Der FC Bayern in der „Gehälterfalle“: Ein Lösungsansatz

Kommentar von Petersgradmesser (FCB-Fan mit Illusionen)

Seit ein paar Monaten geistern durch die Gazetten Meldungen, dass der mächtige FCB-Aufsichtsrat Max Eberl und Christoph Freund als Aufgabe gesetzt hat, sehr kurzfristig – hier sind die Meldungen nicht einheitlich, ob innerhalb eines oder zwei Jahren – die Spielergehälter um 20 Prozent zu reduzieren. Obwohl es dafür vom Verein niemals eine offizielle Bestätigung gab, sollte spätestens seit Uli Hoeneß´ Talkrunden-Auftritt am Sonntag Gewissheit bestehen, dass die Informationen tatsächlich der Wahrheit entsprechen.

Sportvorstand und Sportdirektor haben somit die Mammutaufgabe zu bewältigen, das sich in der vergangenen Saison arg in Seenot befindende Luxusschiff FC Bayern wieder fit zu bekommen: Qualitativ wie quantitativ – der Kader war für das monströse Programm definitiv zu klein – und das bei einem geschrumpften Etat.

Diese Aufgabe ist fast so schwierig wie die immer wieder kehrende Kritik am ehemaligen Sportvorstand Hasan Salihamidzic unfair, dass seine Personalpolitik hauptsächlich für die explodierte Gehaltssituation beim Rekordmeister verantwortlich sei. Die damals auch in den Medien gefeierte Verpflichtung des französischen Weltmeisters Lucas Hérnandez im Sommer 2019 gilt als der Startschuss zur völligen Fehlentwicklung bei Transfer- und Gehaltsausgaben. Niemand konnte aber damals ahnen, dass der damalige Rekordtransfer der Vereinsgeschichte (kolportierte 80 Millionen Euro) in den Folgejahren dauerverletzt fast immer fehlen würde. Und Uli Hoeneß & Co mussten im Aufsichtsrat dazu auch vor fünf Jahren schon ihre Zustimmung geben.

Von den Fans des Rekordmeisters wird der neu eingeschlagene Weg auch größtenteils begrüßt, wenn nicht gar gefeiert. Aber wie schlägt man diesen Pfad nun so erfolgreich und nervensparend wie möglich ein? Matthijs de Ligt und Joshua Kimmich sollen zu den großen Opfern dieser neuen Vereinsstrategie gehören. Ihre gewaltigen Gehälter ein Dorn im Auge von Uli, Kalle & Co.: Abgänge werden erwägt, sollen sogar im Fall des Niederländers erwünscht sein. Die Fanseele kocht!

Übrigens noch einmal zurück zur Brazzo-Schelte wegen der zu hohen Gehälter: Die höchsten Spielergehälter beziehen an der Säbener Straße derzeit Harry Kane, dahinter Manuel Neuer und Thomas Müller. Die aktuellen Verträge und Konditionen dieser drei Topverdiener wurden alle nach der Entlassung von Salihamidzic Ende Mai 2023 ausgehandelt und unterschrieben. Übrigens auch vor der Amtsaufnahme von Max Eberl.

Gerade der vermutlich letzte Vertragsabschluss von Müller mit einem außergewöhnlich hohen Gehalt, welches sich viel eher an seiner FCB-Lebensleistung als an seinen aktuellen Leistungen orientiert, soll nun Vereins-intern sogar ein Zankapfel sein. Angeblich verweist Kimmich auf den Fall Müller, wenn es um die angedachten Gehaltseinbußen bei einer eigentlich beidseitig erwünschten Vertragsverlängerung geht.

Insgesamt soll / muss der Kader erweitert werden: Vincent Kompany hat jüngst von 60-70 Saison-Pflichtspielen gesprochen. Das schafft kein noch so fitter Kicker ohne einen gewaltigen Leistungseinbruch zum Ende der Saison, wenn alle Entscheidungen fallen.

Einige der Topverdiener sollen der neuen Vereinsstrategie zum Opfer fallen und den Verein verlassen. Wenn sie nicht zum Spielsystem von Kompany passen, ist dies nachvollziehbar. Aber bitte nicht mit der Begründung, dass sie in der Vergangenheit zu gut in eigenen Sinne verhandelt haben.

Bevor Teamkollegen aufgrund von Entscheidungen alter Männer (im Aufsichtsrat) gehen müssen: Wie wäre es eigentlich, wenn sich der gesamte Mannschaftskader solidarisch zeigen würde? Beispiel Thomas Müller, der insgesamt finanziell für mindestens zehn folgende Leben ausgesorgt haben dürfte: Er weiß, dass er – ähnlich wie unter Nagelsmann bei der Heim-EM – kein Stammspieler mehr beim Rekordmeister sein wird. Aber als führender Kopf wird er trotzdem noch seine Wichtigkeit behalten. Was wäre, wenn die FCB-Legende freiwillig auf einige Prozent seines üppigen Jahresgehalts verzichten würde, welches mit rund 20 Millionen angegeben wird? Neuer und selbst Kane mit seinen vier Kindern würden bei ähnlichen Gesten sicherlich zukünftig auch nicht am Hungertuch nagen. Aber welch gewaltige Wirkung hätte so etwas auf den Teamzusammenhalt? Nicht Neid und Eifersucht, sondern ein ausgeprägter Mannschaftssinn würde die Atmosphäre an der Säbener Straße prägen. Vielleicht (noch) einmalig in der Profi-Fußballwelt.

Höchstwahrscheinlich wird so ein Lösungsansatz im Profifußball, allgemein in unserer heutigen egoistischen Gesellschaft immer ein Wunschtraum bleiben – aber träumen wird man als FCB- und Fußball-Fan wohl dürfen. Ich persönlich glaube auch immer noch an den derzeitigen Kader, der aber – Anfänge sind schon vollbracht – noch ein bisschen aufgebessert und ergänzt werden sollte. Könnte eine Gemeinschaft von Top-Profis tatsächlich einen derartigen gemeinsamen Weg gehen, wäre diese dem dritten Triple der Vereinsgeschichte wohl schon wesentlich näher gekommen.

Veröffentlicht von fcbayerntotal

Admin und Autor von FC Bayern Total

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