Ballack fordert bei Upamecano-Aktion Foulelfmeter – warum die ganze Diskussion in die falsche Richtung geht

Nach VAR-Intervention entschied Schiedsrichter Gil Manzano beim Stand von 2:0 für Bayern im Playoff-Spiel bei Celtic Glasgow nicht auf Elfmeter für die Hausherren, wofür TV-Experte Michael Ballack kein Verständnis zeigte. Warum derartige Diskussionen grundsätzlich in die falsche Richtung gehen.

Es war in der Playoff-Partie zur Qualifikation für das Champions League Achtelfinale zwischen Celtic Glasgow und dem FC Bayern einer der großen Aufreger. Harry Kanes 2:0 hatte kurz zuvor dafür gesorgt, dass der „Hexenkessel“ Celtic Park eine Verschnaufpause bekam, da trat Dayot Upamecano bei einer Klärungsaktion ganz am Rande des FCB-Strafraums dem Celtic-Spieler Arne Engels unabsichtlich auf den Fuß.

Obwohl der belgische Spieler des schottischen Meisters sich schmerzverzerrt auf den Rasen fallen ließ, ließ der spanische Referee Jesus Gil Manzano das Spiel zunächst weiterlaufen, bis der portugiesische VAR intervenierte. Für den ehemaligen FCB-Spieler und heutigen DAZN-Experten Michael Ballack ein klarer Fall: Foulelfmeter!

Die TV-Bilder zeigten jedoch eine ganz andere Realität. Ganz abgesehen davon, dass in der Spielsituation nicht die geringste Torgefahr bestand, spielte der in Glasgow überragende Bayern-Innenverteidiger zuerst eindeutig den Ball, bevor er Engels auf den Fuß trat, den dieser ihm von hinten „unten reinstellte“. Der französische Nationalspieler hatte in der Situation definitiv keine Chance, Engels nicht auf den Fuß zu treten, musste er doch aus der Bewegung heraus seinen Fuß wieder auf den Boden aufsetzen. Ein ganz normaler Vorgang im menschlichen Bewegungsablauf.

Genauso sah es korrekterweise der spanische Unparteiische und auch der deutsche SR-Experte Manuel Gräfe ließ keine andere Bewertung der Spielszene zu und lobte Gil Manzano ausdrücklich. Ballack dagegen ließ sich davon von seiner geäußerten Meinung nicht abbringen und löste – zum Ärger vieler FCB-Fans – damit im Netz eine sehr lebhafte Debatte aus.

Dabei gäbe es für solch derzeit umstrittene Szenen eine ganz andere pragmatische Lösung: Seit Jahren gibt es schier unzählige diskutable Strafraumsituationen, die häufig zu dubiosen Strafstößen führen. Zum einen sind dies natürlich die zahlreichen Szenen, die einen Handelfmeter nach sich ziehen könnten. Jede neue Regelung hierzu erscheint aktuell noch verwirrender als sie hilfreich sein könnte. Aber es gibt auch eine Häufung an erzwungenen Foulelfmetern, die es in der Form noch vor wenigen Jahren nicht gab.

Über viele Jahrzehnte haben Fußballväter ihrem kickenden Nachwuchs den – nicht ganz fairen – Tipp eingebläut: „Mein Trainer hat früher schon gesagt: Lauf mit dem Ball in den Sechszehner und lass dich dann fallen.“ Ganz so plump sind die heute vor allem im Profifußball erzwungenen „Fouls“ im Strafraum nicht, aber bei genauer Betrachtung auch nicht viel besser.

Bei zahlreichen Abwehraktionen, speziell bei Befreiungsschlagen aus dem eigenen Strafraum, bei welchen die eigentlich Torgefahr längst gebannt scheint, müssen die Verteidiger mittlerweile höllisch aufpassen: Je weiter sie mit dem Schussbein zu einem Befreiungsschlag ausholen desto größer ist die Gefahr, dass ein gegnerischer Angreifer – die schmerzhaften Folgen bewusst in Kauf nehmend – sein Bein, seinen Fuß zwischen den zu tretenden Ball und den Abwehrspieler stellt. Die Verteidiger haben meist nicht die geringste Chance, dies zu verhindern, kommt das ausgefahrene Bein doch meist von hinten bzw. einem toten Winkel – wie auch in der Upamecano-Szene.

So werden an jedem Spieltag Elfmeter erzwungen – berechnend, fies, ohne Rücksicht auf die Gesundheit aller Beteiligter. Nachdem die Verteidiger in der eigenen Schussbewegung den Angreifer treffen, entscheiden die Schiedsrichter fast ausnahmslos auf Foulelfmeter. Dass die Stürmer dabei häufig nicht einmal eine kleine Möglichkeit haben, selbst das Spielgerät zu berühren, spielt überraschenderweise offensichtlich überhaupt keine Rolle.

Derartige – nicht selten spielentscheidende – Foulelfmeter werden immer häufiger gepfiffen, obwohl es „früher“ solche Strafraumszenen quasi überhaupt nicht gab. Ein Rätsel, warum diese unfaire Unart des modernen Fußballs nicht mehr beleuchtet wird. Denn man kann diese Spielsituationen durchaus jeweils andersherum bewerten: Der Verteidiger will den Ball spielen und wird vom Stürmer – ohne Aussicht auf Ballgewinn – bei diesem Versuch durch ein Hineinstellen eines Beines oder Fußes gefoult.

Ein „Zurechtrücken“ der Regeln aus Fairnessgründen hätte Herrn Ballack übrigens auch einen Shitstorm der FCB-Fans erspart.

Veröffentlicht von fcbayerntotal

Admin und Autor von FC Bayern Total

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