Nach der 1:4-Niederlage in Barcelona wird das riskante, offensive Pressing-System von Vincent Kompany von Experten als „naiv“ bezeichnet. In einer FCB-Fan-Umfrage widerspricht eine große Mehrheit dieser Meinung.
Nachdem es beim Champions League Auswärtsspiel in Kataloniens Hauptstadt eine ebenso heftige wie in der Entstehung unglückliche Klatsche gegeben hat, wird nun bereits berichtet, dass Kompanys Fußball nach nur wenigen Wochen komplett entschlüsselt sei. Selbst die FCB-Bosse, die sich vor dem internationalen Auftritt noch begeistert vom Ansatz des 38-jährigen Belgiers gewesen waren, sollen laut BILD-Berichten im Stadion „hinter vorgehaltener Hand“ über eine nötige Anpassung der Spielidee „getuschelt“ haben.
FC Bayern Total hat deswegen auf seiner Facebookseite eine Umfrage unter den Fans des Rekordmeisters gestartet, ob diese die Situation an der Säbener Straße ähnlich dramatisch sehen würden. Das Resultat war verblüffend eindeutig.
Es wurden zwei Antwortvorgaben angeboten, die auch kommentiert werden konnten:
1) Gebt Vincent noch ein bisschen Zeit, ein derart kompliziertes System muss von der gesamten Mannschaft erst noch richtig verstanden werden. Ich bin überzeugt, dass Bayern letztendlich noch eine grandiose, am Ende erfolgreiche Saison spielen wird.
2) Natürlich ist Kompanys Spielsystem viel zu riskant, naiv. Stellt er nicht bald um, vor allem gegen starke Gegner, wird er scheitern und die nächste frühzeitige Entlassung an der Säbener Straße sein.
Wer nach der deprimierenden Niederlage in Barcelona ein knappes Ergebnis erwartet hat – nach dem 4:0-Sieg gegen den VfB Stuttgart vier Tage zuvor war die Stimmungslage noch euphorisch gewesen – der wurde doch gewaltig überrascht:
Satte 92 Prozent der abstimmenden FCB-Fans sind der Meinung, dass das Spielsystem von Kompany genau das richtige sei und man nur Geduld mit ihm und der Mannschaft haben müsste. Selbst die acht Prozent, die die „Naiv-Version“ unterstützen, tun dies weniger aus grundsätzlicher Ablehnung, sondern aufgrund ihrer Ansicht, dass dafür das Defensivpersonal beim Rekordmeister nicht geeignet bzw. gut genug sei.
Die die Umfrage begleitende Diskussion wurde bemerkenswert sachlich mit sehr vielen interessanten Argumenten geführt. Herausgestochen ist dabei ein Fan-Kommentar von Ernst H., der eine riesige Zustimmung gefunden hat und stellvertretend für die vielen positiven Statements zu Kompanys Arbeit an der Säbener Straße herangezogen werden kann:
„Wir, die den FCB seit vielen Jahren in Ruhe verfolgen und nicht Beifall heischend nach jedem Spiel den Daumen nach oben oder unten zeigen, wissen, dass wir mit Kompany einen hervorragenden Trainer für unsere Mannschaft bekommen haben. Er passt von seiner Art und Einstellung nahezu perfekt zu unserem Team.
Nach meiner Meinung hat er auch genau das richtige Spielsystem bei uns installiert. Dass es funktioniert, konnten wir alle bereits sehen. Dass es an der einen oder anderen Stelle noch Schwächen hat, ebenso.
Wir haben in Barcelona nicht unser bestes Spiel gemacht. Aber es war alles andere als schlecht. Und eine Blamage war es schon gar nicht. Dieses blöde ungerechtfertigte zweite Tor war ein sichtbarer Knackpunkt im Spiel. Bis dahin war es ein richtig gutes Spiel von uns.
Wir müssen aber auch neidlos anerkennen, welch gute Arbeit Hansi in Spanien leistet. Es wäre für mich interessant zu sehen, wie das Spiel laufen würde, wenn wir es z.B. heute noch einmal spielen würden. Ich bin da gar nicht so pessimistisch…“
Die Bayernfans glauben ganz offensichtlich an den neuen Trainer, wollen ihm die Zeit geben, eine großartige Erfolgsgeschichte an der Säbener Straße. Sehen das die FCB-Bosse ähnlich – oder herrscht nach Barcelona schon wieder einer rauherer Wind?

Das System stellt auch niemand in Frage, es passt sehr gut, aber einige im defensiven Bereich sind dem nicht gewachsen. Sie sind gut im Mann gegen Mann verteidigen, aber wenn sehr gute und schnelle Spieler kommen, dann sind sie meistens unterlegen. Man kann ja auch, so wie Barca es gemacht hat, die schnellen Spieler mal ins Abseits stellen, aber das beherschen diese Spieler nicht. Flick schon, wie 2020 auch schon. Die er damals zur Verfügung waren mit dieser Methode vertraut. Flick hat seine Mannschaft auch etwas zurück genommen, genau da, als unser Druck in der 1. Hälfte zu groß wurde und wir haben uns dann überlaufen lassen. Die schnellen Spieler von Barca hatten dann auch Platz und konnten uns überlaufen. Wir sind hoch geblieben und nicht wie es gut gewesen wäre, auch 10 Meter zurück zu gehen, sie kommen lassen, in der Mitte zu attakieren und dann unsere eigene Schnelligkeit einzusetzen, das wäre besser gewesen, viel besser sogar. Flick kennt uns, er weiß wie man uns weh tun kann und ob wir gewonnen hätten, keine Ahnung, aber sicher nicht 4:0 verloren, auch wenn sie im Moment sehr, sehr gut spielen, aber das können wir auch. Aber unsere IV verliert jeden 30-40 Meter Sprint gegen die schnellen Barca Stürmer und das konnte man sehen.
Natürlich wird auch bzw. vor allem Kompanys riskantes Spielsystem in Frage gestellt.
Und der FCB hat dafür grundsätzlich auc die geeigneten Zweikampf starken UND schnellen Abwehrspieler (IV!).
Die Abseitsfalle von Barcelona hat gegen Bayern auch einige Male nicht funktioniert. Beim ersten hauchzarten Abseitstor von Kane hatte man mehr Glück als Verstand bzw. Spielsystem.
Und „diese Spieler“ beherrschen es natürlich genauso, Gegenspieler ins Abseits zu stellen, wie die IV von Barcelona …
Das IV-Bashing von so manch einem FCB-„Fan“ ist ziemlich unerträglich.
Zu den verlorenen Laufduellen bei den Toren: Beim 0:1 war es Kimmich, beim 1:2 gab es kein Laufduell, sondern ein Foul an Minjae, beim 1:3 war es Guerreiro – beim 1:4 haben sich leider Upa und Minjae gegenseitig behindert, als man jeweils Raphinha gestellt hätte … und dann Neuer …