Vor dem EM-Finale: Die FCB-Gewinner und -Verlierer des Turniers

Von den zehn Bayernspielern, die mit ihren Nationalmannschaften in die EURO 2024 gestartet waren, ist mit Harry Kane nur einer übrig geblieben, der mit seinen Three Lions am Sonntag in Berlin auf den ersten Kontinental-Titel für das Mutterland des Fußballs hofft. Wie immer wird es nach dem Finale Spanien gegen England heißen: The winner takes it all! Wie sind aber die persönlichen Bilanzen der Kicker des Rekordmeisters bei diesem Turnier?

Schon vor dem Turnier gab es beim deutschen Rekordmeister mindestens vier Spieler, die wegen ihrer Nicht-Teilnahme zum Teil sehr unglücklich gewesen sein dürften. Serge Gnabry und Raphael Guerreiro verpassten das Turnier wegen der Fülle an Verletzungen, die sich über die gesamte Saison 2023/24 hinzogen. Leon Goretzka war ein Opfer der Nagelsmann´schen Kaderidee und Aleksandar Pavlovic erwischte es ganz am Ende noch als nominierten Spieler: Die Mandeln!

Die FCB-Turnier-Verlierer

Der ganz große Verlierer dieser Europameisterschaft war sicherlich Matthijs de Ligt. Bondscoach Ronald Koeman gab ihm bei den sechs niederländischen EM-Spielen keine einzige Minute Spielzeit. Der sympathische 24-Jährige hatte überhaupt keine Chance, den FCB-Verantwortlichen zu zeigen, dass sein forcierter Abgang zu Manchester United ein großer Fehler ist. Vielleicht ist es aber auch kein Fehler, denn mit sieben Gegentoren zählte die holländische Abwehr keineswegs zu den besten des Turniers und Matthijs durfte nicht beweisen, dass es mit ihm besser läuft.

Es war auch keineswegs die EM von Vize-Weltmeister Kingsley Coman. In sechs Turnierspielen wurde er von Didier Deschamps gerade einmal 16 Minuten in der Schlussphase des Gruppenspiels gegen die Niederlande eingesetzt. Für den King gilt ähnliches wie für Matthijs: Frankreich erzielte in sechs Turnierspielen ganze vier Tore – darunter ein Elfmeter und zwei gegnerische Eigentore – eine desaströse Bilanz.

So ist es auch wenig verwunderlich, dass sich der Torschütze des goldenen Tors im CL-Finale 2020 in Lissabon gegen PSG Gedanken über einen Rücktritt aus der Nationalmannschaft macht. Vielleicht kommt ihm aber auch Deschamps zuvor …

FCB-Spieler mit passablem Turnierverlauf

Thomas Müller, der Torschützenkönig der WM 2010 und Weltmeister von 2014 blieb auch in seinem vierten EM-Turnier ohne Treffer. Aber zumindest ein Assist aus dem Schottland-Spiel steht zu Buche. Der Thomas spielte ganze 58 von 480 möglichen Minuten bei dieser EM für Deutschland (die Nachspielminuten nicht eingerechnet).

Im Viertelfinale gegen Spanien hatte er seinen zweiten Einsatz mit immerhin 41 Spielminuten. Von der ersten Minute an merkte man, dass er ein absoluter Teamleader ist, aber leider mittlerweile auch schon mit stumpfen Waffen. Ein schneller Offensivmann, vielleicht sogar der Müller von vor ein paar Jahren, hätte Spanien bei den in der Verlängerung vorhandenen Räumen einen Albtraum-Abschied von der EM verpassen können.

Seine Tränen in den Augen deuteten schon an, dass dies wohl die letzten Minuten im Trikot der deutschen N11 gewesen waren. Noch ein Abschiedsspiel?

Leroy Sané konnte nach der verletzungsgeplagten Rückrunde natürlich nicht in Bestform sein. Er kämpfte, er quälte sich, wurde in allen fünf Spielen eingesetzt – mit ihm in Bestform wäre der vorzeitige Abschied Spaniens aus dem Turnier wohl auch ohne die skandalöse Nicht-Elfmeter-Entscheidung von SR Taylor sehr viel wahrscheinlicher gewesen. Direkt nach dem Turnier hat er sich – endlich – an der Leiste operieren lassen.

Josip Stanisic: Direkt nach dem vorzeitigen Ausscheiden Kroatiens hat er langfristig bei seinem Herzensverein in München verlängert. Erst in der nicht erreichten KO-Phase wäre er offiziell wieder FCB-Spieler gewesen. Er spielte zwei der drei kroatischen Gruppenspiele komplett durch und konnte dabei durchaus überzeugen.

Konrad Laimer wurde in allen vier EM-Spielen von Österreich von Ralf Rangnick eingesetzt. Allerdings verlor er sukzessive an Bedeutung für Austria. Er spielte zunächst jeweils über die volle Distanz gegen Frankreich und Polen. Beim besten EM-Spiel Österreichs gegen die Niederlande (3:2) fand er sich aber plötzlich zunächst auf der Ersatzbank wieder und wurde erst Mitte der 2. Halbzeit eingewechselt. Beim AF-Ausscheiden gegen die Türkei erging es ihm umgekehrt: Auswechslung in Halbzeit 2.

Die FCB-Turnier-Gewinner

Manuel Neuer und Joshua Kimmich wurden vor dem Turnier aus unterschiedlichen Gründen öffentlich in Frage gestellt, überzeugten beide total und verpassten in den fünf deutschen Turnierspielen keine einzige der 480 Spielminuten (Nachspielzeiten nicht eingerechnet).

Jamal Musiala wäre vielleicht ohne Marc Cucurellas Handspiel der Superstar dieser EM geworden. Zusammen mit Harry Kane, Dani Olmo und drei anderen bereits mit ihren Nationen ausgeschiedenen Spielern führt er dennoch vor dem Finale mit drei Treffern die Torschützenliste der EURO 2024 an.

Der gerade von den FCB-Fans viel gescholtene Dayot Upamecano hat bislang von allen Bayernspielern die meisten Einsatzminuten bei diesem Turnier: 570 von 570 möglichen. Neben der spanischen ist die französische Abwehr mit lediglich drei Gegentoren in sechs Spielen die sattelfesteste. Er leistete sich in 570 Minuten lediglich einen Lapsus gegen Polen, als er etwas unglücklich einen Elfmeter verursachte. Dieser – per VAR eingeleitet – war wesentlich weniger klar als der nicht gegebene bei Deutschland gegen Spanien.

Übrigens spielte Benjamin Pavard, der den FCB wegen seiner Wenig-Berücksichtigung als Innenverteidiger 2023 Richtung Mailand verlassen hat, bei Deschamps dieselbe Rolle wie Coman: Eigentlich keine.

Obwohl Harry Kane in seiner Heimat von Experten in Sachen „wie bleibe ich 58 Jahre titelfrei“ permanent kritisiert wird, steht er als Kapitän seiner Three Lions im Finale gegen Spanien. Häufig spielte England dabei wenig überzeugend, benötigte aber nicht wie Spanien gegen Deutschland die massive Mithilfe eines Schiedsrichters.

Tatsächlich scheint Harry – im FCB-Saisonfinale fiel auch er verletzt aus – weniger fit als während der gesamten Spielzeit beim deutschen Rekordmeister zu sein. Trotzdem kämpft er sich Spiel für Spiel durch. In 542 von 600 möglichen Spielminuten stand er für England auf dem Feld. Der äußerst souverän verwandelte Elfmeter gegen die Niederlande war bereits sein sechstes Play-Off-Tor bei Europameisterschaften: Rekord.

Und am Sonntag gegen Spanien kann er England als Kapitän nicht nur zum ersten EM-Titel der Geschichte führen, er könnte mit einem Tor auch alleiniger Torschützenkönig des Turniers werden – in Abhängigkeit davon, was Olmo macht.

Veröffentlicht von fcbayerntotal

Admin und Autor von FC Bayern Total

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