Vor knapp einem Jahr hat die deutsche U17-Nationalmannschaft bei der WM in Indonesien den Titel geholt. Ein Überblick über den aktuellen Karrierestand der vier damals beteiligten Nachwuchsspieler des FC Bayern.
Immer wieder wird von zahlreichen FCB-Anhängern gefordert, lieber den eigenen Nachwuchs zu fördern und bei den Profis einzusetzen anstatt für gewaltige Ablösesummen neue Spieler zu verpflichten. Wer sollte dafür wohl besser qualifiziert sein als der goldene 2006er Jahrgang des FC Bayern, von dem im Jahr 2023 vier Spieler im Sommer U17-Europameister und spät im Jahr dann als Krönung auch noch U17-Weltmeister wurden! Beide Titel wurden im Elfmeterschießen gegen Frankreich errungen.
Weihnachtliche U17-Weltmeister-Ehrung vor Bundesliga-Spiel
So präsentierte der deutsche Rekordmeister vor dem Spitzenspiel gegen den VfB Stuttgart kurz vor Weihnachten 2023 stolz seine erfolgreichen Campus-Spieler Maximilian Hennig, Max Schmitt, Robert Ramsak und Kurt Rüger, welche natürlich auch an der Säbener Straße große Hoffnungen weckten.
Wer sind die vier FCB-Campus-U17-Weltmeister? – FC Bayern Total
Zur besseren Einordnung dieses großen internationalen Triumphes des deutschen Fußballnachwuchses im vergangenen Jahr soll nicht unerwähnt bleiben, dass dies erst der zweite in der Geschichte der bundesdeutschen Junioren nach dem WM-Sieg der U20 im Jahr 1981 im australischen Sydney gegen Katar (4:0) war!
Wo spielen die vier U17-Weltmeister heute?
Auch wenn es viele Fans des Nachwuchsfußballs gerne anders hätten, sind die vier Welt- und Europameister des Rekordmeisters nun 18-jährig und ein Jahr nach dem ganz großen Triumph immer noch kilometerweit vom Profifußball entfernt. Einzig Keeper Max Schmitt durfte im Pokal auf der Ersatzbank schon Luft im Kader von Vincent Kompany schnuppern. Zwei der vier U17-Weltmeister laufen nicht mehr für den Nachwuchs des FC Bayern auf, davon einer auf Leihe und einer hat sich sogar komplett vom Rekordmeister verabschiedet.
Torhüter Max Schmitt (18.1.2006)
Max Schmitt machte bei der U17-Europameisterschaft im Juni letzten Jahres erstmals groß auf sich aufmerksam, als er das ganze Turnier über tolle Paraden zeigte und im Finale gegen Frankreich (5:4 n.E.) einen Elfmeter abwehrte. Bei der WM in Indonesien hatte er ein bisschen Pech. Bis zum Viertelfinale stand er in jeder Partie über die volle Distanz auf dem Feld, musste ab dem Halbfinale allerdings erkältungsbedingt passen.
Aktuell steht der hochtalentierte junge Keeper im Tor der FC Bayern Amateure in der viertklassigen Regionalliga, muss dort aber seine Einsatzzeiten traditionell mit anderen Nachwuchstorhütern teilen. Nach zwei Einsätzen in der deutschen U18 ist er nun Stammtorwart in der U19-Auswahl des DFB. Bei den Profis sitzt er gelegentlich als dritter Torwart hinter Sven Ulreich oder Daniel Peretz auf der Bank.
Kurt Rüger – Mittelfeldspieler (15.2.2006)
Der Allrounder, der im Mittelfeld sowohl zentral als auch auf Außen agieren kann, feierte beim WM-Auftakt 2023 gegen Mexiko (3:1) sein U-Nationalmannschaftsdebüt und absolvierte im Laufe des Turniers drei weitere Spiele für die Weltmeistermannschaft.
Wie Schmitt spielt auch Kurt Rüger derzeit meist für die FCB Amateure (12 Saisoneinsätze), lief zweimal für den Nachwuchs des FCB in der UEFA Youth League auf sowie dreimal für die U18 des DFB.
Maximilian Hennig – Verteidiger (12.10.2006)
Bei der WM in Indonesien stand Maximilian Hennig in jedem Spiel auf dem Platz, sechsmal von Beginn an. Lediglich im letzten Gruppenspiel gegen Venezuela (3:0) – Deutschland war zu diesem Zeitpunkt schon sicher im Achtelfinale – wurde er erst in der Schlussphase eingewechselt.
Im Sommer hat er beim FC Bayern bis 2027 verlängert und wurde für die laufende Saison an die SpVgg Unterhaching, die derzeit in der 3. Liga spielt, verliehen. An den 14 Spieltagen verzeichnet er bislang vier Startelfeinsätze, dreimal kam er bei den Münchner Vorstädtern von der Bank.
Robert Ramsak – Stürmer (28.10.2006)
Robert Ramsak spielte vor allem beim EM-Sieg im Juni 2023 groß auf und traf dabei viermal in sechs Spielen. Bei der WM in Indonesien war er zweimal erfolgreich und trat außerdem bei den Elfmeterschießen gegen Argentinien und Frankreich an und versenkte jeweils.
Obwohl Ramsak – wie Hennig – schon als Siebenjähriger zum Nachwuchs des FC Bayern gekommen war, verließ er den Rekordmeister im Sommer Richtung RB Leipzig. Als Grund wurde angegeben, dass man ihm dort die besseren Perspektiven aufgezeigt hätte. Bei den Sachsen spielt er nun – anders als seine drei in München gebliebenen Ex-Teamkollegen – noch im Nachwuchsbereich in der U19. Zudem läuft er wie Schmitt und Hennig in dieser Altersstufe auch für den DFB auf.
Wie man sieht, hängen die Trauben selbst für Junioren-Weltmeister im Profifußball sehr hoch. Und wenn man das Glück (oder Pech?) hat, Spieler eines Weltklassevereins wie des FC Bayern zu sein, hängen sie sogar noch einmal wesentlich höher. Talent alleine reicht da keineswegs aus, um ganz oben anzukommen. Es benötigt ebenso viel Geduld, Durchsetzungsvermögen und nicht zuletzt Glück.
Wie erging es den U20-Weltmeistern von 1981?
Nur den wenigsten der damals von Trainerlegende Dietrich Weise gecoachten U20-Weltmeister gelang später im Profifußball der Durchbruch. Die bekanntesten und später erfolgreichsten aus der Truppe waren Roland Wohlfarth, der zu dem Zeitpunkt noch für den MSV Duisburg kickte, später aber erfolgreich für den FCB auf Torejagd ging und der Dortmunder Michael Zorc. Wohlfarth kam insgesamt auf zwei A-Länderspiele in seiner Profikarriere, Zorc immerhin auf sieben.
Aus der Bayern-Jugend waren 1981 in Australien Thomas Herbst und Helmut Winklhofer dabei. Nur letzterer setzte sich im Profifußball durch, musste aber bereits als 27-Jähriger aus Verletzungsgründen seine Karriere beenden.
Interessant übrigens: Die Weltmeister von 1981 setzten sich aus den Jahrgängen von 1961 bis 1963 zusammen. Als neun Jahre später Franz Beckenbauers A-Nationalmannschaft in Italien den WM-Titel gewann, waren diese Jahrgänge mit Lothar Matthäus, Guido Buchwald, Andreas Köpke und Raimond Aumann durchaus prominent besetzt. Aber kein Junioren-Weltmeister von 1981 wurde auch Senioren-Weltmeister 1990.
