Als Jan-Christian Dreesen am 27. Mai 2023 in einer „Nacht-und-Nebel„-Aktion von Uli Hoeneß & Co zum Nachfolger von Oliver Kahn als FCB-Vorstandsvorsitzender installiert wurde, wurde die Vertragslaufzeit bis zum 30. Juni 2025 festgesetzt. Die Münchner tz spekuliert nun, dass dieses Datum auch schon sein Ende als CEO des deutschen Rekordmeisters bedeuten könnte. Seine einstigen Förderer wären mit seiner Arbeit weniger zufrieden als erhofft.
Die Entscheidung über eine Vertragsverlängerung über 2025 hinaus hängt sowohl von Dreesen selbst als auch vom mächtigen Aufsichtsrat des FC Bayern ab. Die einflussreichsten Persönlichkeiten in jenem neunköpfigen Gremium sind zweifellos Bayern-Präsident Herbert Hainer als Vorsitzender des Aufsichtsrats, aber noch viel mehr die beiden Granden Uli Hoeneß und Kalle Rummenigge. Gerade dieses Trio soll nach tz-Informationen nicht mehr absolut von der Arbeit Dreesens überzeugt sein.
Der erste Kritikpunkt, den das Münchner Boulevardblatt anführt, ist aber schon mit Vorsicht zu genießen, denn es soll sich dabei um die Art und Weise handeln, wie die Trennung von Cheftrainer Thomas Tuchel finanziell abgewickelt wurde. Dreesen soll vorgeworfen werden, dass die Gesamtkosten hierfür zu hoch ausgefallen seien. Der Haken an dieser Argumentation: Nicht Dreesen, sondern seine Vorgänger haben Tuchel verpflichtet und somit auch das Vertragswerk (inkl. Abfindungsregelung) ausgehandelt. Wenn Dreesen zu dem Zeitpunkt (März 2023) als Finanzvorstand allerdings entscheidend beteiligt gewesen sein sollte, wäre der Vorwurf natürlich berechtigt.
Eine andere Anschuldigung, mit der sich bereits Vorgänger Oliver Kahn konfrontiert sah: Die Stimme des FC Bayern hat in den nationalen (DFL) und internationalen (ECA) Fußball-Gremien ganz offensichtlich nicht mehr das Gewicht, wie es noch zu Zeiten Rummenigges als Vorstandschef war – auch, weil Dreesen zu sehr auf sein eigenes Standing bedacht sei.
Der Finanz-Experte Dreesen wurde im vergangenen September als Vice Chairman in die ECA gewählt, bei der DFL ist er Präsidiumsmitglied. Die nächste DFL-Generalversammlung inklusive Präsidiums-Neuwahlen steht turnusgemäß im August 2025 an. Es kursieren Gerüchte, dass Dreesen schon eher durch Bayern-Finanzvorstand Michael Diederich ersetzt werden soll. Der Vize-CEO des Rekordmeisters soll vor allem bei Hoeneß einen hervorragenden Ruf genießen.
Spätestens Ende des Jahres wird man jedoch Gewissheit haben, ob es mit Dreesen als CEO weitergeht. Ein halbes Jahr vor dem offiziellen Ende seiner Amtszeit muss diesbezüglich eine Entscheidung getroffen sein, dieser Passus ist in den Vorstandsverträgen schriftlich fixiert.
Wie die tz wissen lässt, hat sich Dreesen selbst darüber noch keine konkreten Gedanken gemacht. Die Boulevard-Zeitung spricht in diesem Kontext auch Dreesens „große Verdienste um den Verein“ an:
Als Finanzvorstand verkündete er regelmäßig Rekord-Gewinne, außerdem pflegte er noch in dieser Position ein hervorragendes Verhältnis zur aktiven FCB-Fanszene und den führenden Ultragruppierungen, während er aktuell bei vielen „normalen“ Fans und Mitgliedern eher als Lame Duck gesehen wird. Ob er allerdings diese hervorragende Reputation auch immer noch bei den Ultras genießt, ist zumindest zweifelhaft.
FCB-CEO Dreesen kritisiert Ultras scharf – FC Bayern Total
Sollten sich die Wege von Dreesen und dem FC Bayern tatsächlich trennen, stellt sich erneut die Frage nach einer Alternative. Schon vor einigen Jahren, vor der Installation von Oliver Kahn, wurde von vielen Fans dessen einstiger Mannschaftskollege Philipp Lahm für diesen verantwortungsvollen Posten ins Spiel gebracht. Der Philipp wäre dann 41 Jahre alt (oder jung) – ein gutes Alter, um als wichtiger FCB-Funktionär zu starten.
