FCB-Toptorjäger Harry Kane steht mit seinen Three Lions im Endspiel der Europameisterschaft gegen Spanien. Gestern Abend gewann England in Dortmund gegen die Niederlande mit 2:1. Kane führte das Team wie gewohnt als Kapitän an, erzielte per Foulelfmeter den zwischenzeitlichen Ausgleich zum 1:1 und stand bis zur 81. Minute auf dem Platz. Anstatt sich zu freuen, üben einige englische Experten scharfe Kritik am Zustandekommen des Sieges. Ist man auch aus Deutschland gewohnt, aber was Neville, Carragher & Co hier anbieten, hat schon eine spezielle Note.
Kane selbst zum Spiel: „Insgesamt haben wir den Sieg verdient, wir sind sehr glücklich. Jeder einzelne hat gekämpft. Es war bislang ein schwieriges Turnier, es bedeutet uns unglaublich viel“. Der Bundesliga-Torschützenkönig blickt direkt nach der Partie auch schon aufs anstehende Endspiel: „Das Finale wird natürlich nicht einfach. Aber es ist ein Spiel, um Geschichte zu schreiben und das wollen wir tun. Es war ein harter Weg bis hierhin, aber wir sind entschlossen und geben alles, was nötig.“
In einer rasanten Anfangsphase gingen die Niederländer bereits in der siebten Minute durch einen sehenswerten Treffer von Xavi Simons, der aktuell im Fokus des FCB steht, in Führung. England fand aber schnell die passende Antwort. Nach einem klaren Foulspiel an ihm selbst schnappte sich Kane in der 18. Minute den Ball und verwandelte extrem souverän ins linke Eck. Für den Bayern-Stürmer war es der sechste Treffer in einem K.o.-Spiel einer Europameisterschaft – Rekord!
Im zweiten Durchgang neutralisierten sich die Teams über weite Strecken. In der ersten Minute der Nachspielzeit erzielte dann aber Ollie Watkins das entscheidende Tor zum 2:1-Erfolg für die Engländer.
Während Fußball-Deutschland auf Social Media die korrekte Handhabung des VAR beim Foulelfmeter feierte und SR Felix Zwayer dafür ausdrücklich lobte, gab es auf der Insel selbst sehr eigenwillige Reaktionen.
So war Englands Ex-Nationalspieler Jamie Carragher mit der Elfmeterentscheidung überhaupt nicht einverstanden. Direkt nach der strittigen Szene schrieb der ehemalige Verteidiger bei X: „Niemals ein Elfmeter„. Dahinter setzte er noch zwei vor Tränen lachende Smileys.
Ein anderer ehemaliger englischer Nationalspieler ging in seiner Kritik sogar noch wesentlich weiter: Gary Neville nannte den Pfiff gar eine „Schande“ und fügte an: „Eine skandalöse Entscheidung. Dass so ein Elfmeter verhängt wird, egal wann, und schon gar nicht in einem so wichtigen Spiel. Er geht natürlich rein und versucht, den Schuss zu blocken. Das ist niemals ein Elfmeter.“
Der betroffene niederländische Nationalspieler Denzel Dumfries, der Kanes Schuss blocken wollte, dabei aber foulte, kommentierte dagegen sportlich fair: „Es gibt den Kontakt mit Kane, also weiß man auch, dass der Schiedsrichter den Elfmeter geben kann. Dafür übernehme ich die Verantwortung. Man tut alles, um ein Tor zu verhindern, aber dann passiert so etwas. Das ist wirklich scheiße.“
Zur Erinnerung: Dayot Upamecano hatte in einer ähnlichen Situation im CL-Achtelfinal-Hinspiel bei Lazio Rom ebenfalls einen Foulelfmeter verursacht und war darüber hinaus sogar des Feldes verwiesen worden, weil er dabei den Knöchel des römischen Angreifers getroffen hatte. Dumfries offene Sohle sollte Harry allerdings auch noch einige Tage Schmerzen bereiten.
Fazit: Nicht nur die Bayernfans bzw. Fußball-Deutschland lacht, wundert und ärgert sich über Experten à la Didi Hamann. Diese Spezies gibt es auch in anderen Ländern. Bei Gary Neville (1995-2007) und Jamie Carragher (1999-2010) kommt wohl noch erschwerend hinzu, dass beide in der englischen N11 in einer Fußballzeit aktiv waren, als diese ein ziemlich schwaches Niveau hatte und weit weg von jeglichen Titelchancen war. Neid und Eifersucht als Motiv für derart unverständliche Statements? Nichts ist unmöglich!
Die meisten Bayernfans werden Harry am Sonntag gegen Spanien die Daumen drücken, dass er endlich seinen ersten – dann sogar ganz – großen Titel gewinnt. Und hoffentlich pfeift dann ein SR wie Zwayer gestern, vor dem übrigens ausgerechnet England große Angst hatte, und kein arroganter VAR-Verweigerer wie Anthony Taylor. Erste Gerüchte lassen allerdings Böses vermuten und gerade die Bayernfans wütend werden …
