Die Situation auf dem internationalen Transfermarkt ist angespannt. Obwohl das Transferfenster bereits seit einem Monat offen ist, man eigentlich zügig größere Aktivitäten nach der Europameisterschaft vermutet hat, ist vergleichsweise wenig passiert. Die Vereine scheinen sich gegenseitig zu belauern, die gesamte Lage ähnelt einem riesigen Poker- oder noch besser Domino-Spiel: Fallen ein, zwei Steine – im übertragenen Sinne: gibt es ein, zwei bedeutende Transfers – kommt das gesamte System ins Rollen. Die Äußerungen aller Betroffenen sind bisher zurückhaltend, taktisch. Da sind die aktuellen Aussagen von Bayer-Coach Xabi Alonso zur Situation von Jonathan Tah fast schon bemerkenswert offen.
Der ehemalige Bayern-Spieler und derzeitige Meistertrainer bei Leverkusen bezog während des Trainingslagers in Donaueschingen zu den Abgangsgerüchten um Jonathan Tah Stellung: “Ich plane mit Jona, weil er für uns so wichtig ist, auf dem Spielfeld, aber auch abseits des Spielfeldes. Das ist im Moment meine Idee. Aber ich verschließe nicht die Augen vor der Situation. Wir werden sehen, was passiert. Er ist voll konzentriert, ein Top-Profi. Ich habe keinen Grund, mich zu beschweren.”
Trotz des zur Schau getragenen Optimismus von Bayer-Sportchef Simon Rolfes befindet sich der Werksclub keineswegs in einer guten Verhandlungsposition beim deutschen Nationalspieler. Der Vertrag von Tah läuft nur noch bis Sommer 2025, eine Vertragsverlängerung soll von Seiten des Innenverteidigers ausgeschlossen sein, da er sich dem deutschen Rekordmeister anschließen möchte. Somit geht Bayer das Risiko, seinen Abwehrchef im kommenden Jahr ablösefrei zu verlieren.
Bislang gehen die Vorstellungen der beiden Meisterschaftskonkurrenten für die neue Saison noch weit auseinander. Leverkusen soll auf eine Ablöse von 40 Millionen Euro bestehen, Bayern bislang lediglich 20 Millionen plus mögliche Bonuszahlungen angeboten haben. Zurück zum Domino-Spiel: Bekommt der FC Bayern von Manchester United in etwa die erwünschte Transfersumme (kolportierte 50 Millionen Euro) für Matthijs de Ligt, sollte der Rekordmeister auch beim Tah-Poker noch einmal nachlegen und den EM-Spieler an die Säbener Straße holen. Das weiß Xabi nur allzu gut.
Auch wenn Tah selbst unbedingt zum deutschen Rekordmeister wechseln möchte, verhält er sich bislang im Trainingslager von Bayer vorbildlich und zeigt keinerlei Unmut, wie Alonso ausdrücklich betont. Es bleibt abzuwarten, ob sich die beiden Bundesliga-Top-Klubs zeitnah – auch mit Blick nach Manchester – in den Verhandlungen annähern können. Sollte das nicht passieren, ist Tahs Innenverteidiger-Kollege Piero Hincapie ebenfalls ein Abgangskandidat.
