Anders als in der meisterlichen Vorsaison steckt Bayer Leverkusen in dieser Spielzeit in der Ergebniskrise. Mit einem Sieg gegen Union Berlin können die Bayern schon früh in der Saison ein Polster von sieben Punkten schaffen.
Das gestrige 0:0 gegen den Vizemeister VfB Stuttgart, der selbst längst den Anschluss zur Tabellenspitze verloren hat, zeigt deutlich den Unterschied zwischen der Meistersaison der Werkself und der aktuellen Bayer-Truppe auf: Gewann man 2023/24 quasi jedes Duell auf Augenhöhe, häufig tief in der Nachspielzeit, und verlor auch nicht die Partien, in welchen der Gegner das bessere Team darstellte, so bringt man derzeit selbst überlegen geführte Spiele nicht siegreich ins Ziel. Der feste Glaube, dass man noch das entscheidende späte Tor erzielen, fast schon erzwingen wird, scheint abhanden gekommen zu sein.
Dass Chefcoach Xabi Alonso und Aggressive Leader Granit Xhaka gestern das aus Leverkusener Sicht unbefriedigende 0:0 gegen den VfB als „beste Saisonleistung“ bezeichneten, wirkt ein bisschen trotzig, hat vor der schweren Champions League Aufgabe am Dienstag in Liverpool auch den Charakter von sich Mut zusprechen.
Dagegen tritt der deutsche Rekordmeister aus München – trotz zweier Pleiten in der Königsklasse – unter Vincent Kompany in der Bundesliga wieder so wie in den elf erfolgreichen Spielzeiten von 2013 bis 2023 auf: Äußerst souverän. Da fallen auch die liegen gelassenen Punkte aus den hoch überlegen geführten Partien gegen Leverkusen (1:1) und in Frankfurt (3:3) nicht allzu sehr ins Gewicht. Und das, obwohl der derzeit Zweitplatzierte, RB Leipzig, bislang nur aufgrund des wesentlich besseren Torverhältnisses in Schach gehalten werden kann.
Gewinnen die Bayern heute gegen den unangenehm zu bespielenden Tabellenvierten aus Berlin-Köpenick, reduziert sich das aktuelle Meisterschaftsrennen nach nur einem Viertel der Saison auf den Zweikampf mit den Leipzigern. Die Partie heute Nachmittag in der ausverkauften Allianz Arena wird aber sicherlich kein Selbstläufer. Dass die Eisernen dazu fähig sind, Beton anzurühren, beweisen ihre lediglich fünf erhaltenen Gegentore in acht Spielen. Zwei weniger als der Rekordmeister, der aber bereits mehr als dreimal so oft getroffen hat: 29:9 erzielte Tore.
Zurück zum Vergleich amtierender Meister – Rekordmeister: Die Bayern haben zuletzt 5:0 in Bremen gewonnen, ohne dort einen einzigen Torschuss zugelassen zu haben. Leverkusen mühte sich am vergangenen Wochenende im Weserstadion zu einem 2:2. Vor zwei Wochen hat der FCB den Vizemeister aus Stuttgart mit einem 4:0 nach Hause geschickt, die Werkself ließ gestern dagegen zwei Punkte liegen. Gewann Bayer zuletzt gegen die Schwaben jede Partie auf Augenhöhe mehr oder weniger glücklich, agierte man gestern selbst unglücklich.
Wenn die Bayern heute Eisern Union knacken, liegen sie bereits nach neun Spieltagen sieben Punkte vor dem amtierenden Meister – und das, obwohl Kompanys Truppe selbst schon eine (Ergebnis-)Krise hinter sich gebracht hat!
Ein Rückblick in die vergangene Saison: Als Leverkusens Vorsprung zu Beginn der Rückrunde auf sieben Punkte gegenüber dem FCB angewachsen war, verließ die damals von Thomas Tuchel betreute Mannschaft der Glaube an eine Titelverteidigung. Während Leverkusen immer selbstbewusster auftrat, fielen die Münchner in ein tiefes mentales Loch.
Ein ähnliches Szenario nun auch in dieser Saison zu erwarten, ist absolut verfrüht. Dennoch hätte niemand vor der Spielzeit gedacht, dass bereits so zeitig eine derartige Kluft bestehen könnte.
Bayern muss heute erst gegen Union bestehen, um dann ein paar Stunden später gespannt den Leipziger Auftritt in Dortmund zu verfolgen. Die Saison ist noch sehr lange…
Titelbild: Wie oft können die Bayern heute eigene Tore bejubeln?
