nur drei Minuten später konnte die Arminia allerdings durch Marius Wörl ausgleichen und war nachfolgend zur Überraschung aller das bessere Team. Die späte Halbzeitführung durch Maximilian Großer (45.+3) war absolut verdient. Aber Bayer musste ja nur seinen Titel „Laterkusen“ verteidigen.
Wer jedoch nach der Pause einen Sturmlauf des amtierenden Meisters erwartet hatte, konnte seinen Augen kaum trauen. Die Ostwestfalen spielten weiter tapfer nach vorne, von einem 2-Klassen-Unterschied war über die gesamte Spielzeit nichts zu bemerken. Auch die Hoffnung auf späte Tore wurde aus Perspektive der Bayer-Fans bitter enttäuscht.
Nach dem Schlusspfiff grenzenloser Jubel auf Bielefelder Seite, auf der anderen Seite tief enttäuschte konsternierte Gesichter. Nationalspieler Robert Andrich gestand, dass die Arminia schlichtweg besser war, der Schweizer Granit Xhaka stritt am Zaun mit den eigenen Fans.
Welche Auswirkungen könnte diese Blamage auf den Endspurt im Titelkampf haben?
Die Meinungen gehen dabei noch auseinander: Leverkusen könnte nun die letzten sieben BL-Partien mit einer „Jetzt-erst-recht“-Einstellung angehen, die Niederlage würde noch mehr Kräfte frei setzen. Bayer könnte aber nun auch mental stark angeschlagen sein. Eine Pokalendspielteilnahme war fest eingeplant, die Enttäuschung sollte dementsprechend riesig sein.
Vor dem 28. Spieltag scheint der FC Bayern das Heft des Handelns fest in der Hand zu haben, was jedoch nicht bedeutet, dass die eigene Aufgabe nur um ein Promille einfacher ist. Gewinnt man allerdings – trotz personeller Probleme – beim seit elf Bundesligaspielen ungeschlagenen FC Augsburg, könnte dies den Titelambitionen der mental angeschlagenen Bayer-Elf den Rest geben. Auf dem Papier erscheint deren Aufgabe in Heidenheim leichter. Ein FCB-Sieg beim kleinen Bayerischen Derby könnte aber den Stecker ziehen.
Die umgekehrte Version ist aus FCB-Fansicht keine Option 😉
