FCB-Sportvorstand Max Eberl gibt in einem Interview Einblicke, wie er den Rekordmeister erfolgreich führen will und wer dabei sein großes Vorbild ist.
Der 51-jährige Eberl ist in München aufgewachsen und kam 1979 als Fünfjähriger zum FC Bayern, wo er seine komplette Fußballausbildung genossen hat. Den Durchbruch bei den Profis des Rekordmeisters schaffte er jedoch nicht, weswegen er 1994 zum VfL Bochum wechselte. Nach 30 Jahren Trennung von seinem erklärten Herzensverein kehrte er im März 2024 als Sportvorstand zurück an die Säbener Straße.
In einem Interview mit dem RND (RedaktionsNetzwerk Deutschland) gab er nun unter anderem Einblicke über seine ersten zehn Monate im Amt, seinen Führungsstil und sein großes Vorbild.
Eberl gibt sich auf die Frage, wie schwer es ihm zu Beginn fiel, mit dem alltäglichen Trubel rund um den FC Bayern umzugehen, entspannt:
„Gott sei Dank habe ich in meinem früheren Verein, in Gladbach, schon viele Erfahrungen sammeln können. Schon dort habe ich mit der Zeit gelernt, gewisse Dinge nicht mehr so an mich heranzulassen und mich stattdessen auf die Arbeit zu konzentrieren. Natürlich war das in München zunächst schwieriger, weil hier noch viel mehr von den Medien spekuliert wird. In Summe fokussiert man sich dann aber auf den ganz kleinen Bereich um sich herum. In meinem Fall sind das Vincent Kompany, Christoph Freund und natürlich meine Vorstandskollegen Jan-Christian Dreesen und Michael Diederich und auch der Aufsichtsrat mit Herbert Hainer, Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge.“
Uli Hoeneß war hauptverantwortlich dafür, dass der frühe Gladbach- und RB-Sportboss nach Jahrzehnten wieder beim seinem Jugendklub gelandet ist. Die beiden genießen schon lange ein freundschaftliches Verhältnis. So tauchte im RND-Interview fast schon zwangsläufig die Frage auf, ob die Hoeneß-Strategie, sich regelmäßig polarisierend zu äußern, um Kritik von der Mannschaft fernzuhalten, auch eine adäquate für Eberl sei, was dieser durchaus bejahte:
„Uli Hoeneß polarisiert ja vor allem, weil er seit 40, 50 Jahren einer, vielleicht sogar der Macher der Bundesliga ist. Ein Zugpferd, ohne das wir alle heute nicht dort stehen würden, wo wir stehen. Vor allem aber hat er den FC Bayern stets mit großer Menschlichkeit geführt. Diese Menschlichkeit habe ich mir als Vorbild genommen. Ich möchte diesen Verein und diese Mannschaft schützen und möchte mit dem FC Bayern den größtmöglichen Erfolg haben. Und Emotionalität gehört an der einen oder anderen Stelle dazu.“
Eberl führt weiter aus: „Ich kann sehr sachlich, rational und fachlich, aber durchaus auch emotional sein, etwa, wenn ich nach einem verlorenen Spiel in der Mixed Zone angesprochen werde. Und wenn ich emotional bin, bin ich nicht immer der Rationalste. Aber ich meine es nie böse und glaube, dass ich ein gewisses Niveau nicht verlasse. Wir – die Verantwortlichen – müssen oft einstecken, und ich finde, dass man dann auch mal ein Kontra vertragen muss. Mir geht es bei allem immer nur darum, zu schützen, was man als Verein, als Gruppe erreichen will. Und die größten Erfolge wird man, trotz aller vorhandenen Qualität, nur erreichen, wenn du als Gruppe geschlossen auftrittst und die Gruppe spürt, dass da einer ist, der sie nach außen hin verteidigt. Das ist für mich das Einmaleins des Erfolges.“
Im Interview wurde der Sportvorstand des Rekordmeisters auch auf eine viel zitierte Ansage seines Mentors Hoeneß angesprochen. Der 73-jährige FCB-Ehrenpräsident hatte im Spätherbst verkündet, dass er den Meistertitel schon zusagen könne. Eberl ordnete diese in der Öffentlichkeit als „Arroganzanfall“ titulierte Ankündigung ein:
„Uli Hoeneß wird heute von Unternehmen, Verbänden etc. als Redner eingeladen. Leider wird aus seinen Vorträgen dann aber oft nur sehr bruchstückhaft zitiert. Ich will nicht auf einzelne Beispiele eingehen, aber natürlich verfälschen diese kurzen Zitate die eigentlichen Aussagen. Aber schwieriger macht das meine Arbeit nicht. Diesbezüglich bin ich tiefenentspannt, weil ich genau weiß, dass Uli niemals etwas tun würde, was dem Verein schadet.“
Uli Hoeneß selbst hatte im Sommer 2023, nach den Entlassungen der Vorstände Oliver Kahn und Hasan Salihamidžić, den Verein als „total befriedet“ eingestuft. Tatsächlich scheint dies aber erst gut ein Jahr später mit den Protagonisten Eberl, Freund und nicht zuletzt Kompany eingetreten zu sein. Das berühmte Mia san mia hat seinen Weg zurück an die Säbener Straße gefunden.
