Der Bundestrainer warnt bei FCB-Keeper Urbig: „… dann wird er nie ein großer Torwart“

Bundestrainer Julian Nagelsmann äußerte sich auf der PK vor dem Italien-Spiel zur Förderung von Talenten am Beispiel von FCB-Keeper Jonas Urbig.

Die Karriere des 21-jährigen Urbig verzeichnete zuletzt einen fast schon kometenhaften Aufstieg. Nach seinem Winter-Transfer vom Zweitligisten 1. FC Köln zum FC Bayern stand der Torwart der deutschen U21-Nationalmannschaft viel früher als erwartet zwischen den Pfosten des Rekordmeisters. Als sich Manuel Neuer im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Bayer Leverkusen verletzte, sprang er für den fünfmaligen Welttorhüter ein. Ein Hineinschnuppern in die erhoffte Zukunft in München – Urbig gilt als potenzieller Nachfolger des Weltmeisters von 2014.

Urbigs toller FCB-Start wird von „Patzer“ getrübt

In seinen ersten drei Einsätze für den FC Bayern zeigte Urbig souveräne Leistungen, wurde nach dem CL-Rückspiel in Leverkusen von FCB-CEO Jan-Christian Dreesen gar als „Man of the Match“ geadelt. Im darauffolgenden Bundesligaspiel bei Union Berlin, der letzten Partie vor der Länderspielpause, sah er aber beim 1:1-Gegentreffer unglücklich aus.

Das hat aber nichts damit zu tun, dass das Spiel an der Alten Försterei vorerst sein letztes Pflichtspiel für den Rekordmeister gewesen sein dürfte. Denn nach der Länderspielpause wird wohl Neuer wieder ins Bayern-Tor zurückkehren. Urbig selbst musste dagegen verletzt von der U21-Nationalmannschaft abreisen, es sollte jedoch keine schlimmere Blessur sein.

Italiens Donnarumma als Vorbild, Appell an Vereinstrainer

Zum vermeintlichen Patzer des möglichen zukünftigen FCB-Keepers, der damit natürlich auch ein Kandidat für die deutsche Auswahl ist, äußerte sich nun vor dem Nations-League-Viertelfinale gegen Italien Bundestrainer Julian Nagelsmann. Dieser wurde gefragt, wie man Talenten schon frühzeitig zu wichtigen Profi-Einsätzen verhelfen kann. Als Beispiel wurde dabei die aktuelle italienische Nummer Eins, Gianluigi Donnarumma, genannt, der bereits als Teenager zum Stammkeeper beim AC Mailand (Ligadebüt mit 16 Jahren und acht Monaten!) und im Nationalteam aufstieg.

Der Bundestrainer plädierte an den Mut der Vereinstrainer, auf junge Talente zu setzen und dabei auch Leistungsschwankungen in Kauf zu nehmen. Speziell zu Urbig und dem Gegentreffer in Berlin fand er durchaus bemerkenswerte Worte: „Jonas Urbig, darüber kann man jetzt diskutieren, ob das ein Fehler ist oder nicht. Ich schaue das Spiel an und sage, er muss da hin, weil er genau aus dieser Situation lernt, um dann für ganz große Spiele auch vorbereitet zu sein. Mir ist es lieber, ein Torwart macht eine Risikoaktion, weil er denkt, vielleicht gewinne ich den Ball. Aber er kann die Flanke abfangen. Wenn das dann mal nicht gelingt, ist mir das lieber, als dass Torhüter nur auf der Linie kleben, um ja keinen Fehler zu machen. Weil dann wird er nie ein großer Torwart.“

Bundestrainer wendet sich auch an Medien und Fans

Nagelsmann richtete dann auch gleich noch einen Appell an Medien und Fans: „Deswegen würde ich mir auch wünschen, dass wir alle, wenn wir uns wünschen, dass junge Spieler auch mal Fehler machen dürfen, auch fair damit umgehen und dann nicht in jeder Sendung so extrem auf dem Jungen rumhacken, weil davon wird er nicht besser. Sondern er wird besser, weil er da hingeht und sich vielleicht mal einen Millimeter verschätzt hat.“

Bravo, Julian Nagelsmann!

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