Volker Struth, Geschäftsführer der Berateragentur Sports360, die unter anderem Toni Kroos oder Mario Götze betreut, ist seit vielen Jahren einer der Top-Spielerberater im Profifußball. Der 58-Jährige kennt das Fußball-Business wie seine Westentasche. Im Podcast „Spielmacher – Der EM-Talk mit Sebastian Hellmann“ von 360Media blickt er auf den aktuell laufenden Transfermarkt.
Struth nüchtern zur derzeitigen Situation: „Wir haben aktuell keine richtige Transferperiode. Die wird mit einem Turnier wach. Aktuell ist tote Hose. Das spüren ganz viele Berater, ganz viele Vereine, ganz viele Spieler.“ Alle würden ihren Blick auf die aktuell in Deutschland stattfindende Europameisterschaft richten. Die Spieler können ihre Marktwerte hochtreiben und sich ins Schaufenster stellen. Vereine wiederum können davon profitieren, wenn einer ihrer Profis durch die Decke geht.
Zwar gab es einzelne große Transfers: Kylian Mbappé schloss sich nach einem jahrelangen Ringen ablösefrei Real Madrid an. Der FC Bayern verpflichtete den japanischen Defensivmann Hiroki Ito (Titelbild) vom VfB Stuttgart, Leverkusen Aleix Garcia vom FC Girona. Insgesamt blieb es jedoch ruhig. Auch die Agenten warten laut Struth daher ab, was sich bei der EM in den kommenden Wochen noch an Optionen eröffnet.
Dennoch wird durch vereinzelte Wasserstandsmeldungen oder Updates einzelner Transferjournalisten eine ständige Bewegung suggeriert. Struth zeigt Verständnis dafür: „Dass die Menschen, die Fans, sich für die ganzen Plattformen interessieren, auch für den Deadline Day, das kann ich verstehen. Da ist ein Markt entstanden. Die Nachfrage nach solchen Informationen ist groß. Deshalb gibt es einen Fabrizio Romano mit über zwanzig Millionen Followern. Die Menschen harren danach.“
Der gebürtige Rheinländer kann nachvollziehen, dass die Menschen diese Informationen „spannend finden“. Struth hat auch kein Interesse daran, Romano dafür zu kritisieren: „Dass es Menschen gibt, die daraus einen Markt generieren, dafür habe ich absolutes Verständnis. Er stellte zugleich klar: „Aber in unserem Inner-Circle nimmt das nicht diese große Rolle ein. Dafür ist auch die Quote nicht hoch genug. Man müsste mal messen, was am Ende einer Transferperiode wirklich stattgefunden hat. Das Verhältnis würde ich gerne mal sehen.“
Struth sieht auch keinen Sinn darin, Gerüchte über Medien oder eben Einzelpersonen mit einer Strahlkraft wie Romano zu lancieren: „Wer glaubt, dass sich ein erfahrener Sportdirektor von einem Gerücht über einen Spieler, mit dem er sich gerade beschäftigt, beeinflussen lässt, anders zu handeln oder irrational zu werden, der kennt das Geschäft nicht. Man hat wegen eines Gerüchts weder einen Vorteil noch einen Nachteil.“
Der Top-Agent geht daher auch nicht davon aus, dass Plattformen wie Romano für Verhandlungen ausgenutzt werden: „Ich glaube nicht, dass es große, erfahrene Berater oder Agenturen gibt, die das im großen Stil machen. Es bringt auch nichts. Es ist absolut nicht zielführend.“
PS: Struths Einblicke lassen sicherlich auch Rückschlüsse auf das derzeitige Transfer- Geschehen beim FC Bayern zu. Zunächst wird Vincent Kompany – wie bei seiner Präsentation angekündigt – den bereits vorhandenen Kader de Luxe abchecken und dann werden Max Eberl und Christoph Freund agieren.

2 Kommentare zu „Sehr Interessant: Top-Spielerberater über „Transferjournalisten“ wie Fabrizio Romano im Profifußball“