Auf dem Weg zurück nicht nur an die deutsche Spitze sondern auch auf den europäischen Thron hat der FC Bayern in diesem Transfersommer bereits dreimal das legendäre Festgeldkonto belastet und für Hiroki Ito, Michael Olise und Joao Palhinha rund 130 Millionen Euro ausgegeben. Die Shoppingtour des Rekordmeisters soll damit aber noch nicht beendet sein: Mit Xavi Simons und Désiré Doué werden die nächsten namhaften und sehr teuren Akteure gehandelt. Dafür muss man an der Säbener Straße aber zuerst einmal wieder selbst Transfereinnahmen generieren, was sich aktuell aus einem speziellen – bislang wenig thematisierten – Grund kompliziert darstellt.
FCB-Ehrenpräsident und Aufsichtsratsmitglied Uli Hoeneß meinte am Sonntag bei einer Talkrunde zu den anstehenden Aktivitäten von Max Eberl und Christoph Freund auf seine typische Weise: „Der FC Bayern hat keinen Geldscheißer! Es kommt überhaupt kein Spieler mehr, wenn nicht vorher zwei, drei Spieler gehen. Max Eberl und Christoph Freund wissen genau, dass keiner mehr kommt, wenn nicht der eine oder andere prominente Spieler geht.“
Als Haupt-Verkaufsaspirant galt bis vor Kurzem der niederländische Nationalspieler Matthijs de Ligt, den der Rekordmeister selbst vor zwei Jahren für kolportierte 67 Millionen Euro von Juventus Turin geholt hatte. Manchester United und sein niederländischer Trainer Erik ten Haag, mit dem de Ligt bereits für zwei Jahre (2017-2019) bei Ajax Amsterdam zusammen gearbeitet hatte, zeigten sich höchst interessiert am 24-Jährigen. Und jetzt, wenn es ans Eingemachte geht, extrem knausrig.
Nachdem man bereits Joshua Zirkzee vom FC Bologna für 42,5 Millionen Euro (wovon der FCB die Hälfte bekommt) und Leny Yoro aus Lille für stolze 62 Millionen Euro verpflichtet hat, muss United derzeit selbst auf die Bremse drücken. Dies hat einen speziellen Grund.
Im vergangenen Sommer hat neben der Saudi Professional League vor allem die Premier League sehr viele Millionen in den Umlauf des Transfermarkts gebracht. Doch in England haben sich mittlerweile die Regularien rund um das Financial Fairplay ziemlich verschärft. Es gab in diesem Zusammenhang bereits Punktabzüge für Nottingham Forest und den FC Everton.
Es gilt aktuell: PL-Klubs dürfen innerhalb von drei Jahren maximal 105 Millionen Pfund (etwa 125 Millionen Euro) pro Spielzeit Verlust machen. So sind die etwas unverschämt erscheinenden 30 Millionen Euro plus Bonuszahlungen, die United nun für Matthijs de Ligt geboten hat, etwas anders einzuordnen.
Zusätzlich wurde Tricksereien bei den unterschiedlichen Verbuchungen von Zu- und Abgängen ein Riegel vorgeschoben: Ablöseeinnahmen waren stets im aktuellen Geschäftsjahr verbucht worden, während Ablöseausgaben über die Dauer der Vertragslaufzeit gestreckt werden konnten. Ein Beispiel: Wer einen Spieler für 50 Millionen Euro kauft und für fünf Jahre an sich bindet, hat also fünf Jahre lang nur je zehn Millionen Euro auf der Ausgabeseite stehen – während der abgebende Verein sofort ein Plus von 50 Millionen Euro macht. Das ist nun nicht mehr möglich.
Insgesamt sehr vernünftige Regeländerungen, von der englischen Regierung angeschoben, die aber – weil ungewohnt – nun zu Staus bei Transfers im gesamten europäischen Spitzenfußball führen können. Direkt davon betroffen auch der FC Bayern, der in den vergangenen Jahren eine Menge Spieler nach England transferiert hat – natürlich aber auch von dort geholt hat.
PS: Für Xavi sollte aber erst im kommenden Jahr die große Summe – zuletzt wurde von 90 Millionen Euro gemunkelt – fällig sein. Sein aktueller Stammverein PSG möchte aufgrund von Transfer-Beteiligungsmodalitäten grundsätzlich erst 2025 verkaufen. Aktuell ist daher eine Leihe mit Kaufoption die gewünschte Lösung. Käme dem FCB doch auch sehr zu Gute …
Titelbild: Die FCB-Bosse im Bereich Sport bei der Präsentation von Neuzugang Palhinha. Wie geht die Shoppingtour weiter?
