Kommentar von Petersgradmesser
Seit über einem Vierteljahr, weit vor der Verpflichtung von Vincent Kompany als neuen Cheftrainer, berichten die Medien von einem radikalen Kaderumbruch beim FC Bayern. Von Seiten der Verantwortlichen des deutschen Rekordmeisters gab es – zumindest offiziell bzw. in der Öffentlichkeit – bislang niemals ein Statement, welches eindeutig in diese Richtung gedeutet werden könnte. Aktuell hört man gar nichts von der Säbener Straße. Es herrscht kein Spielbetrieb, dementsprechend gibt es keine Pressekonferenzen oder ähnliche Gelegenheiten. Nützt die Boulevardpresse nun diese Situation schamlos aus?
Denn wenn man dem Grundtenor der Fußball-Journalisten Glauben schenken möchte, entwickelt sich der FC Bayern derzeit vom (zu) großzügigen Arbeitgeber, was die üppigen Gehälter der Fußballprofis betrifft, zu einem richtig fiesen.
Zahlreiche im Fußball führende Medien berichten seit einer Woche, dass es beim FCB eine sehr prominent besetzte Streichliste geben würde, auf welcher die Namen von Joshua Kimmich, Leon Goretzka, Serge Gnabry, Matthijs de Ligt, Kingsley Coman und Noussair Mazraoui stehen würden. Sechs Hochkaräter – mit dem Zusatz, dass diese Liste nicht vollständig sein müsse.
Genau vor zwei Wochen, bei der Präsentation von Kompany im Rahmen einer PK in der Allianz Arena, hatte FCB-Sportvorstand Max Eberl die Existenz einer derartigen Liste noch vehement bestritten. Und auch der neue FCB-Coach Kompany versicherte glaubwürdig, dass alle Spieler aus dem aktuellen Kader eine Chance bei ihm hätten, wenn sie ihn überzeugen könnten.
Die Medien-Story ging in den letzten Tagen dagegen rasant weiter. Denn im Zusammenhang mit einer angeblichen Forderung des mächtigen Aufsichtsrats des FC Bayern, dass die Spielergehälter innerhalb der nächsten zwölf Monate radikal um 20 Prozent gesenkt werden müssten, wurde publik, dass der Verein seine Verkaufskandidaten nicht zuletzt aufgrund deren (zu) üppigen Gehälter ausgesucht hätte. Dies könne unter anderem dem Fanliebling de Ligt zum Verhängnis werden.
Es wird weiter fabuliert, dass Kompany mit all denjenigen Spielern, die gehen sollen, bis zum Trainingsstart Gespräche führen will und ihnen die gegebenenfalls ungünstigen Perspektiven aufzeigen wird.
Eberl, Kompany & Co sollen also mit dem Aufsichtsrat im Rücken – oder soll man hier passenderweise im Kreuz sagen? – langjährige verdiente Spieler aus dem Verein mobben?
Dazu berichtet nun die SportBild, dass die drei auserwählten deutschen Nationalspieler Joshua Kimmich (Vertrag bis 2025), Leon Goretzka (2026) und Serge Gnabry (2026) die FCB-Verantwortlichen über ihre nicht vorhandene Bereitschaft zu einem Wechsel informiert und auf ihre Verträge verwiesen hätten..
Sollten diese medialen Berichte tatsächlich stimmen, werden Kingsley Coman (2027), Matthijs de Ligt (2027) und Noussair Mazraoui (2026) sicherlich bald ähnliche Schritte gehen.
Eine infame Verleumdungsstory des Boulevard oder ist an den Berichten doch mehr Wahrheit dran, als man als FCB-Fan glauben möchte?
Dass die Gehälter der FCB-Profis spätestens seit der offenbar wirklich verhängnisvollen Verpflichtung von Lucas Hernández im Sommer 2019 steil nach oben gingen, ist ein offenes Geheimnis. Dass die aktuellen Verantwortlichen diese Fehler des damaligen Hauptverantwortlichen Hasan Salihamidzic korrigieren sollen, nein müssen, ist verständlich.
Wobei die kurze Zwischenfrage erlaubt sein muss: Hat der FCB-Aufsichtsrat damals und nachfolgend geschlafen? Dieser muss alle Deals mit höheren Geldsummen genehmigen.
Mitten in der vergangenen Saison – vor dem Amtsantritt von Max Eberl – haben die beiden verdienten FCB-Oldies Thomas Müller (34) und Manuel Neuer (38) ihre hochdotierten Kontrakte noch einmal um eine Saison bis 2025 verlängert. Ihr Salär soll zusammen mit dem von Harry Kane das höchste im Verein sein. Wie ökonomisch sinnvoll war jene Aktion?
Was man jahrelang verbockt hat, soll jetzt innerhalb von kürzester Zeit mit der Brechstange gerade gerückt werden – zu Lasten der aktuellen Spieler mit bestehenden gültigen Verträgen, aber auch zur Belastung von Eberl und Christoph Freund.
Gleichzeitig will man den Verein für die Rückeroberung des Bundesliga-Throns und einen erneuten Einzug in ein Finale dahoam entsprechend aufrüsten?
Wie will man eigentlich Jamal Musiala von einem Verbleib im Verein überzeugen? Wie den Wunschspieler 2025 Florian Wirtz? Die internationale Konkurrenz gedenkt nicht zu knausern…
Wo ist aktuell der Denkfehler? In einer erfundenen durchkonstruierten Story der Boulevardmedien? Oder bei den Bayernbossen und dem FCB-Aufsichtsrat?
In einem anderen Zusammenhang hat Eberl übrigens jüngst über die geplante Entwicklung beim Rekordmeister von einer „Evolution“ und ausdrücklich nicht von einer „Revolution“ gesprochen. Das möchte man dem Verein auch in diesem Fall raten.

Ganz ehrlich: Das 100%ige Vertrauen in den FCB 2024 habe ich in dieser Angelegenheit nicht.
Man kann den Spielern überhaupt nicht vorwerfen, dass sie bei den früheren Verantwortlichen aus ihrer Sicht überragende Verträge ausgehandelt haben.
Und ja: Mit der beschriebenen „Brechstange“ sollte man das jetzt auch nicht versuchen … das kann böse in die Binsen gehen!