Kommentar von Petersgradmesser
Zumindest im deutschen Profifußball gibt es keinen Verein, bei dem der Erfolgsdruck nur ansatzweise so hoch ist wie in München beim FC Bayern. Jeder, der an der Säbener Straße einen Kontrakt unterschreibt, ob Trainer, Spieler oder Funktionär, weiß das. In der anlaufenden Saison scheint dieser Druck noch einmal etwas höher zu sein. Und der ausgebliebene Erfolg der vergangenen Spielzeit ist nicht einmal der Hauptgrund dafür, auch wenn das Medien und viele Fans wohl ein bisschen anders sehen mögen.
Natürlich ist keine Person, kein Spieler größer als der Verein. Dennoch schmerzt es, wenn große Persönlichkeiten den Verein verlassen. Franz Beckenbauer hat dies 1977 knapp 32-jährig getan, Gerd Müller im Herbst seiner Karriere fast zwei Jahre später, der 28-jährige Kalle Rummenigge hat 1984 damit den Verein finanziell saniert. Pep Guardiola verließ 2016 die Säbener Straße, ohne seine eigentliche Mission erfüllt zu haben, manche Fans hätten Jupp Heynckes gerne für die Ewigkeit behalten. Nun geht es aber um eine ganz andere Konstellation. Es geht um einen Spieler, der schon Anfang 2023 als 19-Jähriger als Teil der bayerischen Next Generation bezeichnet wurde, der nun als die hoffnungsvolle Zukunft des Vereins gesehen wird.
Es handelt sich natürlich um den 21-jährigen Jamal Musiala, dessen Vertrag 2026 ausläuft. Einen Kontrakt, den die Verantwortlichen um Sportvorstand Max Eberl unbedingt zeitnah verlängern wollen. Der europäische Fußball-Hoch- und -Geldadel hat sich in der Angelegenheit längst in Stellung gebracht.
Die komplette Führungsriege des FC Bayern hat in den vergangenen Wochen öffentlich betont, dass man Jamal Musiala langfristig an den Verein binden möchte. Laut Eberl soll dieser, wie Joshua Kimmich und neuerdings auch Aleskander Pavlvoic, zum “Gesicht des FC Bayern” werden. Sportdirektor Christoph Freund bestätigte kürzlich, dass es bereits erste Gespräche mit der Spielerseite gegeben hatte. Diese gehen nun in die heiße Phase: “Wir wollen verlängern, das ist kein Geheimnis. Die Gespräche werden jetzt intensiviert”, erklärte Eberl gestern im SPORT1-Doppelpass.
Der 50-Jährige machte in der Talkrunde aber auch deutlich, dass die Musiala-Verlängerung kein Selbstläufer wird: “Das ist schwierig, aber nicht unmöglich – weil er weiß, was er hier hat. Natürlich kann er aber noch zu einem anderen Verein gehen.”
Ein Grund, warum die Vertragsverlängerung zuletzt erschwert schien, ist der Ehrgeiz des jungen Mannes. Damit ist er grundsätzlich der Prototyp des perfekten FCB-Profis. Auch der Verein vermittelt seit Jahrzehnten eine schier unersättliche Gier nach Erfolgen. Was ist aber, wenn der deutsche Rekordmeister nicht mit den hochtrabenden Plänen des ehemaligen Bambi mithalten kann? Dieser möchte möglichst bald die ganz großen internationalen Titel angreifen. Was ist, wenn er im nächsten Frühjahr diese Chancen mittelfristig an der Säbener Straße nicht sieht?
Real Madrid (wahrscheinlich dann 2026 zum Vertragsende, das übliche Prozedere) und Manchester City, wenn es den nun anlaufenden Betrugsprozess in der Premier League schadlos übersteht, scharren schon mit den Hufen …
Wie wichtig Musiala für die FCB-Zukunft ist, beweist folgendes: Auch wenn sich der Klub zuletzt einen Sparkurs bei den Spielergehältern auferlegt hat, ist man dennoch bereit, Ausnahmen zu machen, eben bei Musiala. Dazu Eberl im DoPa: “Natürlich werden wir weiter Gehälter zahlen müssen, die im Top-Regal liegen. Aber vielleicht nicht mehr so in der Breite des Kaders.”
Übereinstimmenden Medienberichten zufolge sind die Bayern-Bosse gewillt, Musiala zum Top-Verdiener zu machen. Eberl erklärt dies noch einmal mit der sportlichen Perspektive. Der 21-Jährige möchte Titel gewinnen und passt damit ideal zum FCB: “Wir als Verein sind extrem ambitioniert, auch wir wollen Titel gewinnen”.
Die Pläne des FC Bayern sind weniger, Jamal 2025 abzugeben, als dass man stattdessen seinen kongenialen N11-Partner Florian Wirtz aus Leverkusen holt. Dazu muss man aber den aktuellen Meister in der laufenden Saison hinter sich lassen und den genannten europäischen Topclubs international Paroli bieten.
Eine anspruchsvolle Aufgabe, die Vincent Kompany und sein stark besetzter Kader aber durchaus bewältigen können.
