Paul Wanner debütierte mit exakt 16 Jahren und 15 Tagen am 7. Januar 2022 als bis heute jüngster FCB-Spieler in der Bundesliga. Nach einer höchst erfolgreichen einjährigen Leihe beim Zweitligisten SV Elversberg wurde er zur neuen Saison an den 1. FC Heidenheim ausgeliehen, um dort in einem nicht zu hektischen Umfeld erstmals regelmäßig Erst-Bundesliga-Luft zu schnuppern. Das Kalkül von Spieler und FC Bayern scheint schon jetzt auf großartige Weise aufzugehen.
Torschütze bei seinem DFB-Pokal-Debüt, bei der Bundesliga-Premiere und gestern Abend auch im historisch ersten internationalen Heimspiel vom 1. FC Heidenheim – einen derartigen Einstand von Paul Wanner hatten sich wohl selbst die optimistischsten FCH-Anhänger bei der Verpflichtung nicht erträumt.
Die Erwartungen des Vorstandsvorsitzenden Holger Sanwald übertraf der Youngster jedenfalls schon in den bisherigen drei Einsätzen. Dieser im SWR-Interview: „Dass er jetzt mit 18 solche Sachen macht, das haben wir auch nicht gewusst. Wir haben es natürlich gehofft und darauf gesetzt. Ich bin so glücklich und halte ihn für eines der größten Talente, das wir im deutschen Fußball haben„.
Zunächst hatte Heidenheim-Coach Frank Schmidt gestern im Relegations-Rückspiel der UEFA Conference League gegen den schwedischen Klub BK Häcken allerdings auf die Dienste des 18-Jährigen verzichtet. Wanner betrat erst in der 63. Minute das Feld und gab gemeinsam mit den weiteren Jokern – Mathias Honsak, Leonardo Scienza und Maximilian Breunig – dem Team einen „Push„. Trotzdem kassierte Heidenheim noch das 1:2, das eine dramatische Schlussphase einleitete (das Hinspiel in Schweden war mit 2:1 gewonnen worden).
In dieser entschied der deutsche U20-Nationalspieler die Partie fast im Alleingang. Es lief die 84. Minute, in der nach Scienzas missglücktem Zuspiel die Situation aus Häcken-Sicht bereits geklärt wirkte. Doch Wanner lauerte auf einen Fehler, den Mikkel Rygaard letztlich beging: Dieser Mittelfeldspieler spielte einen zu kurzen Pass, den Wanner erlief und schnell umschaltete. Nach einem Doppelpass mit Breunig nagelte er den Ball anschließend ins Netz. „Ein wichtiges Tor von Paul Wanner. Richtig gut nachgegangen, nachgesetzt und ein perfekter Abschluss„, lobte Schmidt.
Dass Wanner der Höhenflug zu Kopf steigen könnte, glauben die Heidenheim-Verantwortlichen nicht. „Er ist mit seinen 18 Jahren, das muss man sich mal vorstellen, schlau und demütig. Er bleibt auf dem Boden„, so Sanwald.
Als Indiz für seine Bescheidenheit wird auch sein letztjähriger Wechsel gewertet: „Von Bayern München nach Elversberg – das hat mir unheimlich imponiert. Aber wer hinschaut: Das ist ein ganz fleißiger, bescheidener Junge aus einem Top-Elternhaus, der unheimlich ehrgeizig ist und sehr genau und wohlüberlegt seine nächsten Schritte plant„, so der FCH-Vorstandsvorsitzende weiter.
Bei einem derart jungen Spieler wird es sicherlich noch einige Tiefen geben. Dennoch wird man auch an der Säbener Straße die derzeitige Entwicklung von Wanner mit großer Freude registrieren. Läuft es in diesem Tempo weiter, bekommt der deutsche Rekordmeister im nächsten Sommer einen 19-jährigen Spieler zurück, der auf alle Fälle auch ein Anwärter auf einen Stammplatz im Starensemble sein wird.
PS: Max Eberl auf der heutigen Spieltags-PK über den Paul:
„Der Campus ist für Christoph Freund und mich ein wichtiger Faktor. Wir wissen, wie wichtig die Talentausbildung ist, auch für die Identifikation. Mittlerweile findet man Wege, Spieler an Champions League-Niveau heranzuführen. Der Weg über Leihen ist gut. Paul Wanner hat schon in Elversberg eine tolle Entwicklung genommen. Wir wollten mit ihm den nächsten Schritt machen. Heidenheim ist eine fantastische Plattform, wo sich Paul entwickeln kann. Auch die anderen Leihen machen alle Sinn, sie sind bei guten Vereinen, mit Richard Kitzbichler sind wir nah dran.“
