Beim gestrigen 5:0-Kantersieg der deutschen Nationalmannschaft gegen Ungarn stand zwar sein FCB-Teamkollege Jamal Musiala wesentlich mehr im Fokus, aber auch beim 20-jährigen Aleksandar Pavlovic steht seit seiner Einwechslung in der 60. Minute endgültig fest, dass er in Zukunft nur noch für Deutschland auflaufen kann. Kann der sympathische gebürtige Münchner beim Rekordmeister auch irgendwann einmal in die riesigen Fußstapfen der zahlreichen Münchner und bayerischen Vereinslegenden treten? Der Weg ist noch weit, die Voraussetzungen aber bestens.
Sepp Maier, Franz Beckenbauer, Philipp Lahm, Basti Schweinsteiger, Thomas Müller – alles gebürtige Münchner oder Oberbayern, die bereits in ihrer Kindheit oder Jugend zum FC Bayern kamen. Aleks Pavlovic kam vor 13 Jahren als Siebenjähriger an die Säbener Straße. Wie Thomas Müller – der sogar noch im Olympiastadion – war er schon Balljunge bei den Profis. Er ist – seit er an Fußball denken kann – glühender Bayernfan.
… und zudem nicht nur ein ausgezeichneter Spieler, sondern auch ein extrem sympathischer Bursche. Schon sein Entdecker Thomas Tuchel schwärmte von Anfang an von ihm, seinem freundlichen, fröhlichen Wesen. Er käme jeden Tag mit einem Lächeln und immer gut gelaunt zum Training (siehe Titelbild). Die Beziehung zwischen Ex-Coach und damaligen Nachwuchsspieler wird rückblickend leider immer nur auf Tuchels „Aleks von der U23“ reduziert und so auch herabgewürdigt. Tatsächlich hatte Tuchel sehr früh Vertrauen in den damals 19-jährigen, leider von zahlreichen Mandelentzündungen geplagten Kicker. Sonst wäre dessen Bundesligadebüt wohl schon im August 2023 erfolgt.
Obwohl Pavlo sich eigentlich schon vor der Heim-EM endgültig für die deutsche Nationalmannschaft entschieden hatte und nicht für die Nationalität seines serbischen Vaters, ist dieser Entschluss erst seit gestern zementiert: Die beiden Freundschaftsspiele vor der EURO 2024 taten dies noch nicht, das Turnier selbst verpasste er – aufgrund der hoffentlich definitiv letzten Mandelentzündung seines Lebens (inzwischen wurde er operiert). Aber auch ein Spiel in der Nations League ist ein Pflichtspiel und damit ist die Entscheidung endgültig.
Trotz der Verpflichtung der so lange ersehnten portugiesischen Holding Six, Joao Palhinha, startete der 20-Jährige bislang in jedem Pflichtspiel unter Vincent Kompany. Bringt er weiterhin seine Leistung wie nun auch in Nagelsmanns Nationalelf, wird sich daran so schnell auch nichts ändern. Allerdings sollte bei dem extrem strammen Programm der Profifußballer das Wort Belastungssteuerung im Vordergrund stehen. Und bei Kompany kommen da auch keine Zweifel auf, dass er dies nicht korrekt vollzieht.
Einleitend wurde berichtet, dass der gestrige Länderspielabend vor allem im Zeichen von Musiala stand. Ein fantastischer Spieler, der 2019/20 auch ein gutes halbes Jahr auf dem FCB-Campus an der Ingolstädter Straße gekickt hatte. Der FCB möchte ihn möglichst langfristig an den Verein binden und zur Gallionsfigur des Vereins machen. Warum geht dann dieser Beitrag um den 20-jährigen Aleks und nicht den nur gut ein Jahr älteren Jamal mit dreimal so vielen Länderspielen und auf dem besten Weg zur absoluten Weltklasse?
Simpel erklärt: Pavlovic ist wie der Franz und auch der WM-Kapitän von 2014, Philipp Lahm, ein waschechtes Münchner Kindl mit größter Verbundenheit zum Verein, Musiala dagegen ist fußballerisch in England ausgebildet geworden. Seine Verknüpfung zum FCB ist naturgemäß nicht ganz so groß, ein Wechsel, selbst in den nächsten ein, zwei Jahren nicht völlig ausgeschlossen. Obwohl deutscher Nationalspieler, ist er wohl eher in die Reihe von Franck Ribéry und Arjen Robben einzuordnen. Die beiden sind aber natürlich auch absolute Vereinslegenden, auch wenn es in ihren zwölf bzw. zehn Jahren beim FC Bayern immer mal wieder Wechselgerüchte gab. Am Anfang mehr, dann immer weniger. Vorbild für Jamal?
Eine gute Viertelstunde nach seiner Einwechslung hat Pavlo gestern übrigens das zwischenzeitliche 4:0 erzielt – die Vorlage kam von Musiala. Ein Szenario, das es gerne mindestens so lange wie bei Robbery beim FCB geben darf … Beide haben Legenden-Potenzial.

Toller Junge … vielleicht schafft er wirklich diesen riesigen Sprung!