EURO 2024: Türkische Ultras drohen mit Skandal für das Spiel gegen die Niederlande

Kein Fußballfan der Welt wird widersprechen, wenn man behauptet, dass der türkische Fußball – ob in den Vereinen oder in der Nationalmannschaft – von einem gewaltigen Fanatismus geprägt ist. Es gibt Fans, welchen diese Auftritte der türkische Fans imponieren, in unserer europäischen Fußballkultur sind wir jedoch größtenteils davon genervt, geschockt bis angewidert. Letzteres betrifft vor allem die gellenden Pfeifkonzerte beim Abspielen der Nationalhymnen des Gegners. Pfeifkonzerte in Orkanstärke sind sowieso das beliebteste Instrument der türkischen Fans: Man feuert traditionell weniger die eigene Mannschaft an als dass man die gegnerische einschüchtern will. Auch bei den bisherigen vier EM-Auftritten der Türkei war dies stets so. Vor dem Viertelfinalspiel gegen die Niederlande drohen nun türkische Ultras mit der nächsten Eskalationsstufe.

Diese fordern nämlich die türkischen Fans im Berliner Olympiastadion beim EM-Viertelfinale ihres Teams gegen die Niederlande zum Zeigen des umstrittenen Wolfsgrußes auf. Alle Anhänger auf der Tribüne seien eingeladen, die Geste während der Nationalhymne zu machen, hieß es in einem Aufruf auf der Plattform X.

Der Hintergrund ist bekannt: Der türkische Nationalspieler Merih Demiral hatte sein zweites Tor im EM-Achtelfinale gegen Österreich mit diesem sogenannten Wolfsgruß gefeiert, dessen Ursprung den Grauen Wölfen, einer rechtsextremistischen Bewegung zugeordnet wird. Ihm droht deshalb eine Sperre. Es gibt dazu bereits Gerüchte, dass für ihn die EM mit einer 2-Spiele-Sperre durch die UEFA quasi beendet sein soll.

Wegen des Eklats um die Geste hatte es in den vergangenen Tagen auch auf der politischen Ebene heftigen Wirbel gegeben. Das türkische Außenministerium bezeichnete die UEFA-Untersuchung gegen Demiral als inakzeptabel. Die türkische Ultra-Gruppierung betonte, der Wolfsgruß sei nicht rassistisch zu verstehen, sondern „das nationale Symbol des Türkentums„.

Wenn man sich etwas intensiver mit der Sache befasst, dann ist diese Erklärung eher kein schlechter, sondern ein böser Scherz:

Graue Wölfe – Wikipedia

Wie dramatisch die Situation ist, zeigt der letzte Absatz: Im Mai 2021 verabschiedete das Europäische Parlament eine Resolution, in der die EU und ihre Mitgliedstaaten aufgefordert wurden, die Möglichkeit auszuloten, die Grauen Wölfe auf die EU-Terrorliste zu setzen. Zudem wurde in der Resolution gefordert, die Vereinigungen und Organisationen der Ülkücü-Bewegung in den EU-Ländern zu verbieten, die Aktivitäten der Grauen Wölfe genau zu überwachen und gegen ihren Einfluss anzukämpfen, der vor allem für Menschen von kurdischer, armenischer oder griechischer Herkunft eine Bedrohung darstelle.

Ohne jetzt selbst zu politisch zu werden – das Handeln der Bundesrepublik Deutschland war in dieser Angelegenheit bislang nicht strikt genug: Die UEFA und der veranstaltende DFB müssen im Vorfeld der Partie morgen in Berlin verdeutlichen, dass sie diese Geste nicht akzeptieren werden und dass die Konsequenzen hart sein werden. Auch wenn das nicht ansatzweise wünschenswert ist: Auch eine Disqualifikation der türkischen Mannschaft sollte in diesem Kontext erwähnt werden.

Hoffen wir jedoch lieber auf die Vernunft aller (nicht nur Türken)! Hier sind nicht zuletzt die vernünftigen in Deutschland lebenden Türken angesprochen, mäßigend auf die drohende Eskalation in Berlin einzuwirken. Der Fußball soll völkerverbindend sein und nicht Hass erzeugend und trennend!

Veröffentlicht von fcbayerntotal

Admin und Autor von FC Bayern Total

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