Kompanys Spielausrichtung beim FC Bayern: Mehr Tuchel als Guardiola!

Die Bayern sind unter ihrem neuen Coach Vincent Kompany mit vier Siegen in den ersten vier Pflichtspielen durchaus erfolgsversprechend in die noch junge Saison gestartet. Der Ansatz des 38-Jährigen ähnelt dabei – vielleicht etwas überraschend – mehr dem von Vorgänger Thomas Tuchel als dem von Lehrmeister Pep Guardiola. Obwohl Dominanz weiterhin die generelle Maxime des FCB-Spiels bleibt, richtet sich der taktische Ansatz des Belgiers mehr am Gegner aus, selbst an den sog. „kleinen“ Gegnern.

Diese Ausrichtung deutete unter anderem Joshua Kimmich nach den Bundesligaspielen gegen den SC Freiburg und in Kiel an. Angesprochen auf seine neue, „schwimmende“ Position zwischen zentralem Mittelfeld und rechter Außenverteidigung, erklärte der 29-Jährige, dass es darum gegangen sei, das Spiel „gegnerspezifisch“ zu bestreiten.

Das bedeutet, dass Kompany seine taktische Marschroute ganz klar nach dem Gegner ausrichtet. Mehr als früher, speziell zu Guardiola-Zeiten, will man sich am Gegner orientieren, das Spielsystem diesem anpassen. Grundsätzlich nichts Außergewöhnliches im Fußball, doch für den deutschen Rekordmeister eher neu, weil er dies wohl in sämtlichen nationalen Spielen praktizieren wird.

Das Ziel früherer FCB-Teams war es in BL-Zeiten von jeher gewesen, das eigene Spiel durchzudrücken und dominant aufzutreten. Nur gegen andere Top-Teams oder in der Champions League richtete man sich beispielsweise schon unter Tuchel auf die taktischen Pläne des Gegners ein.

Der generellen Klub-DNA ist sich Kompany dennoch bewusst. „Für den FC Bayern ist es wichtig, selbst dominant zu sein, das ist klar“, sagte der Belgier gestern auf der PK vor dem CL-Auftakt gegen Zagreb. Er möchte aber auch immer ein genaues Auge auf den Gegner haben – egal ob der aus Freiburg, Kiel, Zagreb, Leverkusen oder Madrid kommt.

Der neue FCB-Coach erklärt weiter: „Es ist nichts Neues, dass wir uns immer auch über den Gegner Gedanken machen. Wir wollen die Schwächen immer ausnutzen und müssen gleichzeitig mit den Stärken rechnen. Ich habe bereits als Spieler oft erlebt, dass man so erfolgreich sein kann“.

Beim FC Bayern kommt es also nicht zum großen Strategiewechsel, sondern lediglich die Leitlinien werden – bisher erfolgreich – angepasst: So führte beispielsweise das hohe Anlaufen in Kiel sehr schnell zu Fehlern der Gastgeber und die Partie war bereits nach 13 Minuten entschieden.

Blicken wir zurück in die letzte Saison: Interessanterweise war der FCB unter Tuchel häufig dann besonders erfolgreich, wenn er seine Dominanz aufgab und dem Gegner den Ball überließ. Im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart, auswärts beim BVB oder in den Partien gegen den FC Arsenal war es für den damaligen Bayern-Trainer ein probates Mittel, dem Gegner größeren Ballbesitz zu überlassen und eben nicht „Bayern-like“ aufzutreten. In Leverkusen ging dieser Ansatz dagegen bekanntermaßen völlig schief, die defensive Aufstellung und Grundausrichtung ging nach hinten los.

Kompany will die Dominanz nicht abgeben, aber er will sie anders interpretieren. Zudem betonte er auf der PK vor dem heutigen Duell mit Dinamo Zagreb, dass er jedes Spiel wie ein Finale angehe. Er bereite sein Team immer gleich vor.

Mehr Flexibiltät kann sicherlich nie schaden!

Veröffentlicht von fcbayerntotal

Admin und Autor von FC Bayern Total

3 Kommentare zu „Kompanys Spielausrichtung beim FC Bayern: Mehr Tuchel als Guardiola!

    1. Das stimmt. Trotzdem finde ich persönlich diesen flexiblen Ansatz klasse.
      Guardiola konnte so etwas nicht in München vorweisen.

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