FCB-Spieler Alphonso Davies hat im Länderspiel zwischen Kanada und den USA einen Kreuzbandriss erlitten. War die Verletzung völlig unnötig, hatte sie gar einen „politischen Hintergrund“?
Im Interview mit tz-Reporter Philipp Kessler kritisiert Davies-Berater Nick Huoseh nun Jesse Marsch, den Trainer der kanadischen Nationalmannschaft, scharf, denn die Verletzung seines 24-jährigen Schützlings wäre aus seiner Sicht absolut vermeidbar gewesen.
Sofort „ein ungutes Gefühl“
Als sich der Münchner Linksverteidiger bei der Nations League Partie um Platz 3(!) zwischen Kanada und den USA das Kreuzband riss, war Huoseh im Sofie-Stadium in Los Angeles vor Ort. Er schildert nun, dass er „schon in dem Moment, als er (Davies) zu Boden ging, ein ungutes Gefühl hatte.“
Der Davies-Berater erläutert die Situation vor dem Spiel: „Er hätte im Freundschaftsspiel um Platz 3 gegen die USA nicht spielen dürfen. Ich war überrascht, dass er anfing, denn er hatte mitgeteilt, dass er nicht in der Lage sei, zu beginnen. Eine Quelle innerhalb des kanadischen Verbands sagte mir am Freitagabend, dass Alphonso nicht in der Startelf stehen würde, aber vielleicht ein paar Minuten bekommen würde. Ich habe ihnen gesagt, dass er überhaupt nicht spielen sollte.“
Schwere Vorwürfe Richtung kanadischer Trainer
Kanadas Nationaltrainer Jesse Marsch, der 2021 für kurze Zeit RB Leipzig trainiert hatte, bekommt von Huoseh schwere Vorwürfe:
„Meiner Meinung nach hätte er die Situation besser abwägen sollen, diese schlimme Verletzung hätte zu 100 Prozent vermieden werden können. Jesse Marsch war vor seiner Zeit in Kanada als Profitrainer auf höchstem Niveau in Europa tätig. Daher sollte er wissen, dass man gegenüber einem Spieler kein Risiko eingehen darf, wenn er sich nicht einsatzbereit fühlt und signalisiert, dass er nicht spielen kann.“
Aus Politik importiert: Brisante sportliche Duelle Kanada – USA
In seiner weiteren Ausführung kommt dann eine durchaus zu beachtende politische Komponente in der Verletzungs-Diskussion hinzu: „Bei der Nationalmannschaft sollten keine emotionalen Entscheidungen getroffen werden, nur um individuelle Erfolge zu feiern. Mir ist schon bewusst, dass die Motivation zu gewinnen bei einem Länderspiel gegen die USA entsprechend groß ist – aber die Gesundheit der Spieler sollte immer an erster Stelle stehen. Die Nationalmannschaften müssen ihre Spieler besser schützen.“
Der Hintergrund: Seit der neue US-Präsident Donald Trump gedroht hat, den nördlichen Nachbarn Kanada als 51. amerikanischen Bundesstaat einzuverleiben, den kanadischen Regierungschef als „Gouverneur“ verspottet, finden auf den Sportplätzen regelmäßig Schlachten zwischen den beiden Nationen statt. Gerade bei den prestigeträchtigen Eishockey-Matches fand der Sportbegriff „Schlagaustausch“ zu seiner ursprünglichen Bedeutung zurück.
Davies ein „Trump-Opfer“?
Sollte dies tatsächlich bei der Aufstellung des schon vor dem Spiel angeschlagenen Davies eine Rolle gespielt haben, ist er indirekt zu einem Opfer der Trumpschen Aggressionen gegenüber Kanada, geworden. Einer toxischen Außenpolitik, die die gesamte Welt in zunehmendem Maße belastet.
Die Ahornblätter gewannen zwar das sportlich sonst eher unbedeutende Spiel um Platz 3, verloren aber ebenso wie der FC Bayern für lange Zeit den Weltklasse-Außenspieler Alphonso Davies. Da ist es wenig Trost, dass Huoseh den von ihm betreuten Spieler „beim medizinischen Team des FC Bayern in guten Händen“ sieht.
Und da soll noch einmal einer behaupten, dass Sport und Politik strikt zu trennen sind.
