Schlüsselspieler Upamecano: Wie sehr er den Bayern in Mainz fehlte

FCB-Coach Vincent Kompany musste beim unangenehmen Auswärtsspiel in Mainz verletzungsbedingt auf viele Schlüsselspieler verzichten. Überraschend ließ er auch Eric Dier für Dayot Upamecano spielen. War das die entscheidende Schwächung im Spiel des Rekordmeisters?

Die Ausfallliste des FC Bayern ist seit einiger Zeit mehr als prominent: Harry Kane, Manuel Neuer, João Palhinha, Alphonso Davies, Serge Gnabry, Kingsley Coman. Rückkehrer Josip Stanišić und Neuzugang Hiroki Ito konnten sich noch gar nicht am Spielbetrieb beteiligen. Bei der gestrigen 1:2-Niederlage in Mainz kam etwas überraschend mit Dayot Upamecano ein ebenso wichtiger wie allgemein unter- wie fehleingeschätzter Spieler hinzu.

Im Vorfeld der Partie begründete Kompany die Wahl von Eric Dier für die Startelf anstelle von Upamecano mit mehreren Faktoren. Der französische Vizeweltmeister war unter der Woche angeschlagen gewesen und hatte daher nicht im vollen Umfang trainieren können: „Ja, er hat auch einen Tag weniger trainiert als die anderen. Also es kam ein bisschen alles zusammen.“

Dennoch zeigte sich der Belgier vor der Partie noch optimistisch und hob Diers Erfahrung hervor: „Wir haben natürlich Vertrauen in Eric. Er hat sogar letzte Saison im Halbfinale der Champions League gespielt.“ Ob dies in seinem Inneren auch seine Überzeugung gewesen war, ist spekulativ. Der Engländer ist wohl der einzige FCB-Profi im Kader, der mit seiner Spielweise, seinen Skills definitiv nicht in Kompanys Spielsystem passt.

Es war auch spekuliert worden, dass Upamecano aufgrund seiner bereits erhaltenen vier Gelben Karten bewusst geschont werden könnte, um vor einer möglichen Sperre für das Leipzig-Spiel geschützt zu werden. Diese Vermutungen wurden von Kompany jedoch nicht bestätigt.

Upamecano wird von vielen Experten und Fans auf seine Fehleranfälligkeit reduziert, dabei werden meist seine Stärken, nicht zuletzt die Wichtigkeit für das (Aufbau-)Spiel des FC Bayern komplett ignoriert. Als Beispiel möge eine Partie unter Thomas Tuchel aus der Rückrunde 2023/24 dienen. Völlig uninspirierte Münchner schafften es im Heimspiel gegen den Abstiegskandidaten Köln über eine Halbzeit nicht, dessen Abwehrriegel zu knacken. Nach wenigen Minuten im zweiten Durchgang wurde Upamecano für den in dieser Übung völlig überforderten Matthijs de Ligt eingewechselt, ein Ruck ging durch die Mannschaft, der Spielaufbau von hinten befand sich sofort auf einem anderen Level. Bayern gewann letztendlich 2:0, diskutiert wurde aber nur über einen Leichtsinnsfehler des Franzosen kurz vor Spielende, der nicht einmal zu einem Kölner Torerfolg führte.

Am vergangenen Wochenende im Heimspiel gegen Heidenheim war der 26-Jährige in der ersten Halbzeit nicht nur wegen seines fulminanten Kopfballtreffers zum 1:0 der überragende, der dominante Mann auf dem Spielfeld. Hinten robust, unüberwindbar, vorne torgefährlich und mit Zuspielen und Flanken zum mit der Zunge schnalzen. Dann ist ihm kurz nach der Pause der Lapsus mit dem zu kurzen Rückpass auf Daniel Peretz, der zum Ausgleich der Gäste führte, passiert. Nur wenige bemerkten dabei, dass ein Manuel Neuer in der Regel so hoch steht, dass dieser Pass bei ihm sogar angekommen wäre. Upas insgesamt vorzügliche Leistung wurde nach der Partie wieder auf diese eine Szene reduziert.

Bislang spielt der bullige Franzose eine glänzende Halbserie, vielleicht die beste, seit er im Sommer 2021 zum Rekordmeister wechselte. Zusammen mit Minjae Kim ist er meist ein unüberwindliches Abwehrbollwerk. Die beiden sind exzellent aufeinander abgestimmt, so litt Minjae gestern in Mainz merklich unter der Abwesenheit seines Standardpartners in der Innenverteidigung.

Eric Dier ist dagegen der robuste Abwehrspieler, dessen Lieblingskonstellation es ist, wenn die eigene Mannschaft selbst tief hinten drin steht. Ein Szenario, das beim FCB maximal einmal pro Saison vorkommt. Im Aufbauspiel und bei der Grundschnelligkeit hat er erhebliche Defizite.

Ob Upamecano sein Team mit seinen gestern so sehr vermissten Skills zum Sieg hätte führen können, zumindest eine Niederlage hätte vermeiden können, ist spekulativ. Die Wahrscheinlichkeit, dass vieles mit ihm besser gelaufen wäre, ist aber nicht von der Hand zu weisen. Auch wenn es viele nicht sehen wollen: Er ist ein Schlüsselspieler bei Vincent Kompany. Übrigens auch bei Didier Deschamps in der französischen Nationalmannschaft.

Veröffentlicht von fcbayerntotal

Admin und Autor von FC Bayern Total

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