Der FC Bayern ist wieder früh aus dem Pokal ausgeschieden – na und!

Kommentar von Petersgradmesser

Der FC Bayern ist mit 20 deutschen Pokalsiegen Rekordtitelträger mit einem riesigen Vorsprung vor Werder Bremen (6). Aber wie wichtig ist dieser emotionale Wettbewerb für die Münchner in Fußballzeiten, in welchen es immer mehr um internationales Renommee geht.

Viele Fußballfans in Deutschland lieben diesen emotionalen Wettbewerb, in dem auch schon einmal die Amateure den Topclubs aus der Bundesliga Paroli bieten können. Der FC Bayern hat als Bundesliganeuling mit seinen kommenden Weltstars Franz Beckenbauer, Gerd Müller und Sepp Maier in den 1960er Jahren auch seine ersten Erfolge im DFB-Pokal errungen und sogar den damals ausgespielten Europapokal der Pokalsieger 1967 als zweite deutsche Mannschaft gewonnen.

Dieser Wettbewerb war damals im europäischen Ranking die Nummer 2 hinter dem Landesmeistercup, existiert aber seit Ende des vorherigen Jahrhunderts nicht mehr. Jenes internationale Verschwinden deutete bereits eine sinkende sportliche Bedeutung der nationalen Pokal-Wettbewerbe an. Dennoch hat die Tradition sie speziell in England und Deutschland bei den Fans populär bleiben lassen. Wie aber sehen es die Profis in den Topclubs? Wie sehen speziell die Profis des FC Bayern diesen Wettbewerb?

Vor noch nicht allzu langer Zeit galt es an der Säbener Straße als Selbstverständlichkeit, dass man das nationale Double aus Meisterschaft und Pokalsieg holt. Zu viele Anhänger des FCB haben dies folglich als abzuarbeitenden Programmpunkt notiert. Das Zuckerl oben drauf war der Champions League Sieg, der das Triple komplettiert. Zweimal ist es bislang in der Vereinsgeschichte gelungen: 2013 und 2020. Wie überragend dieser Dreifach-Triumph ist, zeigt, dass es nur einen einzigen Klub gibt, dem dieses Kunststück ebenfalls doppelt gelungen ist: Dem FC Barcelona – 2009 und 2015.

Als ehrlichster Wettbewerb gilt zurecht nach wie vor die Meisterschaft, in welcher man in einer Doppelrunde jedem Gegner jeweils zuhause und auswärts begegnet. Das ganz große Ziel der ganz großen Klubs, zu welchen seit vielen Jahren auch der FC Bayern zählt, ist jedoch der Henkelpott, der Gewinn der Champions League, der Königsklasse im europäischen Vereinsfußball.

Wo aber bleibt der DFB-Pokal in Zeiten zunehmender und ausgedehnter internationaler Klub- und Nationenwettbewerbe? Die WM wurde von 16 Teams auf 24, dann auf 32 und ab 2026 auf 48 Teilnehmer aufgebauscht. Die Endrunde der EM von vier auf acht, dann 16, nun 24. Aus dem Weltpokalspiel zwischen dem CL-Sieger und dem Südamerikameister wurde zwischenzeitlich ein Turnier mit den sechs Kontinentalmeistern und einem Team des Gastgeberlandes, ab 2025 ebenfalls alle vier Jahre eine große Klub-WM mit 32 Teilnehmern. Die Nations League hat sich mittlerweile als ernsthafter Wettbewerb etabliert.

In einer zunehmenden Menge an Spielen in unterschiedlichen Konkurrenzen treffen die Topspieler, so auch die des FC Bayern, auf die internationale Topklasse. Dagegen ist die Motivation im DFB-Pokal eher eine negative: Ich darf mich nicht gegen die Kleinen blamieren. Fast jedes Ausscheiden des FCB im Pokal wird medial als Blamage gefeiert, das Erreichen der nächsten Runde als absolute Normalität, ein Endspielsieg von vielen Anhängern mehr quittiert als bejubelt. Als FCB-Spieler kann man eigentlich nur verlieren, nie gewinnen. Selbst wenn man gegen den aktuellen Doublesieger bei 80-minütiger Unterzahl einen heroischen Kampf liefert und unglücklich mit 0:1 verliert, geht es nahezu ausschließlich um das bayerische Versagen.

Niemand im Verein wird das jemals offiziell behaupten (dürfen), aber ich könnte mir bestens vorstellen, dass einige Profis sich zwar über ein Pokalausscheiden ärgern, kurz ärgern, dann aber wieder mit umso mehr Freude in die nächsten (wirklich) wichtigen Spiele in der Bundesliga und vor allem in der Champions League gehen werden. Und im Sommer kommt die Klub-WM. Der Pokal ist da eher eine lästige Pflichtaufgabe.

Geht mir als jahrzehntelangem FCB-Fan übrigens nicht anders. Vorfreude auf jedes BL-Spiel, noch mehr auf die internationalen Begegnungen. Wenn eine Pokalwoche bevorsteht, graut mir dagegen jedes Mal vor den überlangen Reportagen über Blamagen und Pokalsensationen. Diese sieht man x-fach häufiger als alle 20 DFB-Pokalsiege des FCB zusammen.

Bei einem halben Dutzend Endspielsiegen des FCB war ich übrigens selbst in Berlin dabei. Maximal bei den Triumphen über den BVB kam so etwas wie Euphorie auf, bei den anderen Finalsiegen war es danach eher die Erleichterung, ohne Blamage zurück nach München gefahren zu sein.

Berlin, Berlin, wir … spielen viel lieber wieder im Finale dahoam!


Titelbild: Choreografie FCB-Kurve vor dem Pokalfinale gegen Borussia Dortmund 2016 in Berlin.

Veröffentlicht von fcbayerntotal

Admin und Autor von FC Bayern Total

3 Kommentare zu „Der FC Bayern ist wieder früh aus dem Pokal ausgeschieden – na und!

  1. Ich verstehe deine Meinung, aber hoffe ein Pokalfinale von FC Bayern im Stadion mitzuerleben. Das Gleiche gilt auch für die Champions League. 2012 und 2013 habe ich kein Ticket erhalten.

  2. „Selbst wenn man gegen den aktuellen Doublesieger bei 80-minütiger Unterzahl einen heroischen Kampf liefert und unglücklich mit 0:1 verliert, geht es nahezu ausschließlich um das bayerische Versagen.“

    der beste Satz in diesem Artikel, den ich sonst nur bedingt teile. Für mich hat der Pokal eine seltsam romantisch-antiquierte Anziehungskraft, ich mag diesen Wettbewerb sehr!

    1. „Romantisch-antiquiert“ … sehr nett 😉

      Für mich als FCB-Fan hat der Pokal schon lange nichts mehr „Romantisches“. Ich sehe es eher wie der Autor: Ist er nicht mehr da, habe ich ihn in 2 Jahren vergessen.

      Dass dies für andere Vereine und seine Fans eine andere Geschichte ist, kann ich verstehen.

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