36000 FCB-Fans stornieren Ticketanfrage für Donezk-Spiel: Der eigentliche Skandal

Ursprünglicher Beitrag vom 5. November 2024 (heutiges Update unten anhängend):

Schachtar Donezk ruft für sein Champions-League-Heimspiel auf Schalke gegen Bayern Wucherpreise auf. Der Boykott-Aufruf der FCB-Fanszene zeigt nun Wirkung.

Im Newsletter „Südkurve München“ der führenden FCB-Ultra-Gruppierung Schickeria erging am Wochenende folgender Boykott-Aufruf für das am 10. Dezember stattfindende Spiel, der ganz offensichtlich vom FC Bayern selbst unterstützt wurde:

Storniert eure Tickets!

„Weite Teile der aktiven Südkurve werden das Auswärtsspiel gegen Schachtar Donezk aufgrund der preislichen Umstände nicht besuchen.

Das dynamische Preissystem in Verbindung mit einem hohen Grundpreis der Tickets bei unserem Spiel erzeugen eine unverhältnismäßige Verteuerung im Vergleich zu den anderen Heimspielen von Schachtar Donezk im Europapokal.

Sitzplatz – 105€ (Die Fans von Atalanta Bergamo zahlten ab 28€; die Fans von Young Boys werden ab 31€ zahlen)
Stehplatz – 52€ (Die Fans von Atalanta Bergamo zahlten ab 23€; die Fans von Young Boys werden ab 26€ zahlen)

Nutzt das vom FC Bayern unterbreitete Angebot und storniert eure Tickets für das Spiel – die Frist dafür endet Montag 4.11., 12 Uhr.“

Es folgt eine Anleitung zur Stornierung auf der offiziellen FCB-Homepage und der Boykott-Aufruf endet mit:

„Bayernfans, lasst euch nicht verarschen und boykottiert das Auswärtsspiel bei Schachtar Donezk.

Für eine faire Preisgestaltung – gegen Topspielzuschläge!“

Der Ultra-Aufruf war „erfolgreich

36000 Fans, Mitglieder, Fanclubmitglieder des Rekordmeisters sind dem Aufruf gefolgt und stornierten noch bis zur Frist Montagmittag ihre vorläufige Kartenbestellung. Ursprünglich lag die Anzahl der Bestellungen bei 55000, nach dem Aufruf schrumpfte sie erheblich – auf nur noch 19000.

Was aber bedeuten diese Stornierungen tatsächlich für die Fanbelegung bei der CL-Partie?

Schamloses Schachtar und die fragwürdige Rolle der UEFA

Wegen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine trägt Donezk seine Königsklassen-Heimspiele aktuell in der Veltins-Arena in Gelsenkirchen aus. Vergleichsweise zentral gelegen in Deutschland und damit von überall für Bayern-Fans ohne ganz großen Aufwand erreichbar. Werden aufgrund des Boykottaufrufs und der 36000 Anfrage-Stornierungen wesentlich weniger FCB-Fans im Stadion sein, die Arena Auf Schalke gar halbleer?

Davon ist nicht auszugehen, denn diese Zahlen betreffen einzig und allein das von der UEFA vorgegebene Auswärtsfan-Kontingent von gerade einmal 5 Prozent! Bei der aktuellen Kapazität des Schalker Stadions von 62000 Plätzen betrifft das also lediglich die offiziellen 3100 Tickets, die der FC Bayern an seine eigenen Fans vergeben kann. Diese sind mit den verbliebenen 19000 Bewerbern immer noch mehr als sechsfach überbucht!

Skandalös ist in diesem Kontext das vollkommene Ignorieren der von der UEFA vorgegebenen Regularien: Fünf Prozent der Karten müssen Gästefans zur Verfügung gestellt werden (in der Bundesliga sind es zehn Prozent). Die Preisobergrenze für Gästefans beträgt 70 Euro in der Champions League, 45 Euro in der Europa League und 35 Euro in der Conference League.

Warum darf der ukrainische Gast und zugleich Gastgeber Schachtar Donezk diese Regeln brechen, nahezu torpedieren?

Schachtar muss zur Ausbeutung der ukrainischen und FCB-Fans Stellung nehmen!

In den fünf Wochen bis zur Partie wird, nein muss es sicherlich noch eine Stellungnahme von Schachtar Donezk zur Preisgestaltung geben. Und die UEFA muss zur Einhaltung der eigenen vorgegebenen Regeln noch eingreifen.

Die aktive Bayernfanszene attackiert zwar die Preise für das Auswärtsfankontingent, was aber ist mit den restlichen 59000 Tickets, die gewiss nicht billiger sein dürften? In Deutschland befinden sich derzeit rund 1,2 Millionen ukrainische Kriegsflüchtlinge. Sehr viele von ihnen sind Schachtar-Fans und möchten das Spiel gerne live in der Arena sehen. Noch mehr ukrainische Flüchtlinge leben aber zur Zeit in Deutschland auf Staatskosten des Gastgeberlandes. Und dieses soll nun den Preiswucher des ukrainischen Meisters mitfinanzieren?

Ob die 3100 FCB-Fans im Gästeblock aufgrund der abwesenden Ultras weniger Support für das eigene Team liefern, ist vor diesem Hintergrund eigentlich ein Nebenaspekt. Die Ultras kämpfen seit vielen Jahren mehr oder weniger erfolgreich – „Twenty´s plenty“ – für eine Limitierung der Auswärtsticketpreise in den europäischen Fußballwettbewerben, sie fühlen sich hier zurecht „verarscht„. Es gibt aber in diesem Fall noch viele andere, die sich nun wesentlich mehr veralbert vorkommen können.

Die Preise, die der ukrainische Fußballmeister in dieser ebenso bitteren wie komplizierten Situation aufruft, sind ein riesiger Skandal. Die Verantwortlichen sollten sich schämen – und die untätige UEFA ebenso. Trotzdem kann man ziemlich sicher davon ausgehen, dass die Schalker Arena am 10. Dezember ausverkauft sein wird. Mit vielen vielen ukrainischen Fans, die sich so ein Spiel eigentlich gar nicht leisten können und mit eventuell ebenso vielen FCB-Fans, die endlich Chancen auf den Besuch eines Spiels ihres Lieblingsklubs haben. Denn normalerweise ist es schier unmöglich an ein Auswärtsticket des Rekordmeisters in der Champions League zu kommen. Genau diese Konstellation wird hier auf schamlose Weise ausgenützt.

Update 15. November 2024:

Der FCB-Fanprotest ist tatsächlich erfolgreich, der deutsche Rekordmeister verkündet heute auf seiner Homepage „eine Preisanpassung bei Tickets für Gastspiel bei Shakhtar Donezk:

Shakhtar Donezk hat nach Abstimmung mit dem FC Bayern die Ticketpreise für das Champions-League-Spiel am 10. Dezember 2024 in der Arena auf Schalke neugestaltet. Die Tickets können ab sofort bis zum Montag, den 18. November, um 17 Uhr zu günstigeren Konditionen über den Webshop des FC Bayern angefragt werden.

Durch die Umwandlung der Eintrittspreise soll allen Fans – auch denen, die bereits ihre Ticket-Anfrage storniert hatten – die Möglichkeit gegeben werden, eine neue Anfrage aufzugeben.

Reduzierter Tageskartenpreis im Fanblock, der unter die Preisbeschränkung der UEFA für Fans der Gastmannschaft fällt (5 % der Stadionkapazität):

Stehplatz: 26 €

Sitzplatz: 45 €

Tageskartenpreis für Tickets, die von Shakhtar zusätzlich zur Verfügung gestellt werden:

Sitzplatz: 90 €

Die Verlosung der Tickets sowie die Benachrichtigung aller Ticket-Inhaber startet am Dienstag, 19. November.“

Anmerkung FC Bayern Total:

Betrachtet man den nun offensichtlichen Preisunterschied bei den Sitzplätzen zwischen den Auswärtstickets zusätzlich zur Verfügung gestellten Tickets, kann man nach wie vor erkennen, dass der eigentliche Preisskandal sich keineswegs auf die Gästefantickets beschränkt hat, wohlwissend dass es in allen Stadien auch größere Unterschiede bei den Sitzplatzpreisen gibt.

Veröffentlicht von fcbayerntotal

Admin und Autor von FC Bayern Total

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