Fußball war schon immer ein sehr emotionaler Sport, in dessen Mittelpunkt leider immer wieder die Schiedsrichter, auch als Unparteiische bezeichnet, stehen. In den 1920er und 1930er, selbst noch in den 1950er Jahren bekamen diese nicht selten von aufgebrachten Fans eine Abreibung verpasst – und dies im Gegensatz zu heute bei den großen Stadionspielen. Diese Zeiten sind zumindest in unseren Breitengraden glücklicherweise längst vorbei. Wie Spieler, Verantwortliche und Fans feststellen müssen, ist im aktuellen Spitzenfußball eher das Gegenteil eingetreten: Die Referees befinden sich in einer gewissen Wohlfühloase, selbst wenn sie brutale Fehler, die häufig in die Rubrik „Ist das nicht Absicht?“ fallen, begehen. Gestern kam der Engländer Anthony Taylor nach seiner fatalen Fehlentscheidung beim EM-Viertelfinale Deutschland gegen Spanien in diesen Genuss.
Als der 45-Jährige in der absoluten Crunch-Time der als vorweggenommenes EM-Endspiel bezeichnenden Partie, in der zweiten Hälfte der Verlängerung, den Deutschen einen glasklaren Handelfmeter verweigerte, schaltete die übertragende ARD die frühere BL-Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus als Expertin hinzu. Das Ergebnis war eine Peinlichkeit, eine Lachnummer, eine Farce: Steinhaus, die selbst mit dem ehemaligen englischen Referee Howard Webb verheiratet ist, wollte ihren SR-Kollegen partout nicht kritisieren. Sie fühlte sich sichtlich unwohl, verwendete Floskeln, die ein ganzes Phrasenschwein hätten füllen können. Kurzum: Ihre Ausführungen, die auf eine fifty-fifty-Entscheidung hinausliefen, waren für die Tonne und lösten bei den deutschen Fußballfans maximale Empörung aus.
Später in der ARD-Sendung bezog Bibianas Ex-Kollege Manuel Gräfe schon eindeutiger Stellung: Er sah bei der Aktion einen glasklaren Elfmeter. Jedoch spielte sich zeitgleich beim ebenfalls übertragenden Magenta-TV eine ähnliche Farce ab, bei welcher sich die Experten im Gegensatz zur ARD jedoch heftig in die Wolle gerieten. Im Mittelpunkt: Bundesliga-Schiedsrichter Patrick Ittrich. Die Diskussionsgegner Michael Ballack, Shkodran Mustafi sowie Moderator Johannes B. Kerner.
Ittrichs Meinung: „Aus Sicht des Schiedsrichters zieht der Spieler den Arm zurück, so könnte man es interpretieren. Aus diesem Grund hat der VAR den Schiedsrichter nicht rausgeschickt. Welche anderen Bilder soll er ihm zeigen? Dann steht er draußen und sagt, das ist 50:50. Dieses Handspiel macht das ganze Dilemma der Handspielregel deutlich. Wir haben einen Interpretationsraum in der Regel. Ich bin auch eher bei Handspiel, aber man kann ihm draußen keine anderen Bilder zeigen. Gibt er ihn, bleibt der Elfmeter auch stehen – das ist das Dilemma.“
Trotz dieser umfangreichen Erklärung war das Thema damit keinesfalls beendet. Ex-Spieler und Moderator waren sich schon vorher zu hundert Prozent einig gewesen, dass es einen Elfmeter hätte geben müssen. Kerner schoss folglich heftig gegen Ittrich: „Das kann ich nicht hören. Es kann doch nicht sein, dass wir eine Regel haben: Er pfeift Elfmeter und der kann nicht revidiert werden. Oder er pfeift keinen Elfmeter und das kann auch nicht revidiert werden.“
Es handle sich aber eben um „Ermessensspielraum„, hielt Ittrich dagegen. „Come on„, erwiderte Kerner genervt. Der Schiedsrichter wollte dies nicht unkommentiert stehen lassen: „Nicht ‚come on‘! Was soll ich denn machen, ich kann auch nichts dafür.„
Mustafi, der stinksauer wirkte, verwies in diesem Kontext darauf, dass es auch Elfmeter gebe, wenn ein Verteidiger im letzten Moment das Bein wegzieht, den Gegner aber trotzdem trifft.
„Wir dürfen Äpfel nicht mit Birnen vergleichen„, so Ittrich im Verteidigungsmodus. Was wiederum Ballack wütend machte: „Ein klareres Handspiel gibt es nicht mehr im Fußball„.
Worauf wieder Ittrich erwiderte: „Was hätten denn die Spanier gemacht, wenn er Elfmeter gepfiffen hätte?„. Ballacks trockener Konter: „Die hätten gar nichts gemacht, weil das ein Handspiel ist.“ Damit war das Expertenteam endgültig haushoher Punktsieger gegen den Unparteiischen. In einem Spiel hätte er aber wohl allen Dreien die rote Karte gezeigt…
Steinhaus und Ittrich zeigen das aktuelle Dilemma im Schiedsrichterwesen in seiner gesamten Bandbreite: Die Kollegen pfeifen einen unfassbaren Mist zusammen und werden dann auch noch geschützt und protegiert, auch von ihren Verbänden. So darf selbst der unsägliche Marciniak aus dem CL-Halbfinale in Madrid bei dieser EM pfeifen.
Die Negativ-Beispiele sind augenblicklich – auch bei der EURO 2024 – schier endlos. Der VAR sollte eigentlich als Unterstützung bei tatsächlich sehr schwierigen Entscheidungen dienen. Man hat aber immer mehr das Gefühl, dass er noch deutlicher die gesamte Unfähigkeit und Arroganz der nationalen wie internationalen SR ans Licht bringt. Manche Entscheidungen sind trotz VAR so lächerlich falsch, dass sie im Profibereich kaum ohne Manipulationsverdacht vorstellbar sind.
Der deutsche Bundestrainer Julian Nagelsmann hat gestern nach dem Spiel ganz simpel erklärt, warum in der Szene ein Handelfmeter alternativlos gewesen war. Anders als bei Entscheidungen, bei welchen der Ball ohne Hand- oder Armberührung ins Nirvana gegangen wäre, hätte Jamal Musialas scharfer Schuss wohl direkt den Weg zum 2:1 gefunden.
Die aktuelle Situation um die protegierten unfähigen (manipulativen?) SR herum erinnert an einen wütenden Ausruf vom damaligen FCB-Trainer Nagelsmann: „Was für ein weichgespültes Pack!“
Obwohl er damit absolut recht hatte, bekam er vom DFB eine gewaltige Geldstrafe. Der tatsächliche damalige Übeltäter Tobias Welz durfte dagegen sofort in der Bundesliga weiter (ver)pfeifen.
Was einem wirklich Angst macht, ist die neue Fülle an Rechten, die die UEFA ihren Schiedsrichtern nach der EM auch in den Europäischen Vereinspokalen gewährt. Ein Fehlersystem bekommt die Erlaubnis, völlig zu eskalieren. Sieht man auch gerade bei der EM bei der sintflutartigen Anzahl an Karten bei gewiss nicht überharten, sondern eher – was die Härte betrifft – normalen aber eben sehr wichtigen Spielen.

Sehr sehr guter Beitrag!
Nagelsmann feiere ich für diesen Ausspruch nach dem „Skandal“ in Gladbach noch immer.
Bei den SR MUSS sich etwas tun. Aber gegenwärtig wird alles immer nur noch schlimmer )-:
Noch einen anderen interessanten Beitrag dazu gefunden: https://www.msn.com/de-de/sport/other/em-kolumne-von-pit-gottschalk-inzwischen-vermute-ich-bei-skandal-schiri-taylor-eine-ganz-andere-wahrheit/ar-BB1pwk7n?ocid=msedgntp&pc=NMTS&cvid=c037d09861254e4ca59aaface641d0e8&ei=8
Ebenfalls Zustimmung!
Ja, kann ich auch etwas damit anfangen.
Zwischenzeitlich hat sich ja auch die UEFA-Rosette gemeldet. Bodenlos. Noch peinlicher als Bibi und Ittrich.
Da muss sich etwas tun. Der Fußball im Klammergriff von selbstherrlichen unfähigen Schiris … da sehnt man sich fast in die genannten 1920er und 30er Jahre zurück 😉