Ist Bundestrainer Julian Nagelsmann ein Bauch- oder eher ein Kopfmensch? Er selbst meint dazu im Interview in der aktuellen Ausgabe des DFB-Journal: „Es gibt Entscheidungen, die man als Trainer fast nur mit dem Kopf trifft. Matchplan, Spielideen, alles, wofür man Vorbereitungszeit hat. Mit Abstrichen auch die Kader-Entscheidungen.“
Der Ex-Bayern-Trainer bezeichnet diese Entscheidungen als wichtig, aber er sieht sie nicht als „die wichtigsten“. Stattdessen: „Ich finde, dass die große Kunst des Trainer-Seins darin besteht, auf Spielsituationen zu reagieren. In dieser Disziplin unterscheiden sich gute von normalen und sehr gute von guten Trainern.“
Der 36-Jährige erklärt weiter: „Im Spiel zu registrieren, ob das funktioniert, zu erkennen, was und warum es nicht funktioniert und Ideen zu entwickeln und umzusetzen, wie sich das ändern lässt – das ist für mich die Königsdisziplin. Wenn man in Stresssituationen unter Druck Entscheidungen treffen muss, dann hat man nicht genug Zeit, rationale Erwägungen ausgewogen einzubeziehen…“
Der Bundestrainer führt im Gespräch weiter aus: „Man muss gedankenschnell sein, doch vor allem geht es darum, den Mut zu haben, auf sein Herz und seinen Bauch zu hören. Wenn man diese Entscheidung dann zehn Mal hinterfragt, hat der Spielverlauf längst eine nicht mehr stoppbare Dynamik bekommen.“ Trainer müssten im Spiel fähig sein, einen Einfluss auf das Geschehen zu nehmen: „Und der Impuls für diese Idee entsteht in aller Regel im Bauch, im Herz.“
