England steht nach der ungeliebten Disziplin Elfmeterschießen – 5:3 gegen die Schweiz – im Halbfinale der EURO 2024. Der zuvor so hart kritisierte englische Coach Gareth Southgate tanzte nach der wenig ansehnlichen, aber dramatischen Partie mit seinen Spielern sogar vor den Fans. Somit sollte eigentlich alles super im Mutterland des Fußballs sein. Nicht wirklich, denn ausgerechnet Kapitän Harry Kane steht in England im Fokus einer gnadenlosen Kritik.
„Das ist nicht der Kane, den wir kennen. Er ist unbeweglich und kann sich nicht frei entfalten“, schreibt der Guardian nach dem Viertelfinale gegen die Schweiz in Düsseldorf, bei dem der FCB-Topstürmer vor dem Elfmeterschießen in der 110. Minute angeschlagen ausgewechselt werden musste. Sky Sports ergänzt: „Es war ein träger Auftritt. Kane wirkte die ganze Zeit über einen Meter neben der Spur.“
Der ehemalige Premier-League-Profi Jamie O’Hara (u.a. bei Harrys Ex-Verein Tottenham) zieht bei talkSPORT einen Vergleich, der Spieler vor einigen Jahren noch begeistert hätte. Aktuell weniger, nämlich mit Portugals alterndem Star Cristiano Ronaldo: „Er sieht nicht fit aus, er ist faul, er nervt mich wirklich. Ich mache mir Sorgen, dass wir einen Ronaldo in der Mannschaft haben und ihn spielen lassen müssen.“
Kane hat bisher zwei Turniertore erzielt, darunter den entscheidenden Treffer in der Verlängerung des Achtelfinals gegen die Slowakei, wirkt nach Rückenproblemen im Saisonendspurt mit dem FCB aber tatsächlich nicht richtig fit. Allerdings gab er selbst nach der Auswechslung in der Verlängerung gegen die Schweiz Entwarnung.
„Mir geht es gut, ich war einfach müde. Ich hatte ein bisschen Krämpfe da, bin über ein paar Wasserflaschen gestolpert und beide Waden haben gekrampft“, so Kane, der von Ivan Toney ersetzt wurde, nach der Partie. Aber auch ohne den Kapitän, der üblicherweise nicht ausgewechselt wird, hatten alle fünf englischen Schützen souverän im Elfmeterschießen getroffen.
Der englische Ableger von Goal.com stufte Kane nach dem Schweiz-Spiel wenig charmant in die Rubrik „Loser“ ein: „Die Wahrheit ist, dass Kane schon lange nicht mehr nützlich ist.“
Tatsache ist aber auch, dass die englischen Medien Kane nach seinem Wechsel zum FC Bayern, der vor einem Jahr fast schon als Vaterlandsverrat betrachtet worden war, offenbar kritischer sehen. Im morgigen EM-Halbfinale gegen die Niederlande in Dortmund hat Kane die nächste Chance, alle Kritiker verstummen zu lassen.

Ein Kommentar zu “Bitterböse Kritik an Harry Kane aus England”