Julian Nagelsmann geht in sein erstes Turnier als Bundestrainer. Zuvor war er als Vereinscoach unter anderem 21 Monate beim FC Bayern aktiv. Thomas Müller kennt beide Seiten.
Der 34-jährige Routinier hat beim deutschen Rekordmeister 73 Pflichtspiele unter der Anleitung von Nagelsmann absolviert und wurde von ihm auch in der neuen Funktion beim DFB bislang stets berücksichtigt. Und auch im Kader für die Heim-EM hat der Weltmeister von 2014 seinen Platz sicher. Beim Bundestrainer erkennt Müller durchaus Unterschiede zu dessen Amtsführung an der Säbener Straße.
„Was ich feststelle, ist seine Adaption auf den Job. Bundestrainer zu sein, bedeutet etwas anderes, als Vereinstrainer zu sein“, erläutert Müller bei Sky. Dabei sei beispielsweise das Personal ein Thema, das natürlich „Vor- und Nachteile hat“, wie der Offensivspieler betont: „Du kannst immer wieder neue Spieler nominieren, deine Pläne über den Haufen werfen, was den Kader betrifft.“
„Aber du kannst dir keine Spezialisten kaufen, wenn du siehst, dass du einen Spielertypen nicht im Pool hast“, so Müller. Beim DFB-Team scheint die Mischung derzeit zu stimmen, die Stammelf für den Auftakt in die EM dürfte bereits feststehen. Müller winkt aller Voraussicht nach eine Jokerrolle.
Die Arbeit von Nagelsmann wirkt auf Müller derweil durchaus fokussierter als noch beim FC Bayern, wobei dies in erster Linie ‚logistische‘ Gründe hat. „Was festzustellen ist, ist, dass er diesen Fokus und dieses Bewusstsein dafür hat, ‚ich habe nicht so viele Videositzungen und Trainingseinheiten mit der Mannschaft‘“, so Müller.
In Vorbereitung auf die EM-Endrunde gehe Nagelsmann „nicht so sehr ins Detail, das hilft uns, die Klarheit zu haben, die wir auf dem Spielfeld brauchen“. Klarheit herrscht auch in Bezug auf die Hierarchie in der DFB-Kapitänsfrage: Müller wird die Binde tragen, sollten Ilkay Gündogan und Joshua Kimmich beide nicht auf dem Feld stehen.
