Vorsicht FC Bayern: Das kann nicht gut gehen!

Zehn Minuten nach der Halbzeit sah es für den FC Bayern beim Stand von 4:0 gegen Aufsteiger Holstein Kiel nach einem Kantersieg aus. Am Ende stand ein ernüchterndes 4:3 auf dem Papier. Die Fortsetzung einer gefährlichen Tendenz.

Grundsätzlich ist der FC Bayern in der laufenden Spielzeit in den wirklich wichtigen Wettbewerben noch gut dabei: In der Meisterschaft grüßt man nach 20 Spieltagen bei allerdings einem Spiel mehr gegenüber dem einzig verbliebenen Titelkonkurrenten Leverkusen mit neun Punkten Vorsprung (und dem wesentlich besseren Torverhältnis) von der Tabellenspitze. Und auch in der Champions League ist eine Qualifikation für das so heiß ersehnte „Finale dahoam reloaded“ noch absolut möglich.

Aber es gibt aktuell einige Konjunktive und einen neu auftretenden großen Schwachpunkt.

Bereits seit vielen Monaten ist eine bedenkliche Ineffizienz im Verhältnis vorhandene Torchancen / erzielte Tore zu beobachten, die man abgekürzt als „Chancenwucher“ bezeichnen kann. Dieser war nicht zuletzt bei unnötigen Punktverlusten und Niederlagen festzustellen, aber auch im Angesicht eines souveränen Sieges. Die Konzentration hinsichtlich weiterer möglicher Erfolgserlebnisse tendierte nicht selten gegen Null.

Das Problem ist: Während die Bayern-Profis in solchen Fällen Spielminute für Spielminute die Prozentpunkte ihres vorhandenen riesigen Leistungsvermögens nach unten fahren, bleiben die nicht selten haushoch unterlegenen Gegner zu 100 Prozent konzentriert. Gepaart mit der sowieso vorhandenen 120-%-igen Motivation gegen den deutschen Rekordmeister eine gefährliche Mischung.

Diese Mixtur erscheint in der laufenden Saison umso gefährlicher, weil die gegnerischen Teams im krassen Gegensatz zu den FCB-Stürmern ein „Tor des Jahres“ nach dem anderen produzieren. Tore aus Kunst- oder Gewaltschüssen aus nahezu unmöglichen Winkeln mit einem xG-Wert von annähernd Null sind fast schon die Regel, wenn es gegen den FCB geht. Zuletzt fielen der Bratislava-Ehrentreffer wie auch Kiels 1:4 unter diese Rubrik.

Und nun kommt auch noch eine neue sehr bedenkliche Entwicklung dazu: In den letzten fünf Pflichtspielen – drei in der Bundesliga, zwei in der Champions League – gestattete man dem Gegner jeweils den letzten Treffer der Partie. Beim 4:3-Sieg gegen Holstein Kiel sogar die letzten drei. Dabei freuten sich die Arenafans nach Serge Gnabrys wunderbarem 4:0 in der 54. Minute schon auf einen entspannten Kantersieg.

Nach den drei zu-Null-Siegen zu Beginn des Jahres (6:0 im Freundschaftsspiel beim CL-Teilnehmer in Salzburg; 1:0 in Gladbach; 5:0 gegen Hoffenheim) begann diese Misere beim 3:2-Heimsieg gegen den VfL Wolfsburg.

Zuvor souverän und haushoch überlegen gestatteten Kompanys Mannen dem Werksclub in der 88. Minute den Anschlusstreffer zum 2:3 und mussten in der Folge bis zum Schlusspfiff um den Sieg zittern. Am ehesten nachzuvollziehen war in dieser Serie noch der Feyenoord-Treffer zum bitteren 0:3 kurz vor Spielende, die Bayern mussten alles riskieren, um die drohende Niederlage noch abzuwenden.

Der Trend setzte sich beim 2:1-Sieg in Freiburg fort, als man eine scheinbar komfortable 2:0-Führung nicht behaupten konnte und so in der Schlussphase um die drei Punkte bangen musste. Slovan Bratislava gelang in der 90. Minute per Traumtor der Ehrentreffer zum 1:3, nachdem der FCB es vorher verpasst hatte, die wertvollen Tore für einen 5:0-Sieg zu erzielen, die den nun wesentlich komfortableren BVB-Weg in der Königsklasse bedeutet hätten.

Die absolute Krönung bzw. der bisher traurige Höhepunkt dieser Entwicklung ist nun das 4:3 anstelle eines möglichen 6:0, 7:0 gegen bereits deklassierte Kieler. Joshua Kimmich erklärte dieses Malheur nach dem Schlusspfiff völlig richtig damit, dass es „keine Frage der Qualität, sondern der Einstellung“ sei. Und daran muss nun – vielleicht auch mental – gearbeitet werden, um nicht die zweite titellose Spielzeit in Folge erleiden zu müssen.

PS: Der öffentliche Reflex war zuletzt immer, den in dieser Saison grundsätzlich exzellent auftretenden Innenverteidigern aber auch Manuel Neuer („der hält überhaupt nichts mehr“) die Schuld für die zuletzt zu zahlreichen Gegentore zu geben. Ein völlig falscher Ansatz. Das gesamte Team lässt in seiner Konzentration – offensiv wie defensiv – nach. Vincent Kompany weiß das und wird aus FCB-Sicht hoffentlich die richtigen Mittel und Wege finden.

Veröffentlicht von fcbayerntotal

Admin und Autor von FC Bayern Total

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