Ohne zu brillieren war es ein äußerst souveräner Bayern-Sieg im kleinen Bayerischen Derby gegen den FC Augsburg. Die Stimmen zum 3:0.
Wenn Mannschaften gegen vermeintlich übermächtige Gegner zu einer extrem destruktiven Spieltaktik greifen, wird häufig der Vergleich mit dem geparkten Bus vor dem eigenen Tor bemüht. Der FC Augsburg hatte gestern in der Münchner Allianz Arena davon wohl sogar zwei zum Rekordmeister mitgebracht. Dies ging über eine Stunde gut, dann aber mussten fast schon zwangsläufig Konzentrationsfehler der erlahmenden Augsburger Gegenwehr zu Toren des FC Bayern führen.
Häufig werden Siege nur durch Elfmetertore abwertend quittiert. Wenn der FC Bayern in dieser Saison jedoch auf diese Weise gewinnt, ist es die Folge einer erdrückenden Dominanz – und dann weiß man derzeit den weltbesten Elfmeterschützen Harry Kane in den eigenen Reihen. Der Kapitän der englischen Nationalmannschaft erzielte gegen den schwäbischen Nachbarn so seine ersten beiden Tore, ehe er mit einem absoluten Weltklassetor den Höhepunkt des Spiels fast mit dem Schlusspfiff setzte.
Die Stimmen zum gestrigen Spiel, dessen Verlauf man auch an zwei Statistiken gut ablesen kann: 80 Prozent Ballbesitz und 33:2 Schüsse (20:0 in Halbzeit 2):
FCB-Sportvorstand Max Eberl:
„Es war ein kompliziertes Spiel, weil Augsburg sehr gut verteidigt hat. Aber natürlich haben wir sie immer mehr in die Defensive gedrängt und dann passieren auch Elfmeter. Harry Kane hat eine herausragende Elfmeterquote. Er trainiert sie aber auch jedes Mal nach dem Training, das sieht man, mal scharf in die Ecke, mal den Torwart ausschauen. Und das dritte Tor war die Kirsche auf der Torte.“
FCB-Chefcoach Vincent Kompany:
„Es ist normal, dass es nicht einfach ist – es war schließlich ein Bundesligaspiel. Wir haben 33-mal aufs Tor geschossen und waren ganz oft im Sechzehner. Aber wir sind geduldig geblieben und trotzdem haben wir gezeigt, dass wir Tore schießen wollen. Wenn man so oft im Strafraum ist, ist es normal, dass es irgendwann einen Strafstoß gibt. Ich bin nie zufrieden, weil ich immer will, dass wir noch besser werden. Ich weiß, wie wichtig der Sieg heute Abend war und ich kann ihn sehr schätzen.“
FCB-Kapitän Manuel Neuer
Der fünfmalige Welttorhüter meldete sich zum gestrigen Spiel letztendlich doch noch fit und blieb bei einem eisigen Wind nahezu beschäftigungslos.
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„Wir haben das Bewusstsein dafür, wie wir angreifen und verteidigen wollen. Im Moment passt es sehr gut. Wir wollen weiter versuchen, uns immer zu verbessern. Wir nehmen jeden Gegner ernst, jede Situation und sind weiter sensibel dafür.“
„Hattrick-Harry“ Kane:
„Augsburg ist gut organisiert, stand tief in der eigenen Hälfte und hat es uns so schwer gemacht. Das haben wir diese Saison schon mehrmals erlebt, aber wir sind ruhig geblieben und haben einfach immer weitergemacht. Wir hatten auch in der ersten Halbzeit schon Chancen, da müssen wir kaltschnäuziger agieren. Der Elfmeter war dann der Türöffner, von da an ging es leichter für uns. Es stehen wichtige Wochen für uns an, aber das Team ist bereit, es fühlt sich gut an – wir müssen das Momentum beibehalten.“
Wie sich das Spiel aus der Perspektive des Gegners aus Augsburg angefühlt hat, beschreibt Mittelfeldspieler Elvis Rexhbecaj sehr anschaulich:
„Das Positive ist, dass wir gegen Bayern nicht viel zugelassen haben und wenn wir etwas zugelassen haben, waren es nicht die Hochkaräter, die Bayern normal hat. Was wir uns aber ankreiden lassen müssen, ist das Spiel mit dem Ball. Wenn man gegen Bayern etwas holen will, dann muss man mit dem Ball etwas kreieren. Das war heute extrem schwer, weil die Bayern unfassbar stark im Gegenpressing waren – das ist zermürbend. Trotzdem gehen wir mit keinem schlechten Gefühl aus dem Spiel, weil wir es so lange offen gestalten konnten.“
Schön, wenn man auch als klar unterlegene Mannschaft mit einem guten Gefühl aus so einer Partie gehen kann, aber wesentlich interessanter ist die Aussage mit dem „zermürbenden Gegenpressing„. Spätestens ab der Halbzeitpause bekam der Tabellen-Dreizehnte überhaupt keine Luft mehr zum Atmen, jeder Angriff wurde schon im Keim erstickt, dafür war das gesamte FCB-Team zuständig, insbesondere aber erneut die beiden Innenverteidiger Minjae Kim und Dayot Upamecano, die gefühlt 100 Prozent ihrer Zweikämpfe gewonnen haben.
