Im morgigen EM-Viertelfinale in Stuttgart treffen mit Deutschland und Spanien die beiden bislang besten Turniermannschaften aufeinander. Der deutsche Ex-Nationaltorwart Jens Lehmann tippt auf einen Sieg der DFB-Elf und sieht bei den Spaniern Schwächen. Seine Aussagen sorgen in Spanien für mächtig Aufregung und veranlassen zwei Spieler der Furia Roja öffentlich ziemlich heftig auf Lehmann zu reagieren.
Lehmann hatte es in einem Interview mit WELT TV als deutschen Vorteil gesehen, dass die Mannschaft von Trainer Luis de la Fuente zu klein und unerfahren sei: „Die Spanier sind eigentlich von der Qualität her vielleicht sogar einen Tick besser als wir. Aber sie sind in der Körpergröße zu klein und sie sind sehr unerfahren. Das ist eigentlich eine Jugendmannschaft teilweise, weil sie vorn zwei Stürmer haben, die extrem jung sind.“
Der Ex-BVB- und Arsenal-Keeper meinte damit vor allem das spanische Offensiv-Duo Lamine Yamal (16) und Nico Williams (21). Obwohl Lehmanns Einschätzung sogar ein großes Kompliment enthielt, kommt sie bei den Iberern überhaupt nicht gut an.
So Aymeric Laporte vom saudischen Klub AL Nassr in der Radio-Sendung Radioestadio Noche: „Es schadet uns nicht, ich denke, es ist sogar gut für uns. Das heißt, wenn wir sie schlagen, muss er sein Maul halten.“ Wenig stilvoll, ziemlich primitiv.
Laut dem Innenverteidiger der Petro-Dollar-Liga hat man die Aussagen in der spanischen Kabine auch „nicht besprochen“. Aber, so Laporte: „Ich freue mich sehr auf den Tag und darauf, etwas Großes zu tun. Mal sehen, ob wir es schaffen können.“
Etwas stilvoller reagierte bereits vorgestern Mikel Oyarzabal von Real Sociedad auf die Lehmann-Analyse reagiert: „Das ist eine Meinung wie jede andere. Die Leute werden schon ihre Gründe haben, warum sie so etwas sagen. Uns beeinflusst das überhaupt nicht. Wir glauben, dass wir ein großes Team sind und haben Vertrauen in uns selbst – aber ohne dabei andere zu verachten.“
Auch der 16-jährige Yamal reagierte ziemlich herablassend auf die Aussagen von Lehmann: „Was soll ich sagen? Er ist Deutscher, er möchte gut über seine Nationalmannschaft sprechen und unsere destabilisieren.“ Abschließend hat der Teenager auch noch einen Tipp für den 54-jährigen Vize-Europameister von 2008: „Das Beste ist, nichts zu sagen.“
FC Bayern Total: Lehmanns Aussagen sind eigentlich grundsätzlich seriös, nichts Herablassendes, nichts Arrogantes. Eine schlichte Einschätzung der Schwachstelle(n) eines ansonsten großartigen Teams. Dieses Lob steckt definitiv in seinen Aussagen. Warum man bei den Spaniern nun kollektiv so scharf darauf reagiert hat? Dazu kann es keine zwei Meinungen geben: Lehmann hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Wenn nicht, hätte Spanien seinen Blödsinn schlicht ignorieren bzw. weglächeln können.
Ein junges kleines Team scheint tatsächlich nervös zu sein …
