Die Ballon d‘Or-Wahl, die Wahl zum weltbesten Fußballer, steht seit vielen Jahren in der Kritik zahlreicher Fußballfans, allerspätestens seit 2013/14 speziell der Bayernfans. In diesem Jahr beginnt das Unverständnis schon mit der Liste der 30 Nominierten. So hat an der Säbener Straße die Nicht-Nominierung von Jamal Musiala für großes Unverständnis gesorgt. Die Erklärung des für die Wahl zuständigen Chefredakteurs befeuert dieses eher noch mehr.
Vincent Garcia, Chefredakteur des hinter der Wahl stehenden Magazins France Football, hat auf Anfrage von Münchner Merkur und tz Einschätzungen dazu geliefert, warum der deutsche Nationalspieler nicht auf der Liste für die prestigeträchtige Auszeichnung auftaucht.
Garcia nennt drei Hauptgründe: „Erstens seine mangelnden Statistiken in der Champions League, wo er zum Beispiel genauso viele Tore wie Mathys Tel erzielt hat. Das ist zu wenig für einen Spieler seines Kalibers. Auch in wichtigen Spielen wie dem Halbfinal-Rückspiel in der Champions League gegen Real Madrid oder dem EM-Viertelfinale gegen Spanien, wo seine Leistungen nicht katastrophal, sondern eher neutral waren, konnte er nicht überzeugen.“ Außerdem müsse man die schwache Saison des FC Bayern berücksichtigen.
Der Journalist ist aber „sicher“, dass der 21 Jahre alte Supertechniker, der bei der Heim-EM mit drei Toren einer von sechs Torschützenkönigen war und außerdem für die Top-Elf des Turniers nominiert wurde, „in Zukunft auf diese Liste zurückkehren wird“. An einem Mangel an Fähigkeiten liege die Nichtberücksichtigung definitiv nicht, so Garcia.
Der inzwischen zurückgetretene Weltmeister von 2014 Toni Kroos, Florian Wirtz, Antonio Rüdiger und der beim BVB ausrangierte Mats Hummels haben es dagegen aus deutscher Sicht in die 30-köpfige Vorauswahl geschafft. Die Gewinner werden am 28. Oktober in Paris bekannt gegeben.
Garcias Erklärung war die Antwort auf die scharfe Kritik von FCB-Sportvorstand Max Eberl: „Jamal war einer der herausragenden Spieler bei der Europameisterschaft, wurde dort in die Top-Elf gewählt und zählte zu den Torschützenkönigen des Turniers. Zudem stand der FC Bayern auch dank der großartigen Leistungen von Jamal im Halbfinale der Champions League. Dass er nun nicht einmal zu den 30 besten Spielern der vergangenen Saison zählen soll, ist für uns völlig unverständlich.“
Dazu FC Bayern Total:
Auch wenn Jamal sicherlich 2024 nicht zu den Sieganwärtern für diese Auszeichnung zu zählen ist, gehört er definitiv zu den 10, 15 besten Spielern der Welt.
Insgesamt ist seine Nicht-Nominierung eine Fortsetzung der Brüskierung des FC Bayern und seiner Spieler seit mehr als einem Jahrzehnt: Dreimal hätte es eigentlich einen Sieger aus München geben müssen: 2013 Franck Ribéry, 2014 Manuel Neuer, 2020 Robert Lewandowski – zweimal wurde es unverständlicherweise ein anderer (2013, 2014) und 2020 gab es – wegen der Pandemie – gar keinen Gewinner!
Zu den Aussagen von Garcia über Musiala: Man könnte diese ganz kurz mit „brutal abenteuerlich“ abtun, hier dennoch ein etwas detaillierterer Kommentar:
„… mangelnden Statistiken in der Champions League, wo er zum Beispiel genauso viele Tore wie Mathys Tel erzielt hat.…“
Eine ganz katastrophale Art von Begründung. Es hört sich nach „wie ein mittelmäßiger Kicker wie Tel“ an – ob dies Monsieur Garcia bewusst ist? Beide haben übrigens zwei Treffer in der CL erzielt, Jamal zusätzlich noch zwei Assist, also insgesamt vier Torbeteiligungen. Sicherlich ist da bei ihm noch Luft nach oben, das sollte aber bei seiner Spielweise und Position nicht das Hauptkriterium bei der Bewertung seiner Leistung sein. Tatsächliche Fußballexperten wissen, dass Jamals Lieblingsdisziplin der Pre-Assist ist.
„Auch in wichtigen Spielen wie dem Halbfinal-Rückspiel in der Champions League gegen Real Madrid oder dem EM-Viertelfinale gegen Spanien, wo seine Leistungen nicht katastrophal, sondern eher neutral waren, konnte er nicht überzeugen.“
Garcias Wortwahl – in Sachen Seriosität selbst eine Katastrophe! In diesem Kontext das extrem geringschätzige „katastrophal“ einfließen zu lassen, kann man nur mit einer gewissen Fassungslosigkeit quittieren. In den beiden CL-Halbfinalspielen zwischen Bayern und Real Madrid war Musiala übrigens insgesamt eine Klasse besser als der völlig enttäuschende Jude Bellingham, der zu den Favoriten auf die Auszeichnung zählt. Dieser war weder in den entscheidenden CL-Spielen noch bei der EM nur ansatzweise in Topform. Auf überragende Weise hat Jamal übrigens im Hinspiel in München den Elfmeter, den Harry Kane zum zwischenzeitlichen 2:1 nutzte, mit seinem unwiderstehlichen Dribbling erzwungen.
Auch im EM-Viertelfinale gegen Spanien zählte Musiala zu den besten Spielern auf dem Platz. Eine skandalöse SR-Leistung verhinderte seine Krönung: Zum einen das nicht geahndete Handspiel Cucurellas, zum anderen die nicht konsequent (mit glatt Rot) geahndete Notbremse Carvajals kurz vor dem Schlusspfiff.
Ja, der FCB hat bekanntermaßen 2023/24 nicht seine beste Saison gespielt. Aber im CL-Viertelfinale hat man sich absolut verdient gegen den FC Arsenal durchgesetzt. Und von den Gunners – ebenfalls titellos – wurden vier Spieler nominiert: Martin Ödegaard, Declan Rice, Bukayo Saka, William Saliba! Keiner der genannten hat bei der EM einen positiven Eindruck hinterlassen, der Norweger Ödegaard war gar nicht dabei.
Vincent Garcia liefert eigentlich alle Argumente, warum man sich tatsächlich nicht über Jamals Nicht-Nominierung aufregen sollte: Schon die Qualifizierungskriterien sind amateurhaft, wenig seriös, nicht ernst zu nehmen. Hat France Football tatsächlich keine geeigneteren Redakteure?
Update 8. September 2024:
Als wollte Jamal Vincent Garcia gestern Abend im Nations League Match gegen Ungarn Spiel Lügen strafen, zeigte er beim deutschen 5:0-Sieg eine Weltklasseleistung. Zählbares kam dabei auch heraus: Vier Torbeteiligungen – ein Tor – 3 Assists!!

Eine mehr als abenteuerliche Erklärung!
Lächerlich!